Lehrplan Volksschule Baselland, Lehrplan 21 und Stundentafel
«Deutschland verdummt» [1], von Felix Hoffmann
Alarmiert durch besorgniserregende Schulreformen rechnet der Psychiater, Michael Winterhoff, schonungslos mit dem deutschen Schulsystem ab. Wie bei vielen Entwicklungen um einige Jahre verspätet, greift dieses, gefördert durch den Lehrplan 21, nun auch in der Schweiz um sich. Ungeachtet Winterhoffs apokalyptischer Tendenz möge sein Buch Lehrkräfte darin bestärken, einen pädagogisch verantwortungsvollen Kurs zu halten trotz bildungspolitischer Reformhysterie oder einen solchen in Erinnerung rufen. Vor allem aber sollten es Bildungspolitiker lesen, die sich dazu berufen fühlen, auf einem ihnen fremden Terrain Entscheidungen zu treffen. Im Folgenden ein Vorgeschmack auf Winterhoffs neustes Werk.
Im Kindergarten und der Grundschule sollen Kinder seit neuestem möglichst frei sein von Erwartungen und Anweisungen der Erwachsenen. Je nach Lust und Laune sollen sie aus einem limitierten Stoffangebot selber entscheiden dürfen, womit sie sich wann, wie und wo beschäftigen wollen. In diesem sogenannten „offenen Unterricht“ sollen sich die Lernenden autonom selbst organisieren. Die von Hattie als erfolgreich bewertete direkte Instruktion und Lehrkräfte als Wissensvermittler haben hier nichts mehr verloren.
Winterhoff bezeichnet dieses System als „Stätten des organisierten Verwahrens“ und macht es verantwortlich für die sprunghaft gestiegene Zahl an psychisch auffälligen Kindern sowie völlig unzureichende Leistungen in Schule und Berufsausbildung. Hierfür nennt er unterschiedliche Gründe. Einer vorneweg: In solchen Lernsettings entstehen Geräuschpegel von bis zu 85 Dezibel. Schreiende Kinder erreichen bis zu 110 dB(A) und übertreffen damit Kreissägen und Presslufthämmer. Wollen sich Lehrkräfte Gehör verschaffen, müssen sie den Geräuschpegel mit ihrer Stimme um 10 bis 15 dB(A) übertreffen. Weitverbreitete Stimmbandprobleme unter Lehrpersonen sind die Folge.
Ein weiterer Grund für abnehmende schulische Leistungen erkennt Winterhoff in den von oben nach unten verordneten Unterrichtsformen, die den Erfahrungen der Lehrkräfte widersprechen und sich somit als nicht zielführend herausstellen. Als Beispiel verweist er u.a. auf die Methode „Schreiben nach Gehör“ des Schweizers Jürgen Reichen, die während zwanzig Jahren Heerscharen von Schülern mit katastrophalen Orthographiedefiziten zurückliess. Deshalb wurde sie in etlichen deutschen Bundesländern und u.a. im Kanton Nidwalden verboten. Nebenbei bemerkt, wird Reichens zweite Methode, „Lesen durch Schreiben“, die ebenfalls auf der völligen Vernachlässigung von Regeln basiert, auf das Schuljahr 2020/21 im Aargau untersagt.
In den Reichen-Methoden erkennt Winterhoff eine grundsätzlich negative „Einstellung der 68-Generation gegenüber gemeinschaftsstiftenden Übereinkünften…: „Regeln? Wir brauchen keine Regeln!“ Die Gleichstellung von Erwachsenen und Kindern nimmt in den 68ern ihren Anfang. In der Folge haben „Erwachsene Kindern nichts zu sagen.“ Sie entwickeln sich quasi spontan von selbst. Man muss sie nur in Ruhe lassen. Dem gleichen Irrtum unterliegt ferner auch die Mehrsprachigkeitsdidaktik3. „Als die 68-Generation bei ihrem Marsch durch die Institutionen an die entsprechenden Positionen aufrückte, war der Weg frei, diese Weltanschauung in der Bildungspolitik fest zu verankern und die bewährte Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden (…) zu ersetzen.“
Der heutigen Bildungspolitik macht Winterhoff den Vorwurf, dass sie zwar begeisterungsfähig, aber völlig unkritisch den Fantasien von Ideologen aufsitzt und diese mit desaströsen Folgen umsetzt, anstatt sich auf die reichlich vorhandene Empirie aus Praxis und Wissenschaft zu verlassen. So machte Gabriele Warminski-Leitheusser, 2011 – 2013 sozialdemokratische Kultusministerin von Baden-Württemberg, den umstrittenen Schweizer Schulgründer, Peter Fratton, zu ihrem offiziellen Berater. „Das vormalige Vorzeige-Bundesland verschlechterte sich in der darauffolgenden Zeit dramatisch im Ländervergleich.“ In einer Landtagsanhörung auf seine Experimente angesprochen, meinte Fratton: „Ich habe keine Ahnung, was dabei herauskommt. Aber schön falsch ist auch schön.“ Abgesehen von dieser offensichtlichen Leichtsinnigkeit, tun sich Ideologen schwer damit, Unrecht zuzugeben. Sie und ihre Anhänger in der Bildungspolitik, biegen sich die Realitäten zurecht, „bis sie den eigenen Wünschen und Vorstellungen entsprechen.“ Darin erkennt Winterhoff „die Basis der Bildungspolitik seit mindestens zwei Jahrzehnten.“
Die Grundlage der bildungspolitischen Realitätsverweigerung macht Winterhoff in einer grundlegenden Störung in der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern aus. In der Psychoanalyse nennt sich diese Beziehungsstörung Projektion. Die Anhänger des offenen, selbstorganisierten Unterrichts glauben aufrichtig daran, Kinder zu befreien. Tatsächlich jedoch übertragen hier Erwachsene eigene Wünsche und Gefühle auf das Kind. Sie wollen den Minderjährigen das geben, was sie sich als Kind selber wünschten. Sie wollten keine Hausaufgaben. „Also weg damit!“ „Sie wären gerne während des Unterrichts ein wenig herumspaziert? Also werden Wände eingerissen“, Verweilecken, Lerntheken, Spiel- und Bewegungsräume eingerichtet.
