Starke Schule beider Basel (SSbB)

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Inputs zum Beförderungssystem

Lesen Sie hier: Mehrere Rückmeldungen zum Promotionssystem der Sekundarschulen.
 

News

  • Donnerstag, Juli 29, 2021

    Umstrukturierung an den Schweizer Gymnasien

    Mit den Änderungen der letzten Jahre im Bildungssystem soll nun auch an den Gymnasien eine Reformen eingeführt werden. Die Gymnasien weiter entwickelt werden, um die Qualität der Maturität und den prüfungsfreien Zugang zur Universität auch weiterhin sicherzustellen. Im Zentrum stehen der Rahmenlehrplan der Schweizerischen Konferenz der Erziehungdirektoren (EDK) und die gemeinsamen Anerkennungsvorgaben von Bund und Kantonen (MAR/MAV). (so)

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  • Montag, Juli 19, 2021

    Kein Leistungslohn in Basel-Stadt

    Während im Kanton Basel-Landschaft ein lohnrelevantes Mitarbeitergespräch (MAG) für Staatsangestellte eingeführt wurde, hat das baselstädtische Erziehungsdepartement in einer Medienmitteilung darauf hingewiesen, dass die MAGs an Basler Schulen auch künftig nicht lohnrelevant sein werden. (so)

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  • Montag, Juli 19, 2021

    Facts zu Lernenden im Jahr 2020/21

    Im Schnitt verläuft die Bildungslaufbahn von Mädchen geradliniger als die von Knaben. (so)

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11.10.2020

Frühfranzösisch: der grösste und teuerste Witz der Schulgeschichte!

Diesen Sommer ist unser Sohn an die Sek P übergetreten. Innerhalb weniger Wochen wurde ihm schmerzlich und in aller Deutlichkeit bewusst, dass er in 4 langen Jahren Französischunterricht mit dem Lehrmittel «Mille feuilles» an der Primarschule von dieser Sprache rein gar nichts mitbekommen hatte. Die Realität hat ihn eingeholt.

Sein Vater hatte ihm zwar immer wieder einmal angedeutet, dass es um seine Französischfähigkeiten – trotz durchgehender Zeugnisnote 6 in allen 4 Jahren! – eher trübe bestellt sei. Aber so richtig nachvollziehen kann er es erst jetzt, wo er zum ersten Mal so etwas wie einen strukturierten Französischunterricht erlebt. Und wo von ihm erwartet wird, dass er gewisse sprachliche Strukturen mündlich und schriftlich anwenden kann. Bezeichnend ist, dass an der Sek P nun mit dem Lehrmittel «Le Cours intensif 1» (Klett-Verlag) gearbeitet wird. Dieses Lehrmittel beginnt in Französisch wieder bei null: Mit «avoir» und «être», mit den Personalpronomen und basalem Wortschatz. Ein klareres Eingeständnis, dass die 4 Jahre Frühfranzi an der Primar zu 100% wirkungslos verpuffen, gibt es nicht.

Die bittere Wahrheit sieht nämlich so aus: Den allermeisten Schülerinnen und Schülern ist nach 10 Jahreslektionen (= knapp 400 Einzellektionen!) Französisch an der Primar z.B. nicht bekannt, …

  • dass (und wie) «je» und «j’ai» verschieden ausgesprochen werden und etwas Unterschiedliches bedeuten;
  • was es mit «un/une» respektive «le/la» auf sich hat;
  • wie «le» und «les» korrekt ausgesprochen werden;
  • wie man ein -er-Verb konjugieren könnte;
  • was allereinfachste Unterrichtsanweisungen wie «Ouvrez les livres» oder «Lis la phrase» meinen könnten;
  • wie elementarste Smalltalk-Formulierungen wie «Comment tu t’appelles?» usw. gebildet/ausgesprochen/beantwortet werden müssen.

Ich habe mich mit zahlreichen Eltern, deren Kinder teilweise dieselbe oder andere Sekundarschulen besuchen, unterhalten. Die Aussagen sind überall ähnlich oder identisch. Und dabei geht es noch um jene Schülerinnen und Schüler, welche angeblich am meisten können sollten in Französisch! Das mit vollkommen unrealistischen Verheissungen eingeführte Frühfranzösisch ist kolossal gescheitert und kann verlustlos wieder gestrichen werden. Den Primarschulkindern wäre mit einem zusätzlichen freien Nachmittag pro Woche sicher mehr gedient. Und mit dem Geld würde man lieber die Schulbauten verbessern. Oder gute Leseförderung in Deutsch betreiben.

Übrigens: Innerhalb von 4 Tagen habe ich – und das ganz ohne das Hirngespinst «Didaktik der Mehrsprachigkeit» – unserem Sohn nach Feierabend das beigebracht, was er benötigte, um im ersten Französischtest bestehen zu können (dafür hätte er allerdings 4 Jahre lang Zeit an der Schule gehabt…). Aber was ist mit jenen Kindern, die zuhause niemanden haben, der ihnen so helfen kann? Die lässt man im Stich.

Alternative Lehrmittel stehen zur Verfügung

Im Kanton Basel-Landschaft dürfen Primarlehrpersonen ab der fünften Klasse die Passepartout-Lehrmittel ersetzen. Falls Ihr Kind noch immer mit dem Lehrmittel Mille Feuilles unterrichtet wird, so motivieren Sie die Primarlehrperson, das Lehrmittel zu wechseln. Es geht um Ihr Kind.
Handeln Sie jetzt nicht, so riskieren Sie, dass ihr Kind spätestens an der Sekundarschule Schwierigkeiten erhält.

Das Schulfach Französisch hatte immer schon einen schweren Stand. Aber nun wurde es langfristig, womöglich endgültig ruiniert. Es ist bei den Schülerinnen und Schülern noch unbeliebter als je zuvor. Die PH-Studenten wählen es grossmehrheitlich ab. An den Unis findet man kaum noch Romanistik-Studentinnen. Leider muss damit gerechnet werden, dass dieser Wahnsinn noch 10-15 Jahre so weitergehen wird – erst dann werden alle verantwortlichen Personen von den PHs und aus der Politik in Rente gegangen sein. Bis dahin wird selbstmörderisch weiter «erfolgreich» gescheitert auf der ganzen Linie. Und Verantwortung dafür übernehmen muss sowieso niemand.

Nicht zu beantworten bleibt angesichts der eklatanten Misere diese Frage: Warum gibt es nicht längst einen flächendeckenden Aufstand von Eltern und Lehrkräften gegen diese gewaltige Geld- und Zeitvernichtungsmaschine? Aus dem politischen Milieu ist das nicht zu erwarten, denn sonst müsste man ja über die Verantwortlichkeiten sprechen.

Gastbeitrag eines Vaters und Lehrers aus der Nordwestschweiz
(Name der Redaktion bekannt)

[Quelle: Condorcet-Blog, 20. September 2020]