Damit übersehen die Anhänger des offenen, selbstorganisierten Unterrichts die Bedürfnisse der Kinder nach Betreuung und Orientierung. Nur in der Projektion kommt der Erwachsene auf die Idee, „dass seine Rolle darin besteht, alle Wünsche, die er dem Kind zuordnet, umgehend zu erfüllen.“ Damit ordnet er sich dem Kind unter, wodurch dieses die Führung übernimmt. „Die eigentliche „Bildungsrevolution“ besteht somit im „unnatürlichen Beziehungsverhältnis, in das Kinder und Erwachsene (…) gezwungen werden.“ „Denn wenn sich das Kind nicht an Erwachsenen orientieren darf, findet bei ihm definitiv keine Entwicklung seiner Psyche statt. Das (…) ist seit vielen Jahrzehnten gesichertes Wissen.“ Was das autonome Lernen betrifft unterscheiden sich Kinder überdies nicht von Erwachsenen: Sie wählen sich zumeist, was sie bereits können, wodurch es auch zu einem Lernstillstand kommt.
„Offener Unterricht lässt Schüler und Lehrer allein. „Autonomes Lernen“ bei Kindern gibt es nicht.“ Ohne die Anleitung und Orientierung durch Erwachsene bleiben Kinder lustorientiert. Sie erreichen dadurch weder Beziehungs- noch Arbeitsfähigkeit mit katastrophalen Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft.
[1] Zitat von Dr. Med. Michael Winterhoff
Arbeitsgruppen Fremdsprachen werden als Marionetten benutzt, von Saskia Olsson
Die Arbeitsgruppen hatten den Auftrag erhalten, neue Lehrpläne für Französisch und Englisch zu erarbeiten. Wie sich nun zeigt, hat das Amt für Volksschulen (AVS) die Lehrpläne fixfertig erarbeitet und den Arbeitsgruppen zum Absegnen vorgelegt: «Ihr dürft einzelne Treffpunkte zusammenfassen. Streichungen (…) sind eher die Ausnahme», so die Weisung des AVS. Das Ziel ist klar: Das AVS benutzt die Arbeitsgruppen als Marionetten, um anschliessend Parlament und Öffentlichkeit vorgaukeln zu können, Fachexpertinnen und experten hätten die Lehrpläne erarbeitet.
Inzwischen erkennen die meisten, dass Passepartout mit seinen drei Lehrmitteln «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» gescheitert ist und dringend neue Lehrmittel sowie darauf ausgerichtet neue Lehrpläne eingeführt werden müssen. Zu offensichtlich ist das miserable Abschneiden der Baselbieter Primarschüler/-innen im Fach Französisch beim gesamtschweizerischen Vergleichstest. Bildungsdirektorin Monica Gschwind zeigte sich nach dem Bekanntwerden der Resultate sichtlich enttäuscht: «Wir haben viel Zeit und Geld investiert, doch es hat unsere Erwartungen bei weitem nicht erfüllt» und für die Fächer Französisch und Englisch werden «unter Hochdruck weitere Lehrmittel evaluiert».
An Passepartout hält jedoch noch immer ein Teil der Primarlehrpersonen fest, welche ihren Unterricht nicht erneut umstellen möchten. Damit nehmen sie in Kauf, dass ihre Schützlinge ungenügend Französisch lernen. Gleiches gilt für die Ideologen der pädagogischen Hochschule (PH) und einige Mitarbei-ter/-innen des Amts für Volksschulen (AVS), welche die PH-Fremdsprachenideologie sowie das selbstorganisierte und kompetenzorientierte Lernen in unserem Kanton beibehalten wollen. Dies bekommen die Fachexpertinnen und -experten der Arbeitsgruppen Fremdsprachen deutlich zu spüren. Bereits im Sommer 2018 erhielten die Arbeitsgruppen von der Task Force Fremdsprachen den Auftrag, neue Lehrmittel zu suchen und einen neuen Lehrplan für die Fächer Französisch und Englisch zu erarbeiten. Das AVS versucht offensichtlich, die Fachexpertinnen und -experten der Arbeitsgruppen bei der Erarbeitung der Lehrpläne an der kurzen Leine zu halten.
AVS ändert Arbeitsauftrag der Task Force eigenmächtig ab
Mit der Einsetzung der Task Force Fremdsprachen, welche die Initiative «Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenkonzept» der Starken Schule umsetzen soll, fällte Regierungsrätin Monica Gschwind einen wegweisenden Entscheid. In der Task Force Fremdsprachen nehmen alle wichtigen Vertreter/-innen aus dem Bildungsbereich Einsitz: BKSD, AVS, Bildungsrat, Starke Schule beider Basel, LVB, VPOD, SLK Sek 1, SLK Primar, SLK KVBL, AKK. SP-Fraktion, Grüne/EVP-Fraktion, CVP/BDP-Fraktion, glp/Grüne-Unabhängige-Fraktion, FDP-Fraktion, SVP-Fraktion.
Die Task-Force hatte am 4. Juni 2018 zu Händen der Arbeitsgruppen Fremdsprachen einen wichtigen Arbeitsauftrag beschlossen, welcher die Evaluation von neuen Leitlehrmitteln sowie die Erarbeitung von neuen Lehrplänen betrifft (siehe folgende Abbildung aus dem Protokoll der Task Force vom 4. Juni 2018):
Die Arbeitsgruppen Fremdsprachen haben die Aufgabe erhalten, einen neuen Lehrplan mit Stoffinhalten und Themen zusätzlich zu den bestehenden Kompetenzbeschreibungen für die Fächer Französisch und Englisch zu erarbeiten und neue Leitlehrmittel zu suchen. Die eigenmächtige Abänderung des von der Task Force beschlossenen Arbeitsauftrags zeigt, dass das AVS eine eigene Agenda verfolgt. Und damit nicht genug: Das AVS unterbreitete den Arbeitsgruppen Fremdsprachen einen fixfertig ausformulierten neuen Lehrplan mit der Aufforderung, diesen zu prüfen und abzusegnen (siehe Abbildung mit dem schriftlich formulierten Arbeitsauftrag des AVS).
Mit diesem Arbeitsauftrag und den mündlichen Ergänzungen anlässlich einer gemeinsamen Sitzung wurden die Arbeitsgruppen Fremdsprachen aufgefordert, den Lehrplan des AVS nicht substantiell zu ändern: «Ihr dürft einzelne Treffpunkte zusammenfassen, Streichungen sind gut zu begründen und eher die Ausnahme». Jegliche Kritik von Mitgliedern der Task Force und den Arbeitsgruppen Fremdsprachen blieb im Nachgang beim AVS ungehört.
Auch das Protokoll der Arbeitsgruppen Fremdsprachen vom 28. August 2018, welches der Starken Schule vorliegt, zeigt das fragwürdige Vorgehen des AVS: Die Vertreterin des AVS «verdeutlicht, dass Streichungen in der Vorlage möglichst zu vermeiden sind, das Zusammenfassen von mehreren Treff-punkten zu einem Treffpunkt ist denkbar. Mit fachlicher Begründung müssen Streichungen [des vom AVS ausgearbeiteten Lehrplans] jedoch gemeinsam diskutiert werden. Grundsätzlich gilt, dass die In-halte möglichst erhalten bleiben sollen.» Das AVS greift hier klar und wiederholt in die Arbeit der Fachexpertinnen und -experten ein und ver-sucht offensichtlich den selbst ausgearbeiteten Lehrplan durchzuzwängen.
Dezidierte Kritik von Mitgliedern der Arbeitsgruppe
Michael Pedrazzi, Mitglied der Arbeitsgruppe Sek. Englisch sagt dazu trocken: «Obwohl alle Mitglieder der Arbeitsgruppe Englisch auf eine langjährige Unterrichtserfahrung zurückblicken können, sollen wir für das AVS als Marionetten herhalten und ihren Lehrplan möglichst unverändert absegnen. Das ist bedenklich.» Und weiter: «Das AVS spielt hier eine fragwürdige Rolle. Ihnen ist ein pädagogischer und zielführender Lehrplan scheinbar nicht wichtig. Hauptsache er entspricht der gescheiterten Fremdsprachenideologie und propagiert das kompetenzorientierte und selbstorganisierte Lernen, in welchem die Schüler/-innen sich selbst überlassen werden. Ich wünsche mir, dass das AVS aufhört, uns derart einzuschränken, nur um eigene Interessen zu realisieren.»
Ein anderes Mitglied der Arbeitsgruppe Englisch ergänzt: «Wir von der AG wurden uns bald einig, welchen Weg wir bei der Findung neuer Lehrmittel und dem Formulieren von Stoffinhalten im Lehrplan verfolgen wollten. Oftmals hatten wir jedoch das Gefühl, dass man uns Steine in den Weg legen wollte, insbesondere auch bei der Überarbeitung des Lehrplans.»
Auch Mitglieder der Arbeitsgruppe Französisch äussern sich ebenso kritisch zum fragwürdigen Verhalten des AVS: «Das AVS nimmt nach der abgeschlossenen Evaluation der Lehrmittel vor allem bei der Gruppe Sek. 1 unverhältnismässig Einfluss auf die Lehrplangestaltung, indem es an der inzwischen als untauglich überführten Passepartout-Philosophie festhält und die konstruktivistischen Leitlinien mit Kompetenzorientierung als unverhandelbar deklariert.»
Das Ziel des AVS ist offensichtlich: Es will seinen eigenen Lehrplan durch die Arbeitsgruppen mög-lichst unverändert durchboxen.
Regierungsrätin Monica Gschwind ist nun gefordert, hier ein Machtwort an die Adresse des AVS zu sprechen.Die Starke Schule fordert das AVS auf, nicht weiter auf die Karte Passepartout-Ideologie mit der gescheiterten Mehrsprachigkeitsdidaktik zu setzen und vom kompetenzorientierten und selbstgesteuerten Lernen, bei welchem die Schüler/-innen sich selbst überlassen werden, abzurücken.
Sammelfächer, Lehrplan 21, niveaugemischter Unterricht und Passepartout fallen bei den Lehrpersonen durch, SSbB
Durch die heute veröffentlichten Umfrage-Ergebnisse der BKSD wird die flächendeckende Kritik der Sekundarlehrpersonen an den zahlreichen aktuellen Bildungsreformen bestätigt. Die neuen kostentreibenden Einweglehrmittel „Mille feuilles“ und „New World“ mit der zugrunde liegenden Mehrsprachigkeitsdidaktik „Passepartout“ werden z.B. nur gerade von 7.73% befürwortet. Viermal so viele (30.76%) lehnen die neuen Lehrmittel ab – ein vernichtendes Urteil unter der Berücksichtigung, dass „Mille feuilles“ elfmal so teuer ist wie das Vorgängerbuch.
Die Umfrage-Ergebnisse bedeuten ein verheerendes Ergebnis für die Reformbefürworter und die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Die teilnehmenden Lehrpersonen beurteilten die zur Debatte stehenden Punkte differenziert und professionell und nicht nach Gefühl. So wurden zahlreiche Fragen jeweils von einem beachtlichen Anteil der Lehrpersonen indifferent beantwortet. Die Lehrpersonen waren sich der Ernsthaftigkeit der Umfrage bewusst und nahmen nur zu denjenigen Fragen eine klare Stellung ein, die sie auch als Fachpersonen fundiert beantworten konnten. Dementsprechend sind die eingegangenen klaren Positionen pro oder contra äusserst aussagekräftig und stellen keinen Zufallsentscheid dar, zumal die Beteiligung mit 60% als beachtlich eingestuft werden darf.
Eine grosse Mehrheit der Lehrpersonen, welche für oder gegen die Reformen Position bezogen haben (ohne indifferente Antworten), lehnt sowohl die Sammelfächer «Natur und Technik», «Räume, Zeiten, Gesellschaft» und «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» wie auch das Passepartout-Konzept mit seinen Lehrmitteln „Mille feuilles“ und „New World“ deutlich ab. Auch der Lehrplan 21 wird von einer signifikanten Mehrheit kritisiert. Im Hinblick auf die Abstimmungen am 5. Juni zeigen die Umfrageergebnisse, dass die Lehrpersonen, die als Fachleute die Bildungsvorlagen „Einzelfächer statt diffuse Sammelfächer“ und „Lehrplan 21 sinnvoll überarbeiten“ fundiert beurteilen können, in der grossen Mehrheit Ja stimmen. Folgend einige Erhebungen im Detail, welche u.a. für die Abstimmung vom 5. Juni massgebend sind. Berücksichtigt sind diejenigen Antworten der Lehrpersonen, die jeweils für oder gegen eine Reform Stellung bezogen haben. Nicht berücksichtigt wurden die indifferenten Positionen.
Eine signifikante Mehrheit der Lehrpersonen sagt Ja zur Weiterführung der Einzelfächer (Physik, Biologie, Chemie, Geschichte, Geografie, Wirtschaft, Hauswirtschaft) und Nein zu den Sammelfächer (NaTech, RZG und AWH) ab.
- Für die drei Einzelfächer Physik, Biologie, Chemie sind 357 Lehrpersonen (70.6%), dagegen sind149 Lehrpersonen (29.5%)
- Für die beiden Einzelfächer Geschichte und Geografie sind 374 Lehrpersonen (74.1%), dagegen sind 131 Personen (25.9%).
- Für die beiden Einzelfächer Wirtschaft und Hauswirtschaft sind 293 Lehrpersonen (65.8%), dagegen sind 152 Lehrpersonen (34.2%)
Eine deutliche Mehrheit lehnt den Lehrplan 21 mit seinen 3‘500 Kompetenzbeschreibungen ab und beurteilt den Lehrplan 21 als Risiko für die Schüler/-innen.263 Lehrpersonen (59.8%) lehnen den kompetenzorientierten Lehrplan 21 ab, 177 Lehrpersonen (40.2%) befürworten ihn. Nicht berücksichtigt sind die indifferenten Antworten.
Auch die Umfrageergebnisse zur Mehrsprachigkeitsdidaktik Passepartout und zu den neuen Lehrmitteln „Mille feuilles“ und „New World“ sind eindeutig. Die Fremdsprachenlehrpersonen auf der Sek. I-Stufe goutieren diese von oben diktierte, auf selbstorientiertem Lernen ohne ein grammatikalisches Fundament aufbauende Didaktik offensichtlich nicht; eine Didaktik, welche als Experiment und ohne wissenschaftliche Legitimation neben sich keine andere Didaktik mehr toleriert. Die Starke Schule Baselland fordert aufgrund der signifikanten Resultate die Bildungsdirektion auf, die verheerende Mehrsprachigkeitsdidaktik Passepartout zu stoppen, damit nicht noch mehr Schüler/-innen durch einen untauglichen und nicht zielführenden Fremdsprachenunterricht verheizt werden. Die Ergebnisse im Detail:
- Passepartout und die teuren Lehrmittel „Mille feuilles“ und „New World“: 215 Lehrpersonen (79.9%) lehnen die neuen Lehrmittel Mille feuilles und New World ab. 54 Lehrpersonen (20.1%) befürworten diese neuen Lehrmittel.
- 224 Lehrpersonen (73.7%) lehnen die neue Mehrsprachendidaktik ab, 80 Lehrpersonen (26.4%) befürworten die neue Mehrsprachendidaktik.
Die Starke Schule Baselland und der Lehrerverein lvb sind nur mit je einer Person in der Marschhaltgruppe vertreten. Zusammen mit dem Vertreter der Bildungskommission war man stets markant in der Unterzahl und hatte keine Möglichkeit, das Gremium auch zum Hinterfragen der Mehrsprachigkeitsdidaktik und der neuen Lehrmittel an der Primarstufe zu bewegen. Aufschlussreich sind auch die isoliert betrachteten Umfrage-Ergebnisse der Schulleitungen, welche – im Gegensatz zu den (Sek-)Lehrpersonen – als „Exekutivorgane“ an den Schulen diese heftig umstrittenen Reformprojekte weitgehend unterstützen. Die Gründe dafür sind naheliegend: Ein Markenzeichen der letzten 20 Jahre SP-Bildungsideologie hat auch darin bestanden, Posten in der Verwaltung und bei den ausführenden Organen mit ebendiesem Gedankengut zu besetzen. Wir sind überzeugt: Die Bevölkerung wird bei den kommenden Abstimmungen am 5. Juni diese klaren Ergebnisse mitberücksichtigen.
Franzi-Lehrplan Flop; Englisch-Lehrplan Top von Alina Isler
Die Vernehmlassungen der AKK, des LVB und der Starken Schule zu den Lehrplanentwürfen Französisch und Englisch haben es unmissverständlich aufgezeigt: Lehrpersonen wollen Lehrpläne, die aus Stoffinhalten und Themen bestehen sowie pro Fach und Schuljahr 1-3 Seiten aufweisen. Alle drei Organisationen haben breiten Konsens in ihren Forderungen. Auch die Schulleitungskonferenz der Sekundarschulen (SLK Sek1) kritisiert den Lehrplan Französisch deutlich und befürwortet den Lehrplan Englisch mit kleinen Anpassungen.
Der Lehrplan Volksschule Baselland besteht aus zwei Teilen: Teil A mit Stoffinhalten, Themen und Jahreszielen sowie Teil B mit rund 3‘500 Kompetenzbeschreibungen. In den letzten Monaten wurde in den beiden Fremdsprachenfächern Englisch und Französisch jeweils Teil A neu erarbeitet: Betreffend Struktur, Umfang und Inhalt unterscheiden sich die beiden Lehrpläne jedoch deutlich. Während der Englischlehrplan pro Schuljahr knapp zwei Seiten ausmacht, klar und übersichtlich aufgebaut ist und nahezu ausschliesslich auf Stoffinhalte und Themen fokussiert, verliert sich der Französischlehrplan in 29 unübersichtlichen und kaum umsetzbaren Seiten.
Bildungsverbände lehnen neuen Französischlehrplan unisono ab
Der Lehrerinnen- und Lehrerverein (LVB), die Amtliche Kantonalkonferenz (AKK) und die Starke Schule beider Basel (SSbB) lehnen den Französischlehrplan unisono und dezidiert als unbrauchbar und wenig hilfreich ab und fordern eine grundsätzliche und umfassende Überarbeitung: Strukturell und betreffend Umfang soll er an den Englischlehrplan angepasst werden. Alle drei Organisationen, welche u.a. auch Lehrpersonen vertreten, haben klaren Konsens in der Haltung, dass sie den Lehrplan Französisch in seiner jetzigen Form als ungenügend zurückweisen, während der Lehrplan Englisch auf breite Akzeptanz stösst.
LVB: „Basierend auf den Ergebnissen dieser Befragung hat der LVB in seiner Rückmeldung an das AVS primär eine Überarbeitung des Lehrplanentwurfs Französisch gefordert, die sich am Vorbild des Lehrplanentwurfs Englisch orientiert.“
AKK: Wir halten fest, „dass der Entwurf des Lehrplanes Englisch grosse Akzeptanz findet, der Entwurf des Lehrplanes Französisch aber als stark überladen und unübersichtlich beurteilt wird.“
SSbB: „Der überarbeitete Französischlehrplan missachtet den Volkswillen [Volksabstimmung vom Juni 2018], indem er Stoffinhalte und Themen zu wenig prägnant ausweist und andererseits umfangreiche Formulierungen im Stil des kompetenzorientierten Lehrplanteils B beinhaltet. Zudem verfügt er über knapp 30 Seiten, was die Lesbarkeit und Übersicht erschwert. Solche Lehrpläne finden im Schulalltag keine oder höchstens geringe Beachtung.“ (siehe Vernehmlassung der Starken Schule beider Basel)
Am 10. Juni 2018 befürworteten 84% der Stimmbevölkerung die Abstimmungsvorlage «Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen», welche von der Starken Schule initiiert worden war. Diese wuchtige Zustimmung führte zum politischen Auftrag, neben dem bereits vorhandenen kompetenzorientierten Lehrplanteil B neu einen Lehrplanteil A mit klaren Stoffinhalten, Themen und Jahreszielen zu erarbeiten. Dies bedeutete auch, Kompetenzbeschreibungen weitgehend auf den Lehrplanteil B zu beschränken.
Der krasse Unterschied der beiden Lehrpläne lässt sich erklären
Den beiden Arbeitsgruppen Englisch und Französisch wurde ein vom Amt für Volksschulen (AVS) fixfertig formulierter Lehrplan vorgesetzt, mit der unmissverständlichen Aufforderung diesen abzunicken. Die Arbeitsgruppe Französisch, womöglich aus falsch verstandenem Gehorsam, beschränkte sich daraufhin, den vorgesetzten Lehrplan nur marginal anzupassen: Struktur, Umfang und bestehende Ideologie wurden kaum angetastet. Dass sie nun für ihre Arbeit heftige Kritik einstecken muss, ist bedauerlich. Sie verdankt das einigen Schreibtischtätern im AVS, welche ihre Ideologie der Arbeitsgruppe in Form eines vorgefertigten Lehrplans der Arbeitsgruppe unterjubeln konnten.
Die Arbeitsgruppe Englisch hingegen machte kurzen Prozess mit dem untauglichen Vorschlag des AVS und schredderte das vorgesetzte Lehrplanmonstrum. Sie erarbeitete stattdessen von Grunde auf einen neuen Lehrplanteil A, der nun nicht nur auf breite Akzeptanz stösst, sondern gar als Mustervorlage für andere Fächer gelten soll.
Gigantische Anzahl Kompetenzbeschreibungen reduzieren, von Alina Isler
Der neue Lehrplan Volksschule Baselland, mit welchem seit dem Schuljahr 2018/19 an den Sekundarschulen gearbeitet wird, ist nicht zielführend: Er ist unübersichtlich, schwammig formuliert und deutlich zu umfangreich. Bedenklich ist zudem, dass ein wesentlicher Teil des Lehrplans vom Amt für Volksschulen (AVS) in Eigenregie mit dem Ziel formuliert wurde, den selbstorganisierten und konstruktivistischen Unterricht in den Klassenzimmern zu manifestieren. Fachexpertinnen und -experten wurden nicht oder lediglich als Marionetten eingebunden, welche den Lehrplan faktisch nur noch absegnen durften.
Der Lehrplan Volksschule Baselland der Primar- und Sekundarstufe 1 besteht aus zwei Teilen: einerseits aus der gigantischen Anzahl von 3’536 Kompetenzbeschreibungen, andererseits aus Stoffinhalten und Themen mit Jahreszielen, differenziert ausgerichtet auf die drei Leistungsniveaus A, E und P. Beide Teile sind enorm umfangreich und haben einen sehr hohen Detaillierungsgrad, was den Lehrplan Volksschule Baselland unübersichtlich und für die Lehrpersonen faktisch unbrauchbar macht. Gleichzeitig ist auch der Lehrplanteil mit den Stoffinhalten und Themen in Form von Kompetenzbeschreibungen verklausuliert. Der Bildungsrat hat den Lehrplan Volksschule Baselland denn auch nur provisorisch für 3 Jahre eingeführt, damit dieser in der Zeit überarbeitet und verbessert werden kann.
| Fach (Primar- und Sekundarstufe 1) | Anzahl Kompetenz-beschreibungen |
| Deutsch | 502 |
| Französisch | 250 |
| Englisch | 250 |
| Italienisch | 192 |
| Latein | 151 |
| Mathematik | 452 |
| Natur, Mensch, Gesellschaft | 411 |
| Biologie, Chemie, Physik | 154 |
| Hauswirtschaft | 80 |
| Geografie, Geschichte | 127 |
| Ethik, Religion, Gemeinschaft | 86 |
| Bildnerisches Gestalten | 166 |
| Textiles und technisches Gestalten | 154 |
| Musik | 207 |
| Bewegung und Sport | 244 |
| Medien und Informatik | 75 |
| Berufliche Orientierung | 35 |
| Total | 3’536 |
Diese gigantische und unerfüllbare Anzahl in den Lehrplänen der Volksschule sollte auf ein vernünftiges Mass reduziert werden, zumal viele Kompetenzbeschreibungen akademisch anmuten und damit stufenfremd formuliert sind. Hier einige Beispiele aus den Fachbereichen Deutsch, Englisch, Geschichte und Mathematik:
- Die Schülerinnen und Schüler können ihr Verständnis eines Redebeitrags mit Bezug auf das Gehörte begründen.
- Die Schülerinnen und Schüler können die Bedeutung von Rechtschreiberegeln reflektieren.
- Die Schülerinnen und Schüler können Erfahrungen mit den Begriffen: Futur und Plusquamperfekt; vier Fälle; Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv sammeln.
- Die Schülerinnen und Schüler können sich darauf einlassen, immer wieder neue Bilderbücher, Hörbücher, Hörspiele, Filme anzuschauen, zu lesen und darüber zu sprechen.
- Die Schülerinnen und Schüler können ihr Hörverhalten und Hörinteresse reflektieren.
- Die Schülerinnen und Schüler können beim Vortragen Texte gestalten und eine ästhetische Wirkung erzielen.
- Die Schülerinnen und Schüler können Geschichte zur Bildung und Unterhaltung nutzen.
- Die Schülerinnen und Schüler können erklären wie Geschichte ihr Leben beeinflusst hat und worin für sie selber der Nutzen der Beschäftigung mit Geschichte liegt.
- Die Schülerinnen und Schüler sind bereit, sich mit unbekannten Fragestellungen zu Kombinatorik und Wahrscheinlichkeit auseinanderzusetzen.
Aufgrund dieser immensen Quantität an Kompetenzbeschreibungen und der teilweise schwer verständlichen, wenig aussagekräftigen Formulierungen mit einem grossen Interpretationsspielraum, bekunden viele Lehrpersonen erhebliche Mühe, sich einen Überblick zu verschaffen. Viele Kompetenzbeschreibungen sind zudem so schwammig formuliert, dass damit die Leistungen der Schüler/-innen gar nicht objektiv überprüfbar und bewertbar sind.
Die Starke Schule hat reagiert und reicht am 24. Juni die formulierte Initiative «Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3’500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren» ein, um den kompetenzorientierten Lehrplanteil umsetzbar zu machen.
Die Starke Schule lehnt umsetzbare und überprüfbare Kompetenzbeschreibungen nicht grundsätzlich ab, jedoch sollten sie im Lehrplan in einem vernünftigen und erfüllbaren Mass sowie in einer klareren Sprache aufgeführt werden, damit die Lehrpersonen diese bewältigen und zielführend einsetzen können. Erhaltene Rückmeldungen aus Sekundarschulen bestätigen: Die Lehrpersonen verwenden die reinen Kompetenzbeschreibungen nahezu gar nicht. Selbst der Teil Stoffinhalte und Themen wird aufgrund des hohen Detaillierungsgrad nur punktuell berücksichtigt. Der Lehrplan der 1. Klasse der Sekundarstufe I umfasst beispielsweise für das Fach Mathematik 10 Seiten, für das Fach Deutsch 9 Seiten. Dieser übertriebene Umfang ist nicht zweckmässig.
Die Starke Schule ist überzeugt, dass die gigantische Anzahl von Kompetenzbeschreibungen in beiden Teilen des Lehrplans das Erreichen der Lernziele erschwert und deshalb stark reduziert und aufs Wesentliche beschränkt werden muss.
Landrat korrigiert Fehlkonzepte des Lehrplans 21, von Alina Isler
Der Baselbieter Landrat korrigiert ein weiteres Fehlkonzept des Lehrplans 21. Mit deutlichen 59 zu 17 Stimmen überwies das Parlament eine verbindliche Motion: Informatik soll auf der Sekundarstufe 1 neu als Schulfach mit 1 bis 3 Lektionen in den Stundenplan aufgenommen werden. Der undurchdachte Lehrplan 21 sieht vor, dass die Informatik von allen Lehrpersonen in ihren jeweiligen Fächern unterrichtet wird. Im Lehrplan Volksschule Baselland wären dies vorderhand die Mathematik- und Deutschlehrpersonen, die im dritten Sekundarschuljahr hierfür einen Teil ihres Unterrichts opfern müssen. In der Praxis ist dies jedoch nicht machbar, weil nur wenige Lehrpersonen über eine ausreichende Informatikausbildung verfügen.
Die Aufnahme von Informatik in die Stundentafel soll nun ohne Reduktion anderer Fächer erfolgen. Die Schüler/-innen erhalten somit während mindestens eines Schuljahres eine zusätzliche Informatiklektion pro Woche, was Mehrkosten von 2 Millionen Franken nach sich zieht. Bemerkenswert ist, dass die Motion trotz dieser Mehrausgaben sehr deutlich überwiesen wurde.
In den letzten Jahren musste sowohl das Volk als auch das Parlament unter erheblichem Aufwand und Kosten bereits mehrfach diverse Fehlkonzepte im Bildungsbereich korrigieren, die ihren Ursprung im Harmos-Konkordat oder im Lehrplan 21 hatten. So gibt es im Baselbieter Lehrplan keine Sammelfächer, die Lerninhalte sind bei uns je nach Leistungsniveau A, E oder P unterschiedlich und die absurde Anzahl von über 3’500 Kompetenzbeschreibungen sind durch Stoffinhalte und Themen ergänzt worden.
Somit konnte der neue Lehrplan Volksschule Baselland vor groben Fehlern im Lehrplan 21 bewahrt werden, auch wenn die gigantische Anzahl Kompetenzbeschreibungen dringend nach unten korrigiert werden muss.
Schreiben nach Gehör – ein Fiasko, von Alina Isler
Die umstrittene Lernmethode «Schreiben nach Gehör», welche vom Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen ins Leben gerufen wurde, hat sich nun als Fiasko erwiesen. Was als Förderung der Freude der Schüler/-innen gedacht war, da sie von lästigen Korrekturen befreit sind, zeigt sich nun in der Realität in fehlerhaftem Schreiben. Nicht nur Kinder mit Muttersprache Deutsch, sondern insbesondere auch Kindern, die aus fremdsprachigen Familien kommen, oder solche, die schon in den anderen Fächern Mühe haben, bringt die Lernmethode enorme Schwierigkeiten. Die Primarschüler/-innen prägen sich falsche Wortbilder ein und eigenen sich eine Art zu Schreiben an, welche grammatikalisch nicht korrekt ist. Ab der 3. Primarklasse muss diese Schreibmethode dann wieder mühsam abtrainiert werden.
Es ist nicht klar, wie viele Kinder in der Schweiz mit «Schreiben nach Gehör» schreiben lernen. Auf der Lehrmittelliste (Stand Dezember 2018)[1] des Kantons Basel-Landschaft ist das Lehrmittel nicht aufgeführt. Allerdings wird nicht nur im Lehrplan 21, sondern auch im Lehrplan Volksschule Baselland im Teil Kompetenzbeschreibungen die lautgetreue Schreibweise explizit erwähnt.
In einigen Kantonen wird das Lehrmittel «Lesen durch Schreiben» gezielt eingesetzt, welches die umstrittene Lernmethode beinhaltet und den Schüler/-innen das fehlerhafte Schreiben in den ersten beiden Primarschuljahren erlaubt.
Der SVP-Nationalrat Peter Keller, der selber ausgebildeter Lehrer ist, möchte diesen Lernansatz nun in der gesamten Schweiz verbieten. Mit einem Vorstoss, der demnächst eingereicht werden soll, stellt er dem Bundesrat die Frage, wie die Methode ganz aus dem Lehrplan 21 entfernt werden kann.
Im Kanton Nidwalden wurde nach Veröffentlichung der «Bonner Studie»[2] im Jahr 2018 die didaktische Methode «Schreiben nach Gehör» ab der 2. Primarklasse ausdrücklich verboten. Die Studie kam zum Schluss, dass es den Erfahrungen entsprechend keine eindeutigen Hinweise darauf gibt, dass die Methoden von Jürgen Reichen die Schüler/-innen besonders motiviert, die Schreibfähigkeiten der 3‘000 untersuchten Grundschüler/-innen jedoch deutlich schlechter ausfielen als bei Schüler/-innen, die mit den herkömmlichen Methoden (Fibelmethode) unterrichtet werden. Aufgrund dessen hat die Aargauer Regierung zu Beginn dieses Jahres den Einsatz des Lehrmittels «Lesen durch Schreiben» in den Primarschulen ab dem Schuljahr 2020/21 untersagt. Auf die entsprechende Lernmethode soll verzichtet werden. In einer Stellungnahme begründet die Aargauer Regierung ihren Entscheid folgendermassen: Problematisch sei bei dieser Methode, dass zu keinem Zeitpunkt die Rechtschreibregeln vermittelt und die Laut-Buchstaben-Beziehung nicht systematisch eingeführt werde.[3] Auch im benachbarten Deutschland wird ein landesweites Verbot dieses Lehrmittels gefordert.
Quellen
[1] https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/direktionen/bildungs-kultur-und-sportdirektion/bildung/handbuch/unterricht/stundentafeln-lehrplaene/volksschule/2-zyklus-allgemein/ftw-simplelayout-filelistingblock/lehrmittelliste-primarschule.pdf/@@download/file/Lehrmittelliste%20Primarschule.pdf
[2] https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/schule-und-unterricht/studie-der-uni-bonn-die-fibel-fuehrt-zu-besserer-rechtschreibung.html
[3] https://www.argovia.ch/news/aargauer-regierung-verbietet-lehrmittel-lesen-durch-schreiben-134183337
Ein Flop, von Daniel Vuilliomenet
Nun ist sie also nicht mehr nötig, die Erziehungsdirektorenkonferenz. HarmoS sei aufgegleist bzw. bereits gelebte Realität und der Lehrplan 21 in 21 Kantonen umgesetzt. Soweit die Berichterstattung der BaZ über das Communiqué der EDK zur Auflösung ihrer Existenz.
Soviel aber auch zur Illusion der hohen Damen und vor allem Herren in Sachen Erziehung. Tatsache nämlich ist: All die aufgegleisten Reformen erweisen sich bei nicht mal näherer Betrachtung als Riesenflop!
Die frühe Einschulung ab dem vollendeten vierten Lebensjahr zum Beispiel führt dazu, dass die Kinder alle schulischen Herausforderungen und Ansprüche ein Jahr früher bewältigen müssen als vor HarmoS. Das zieht laut Berichterstattung der BaZ mehr Repetitionen nach sich und erklärt – gekoppelt mit oft viel zu hohen Erwartungen vor allem seitens der Eltern – wahrscheinlich auch den kürzlich beleuchteten Anstieg von Burnouts bei Schülerinnen und Schülern. Dazu kommt der frühere Abschluss der obligatorischen Schulzeit im Alter von 15, was sich bei der Lehrstellensuche als Handicap erweist. Den Experten in Sachen Erziehung ist bzw. war das offenbar völlig egal. Die im Übrigen nie demokratisch legitimierte Konferenz wird nach Vollbringung ihrer pädagogischen Schandtaten aufgelöst – nach uns die Sintflut.
Auch das Sprachenkonzept «Passepartout» und die schwammigen Kompetenzformulierungen des Lehrplans 21, gekoppelt mit dem kategorischen Imperativ des selbstorganisierten Lernens, sind nichts anderes als delegierende Verantwortungslosigkeit einer pseudomodernen Ego-Gesellschaft. Viele Eltern und Schülerinnen und Schüler berichten in einschlägigen Foren, wie es wirklich zugeht in den sogenannten Lernlandschaften. «Huere vill hänge hie eifach ab u mache nüt» ist ein vielzitiertes Statement einer Sekundarschülerin. Arbeiten werden nicht mehr korrigiert, auch das müssen die Kinder und Jugendlichen selbst tun. Das führt unter Umständen zu fehlerhaften Unterlagen in den Schulheften, die wiederum Basis sind für die Vorbereitung von Prüfungen. An einem kürzlich stattgefundenen Anlass zum Lehrplan 21 und seinen Exzessen legte eine verzweifelte Mutter dar, wie sie das «Laisser Faire» an der Schule ihres Kindes erlebt, alles unter dem Motto «Stärkung der Selbstkompetenz».
Zu guter Letzt die sogenannte Integration, die oftmals keine ist: Integrierte Kinder werden immer wieder ausserhalb der Klasse betreut durch Heil -und Sozialpädagoginnen. Doch dadurch wird genau das Gegenteil von Integration erreicht, nämlich Stigmatisierung und Ausgrenzung. Dies abzusehen, hätte mehr vorausgesetzt als ein unreflektiertes Nachbeten postmoderner Erziehungsmantras.Mein
Fazit: Die Erziehungsdirektorenkonferenz war, ist und bleibt ein Unding, deren Protagonisten aufs Schändlichste versagt haben!
Die Exzesse des Lehrplans 21 werden ausgemerzt, SSbB
84% Ja zu klaren Stoffinhalten und Themen
Die Starke Schule freut sich über das wuchtige Ja zu Jahreszielen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen, die differenziert auf die Leistungsprofile A, E und P ausgerichtet sind. Dieses Ergebnis ist auch ein deutliches Nein zum rein kompetenzorientierten Lehrplan 21 mit seiner utopischen Anzahl von 3‘500 Kompetenzbeschreibungen. Die Starke Schule nimmt positiv zur Kenntnis, dass mit der im Oktober 2016 eingereichten Initiative „Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen“, die zugunsten des ausgewogenen und weitergehenden Gegenvorschlags zurückgezogen werden konnte, die Exzesse des Lehrplans 21 nun definitiv ausgemerzt werden. Damit wird es dem Bildungsrat verunmöglicht, den neuen Lehrplan Volksschule Baselland nach der dreijährigen Evaluationsphase durch den rein kompetenzorientierten Lehrplan 21 zu ersetzen.
59% Nein zur Vorlage „Ersatz Bildungsrat durch Beirat Bildung“
Die Starke Schule hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht, nicht ganz ohne Eigennutz: In den vergangenen Jahren leistete sich der Bildungsrat verschiedene fragwürdige Fehlentscheide (z.B. Sammelfächer, Stundentafel, Lehrplan 21), welche mühsam durch parlamentarische Gesetzesvorstösse und Volksinitiativen korrigiert werden mussten. Das Sammeln von 1‘500 Unterschriften ist zeitaufwändig und kostspielig. Wir sind überzeugt, mit einem fachlich kompetenten Beirat Bildung, der seine Empfehlungen und Analysen fundiert hätte begründen müssen und so die Bildungsdirektion sachkundig beraten hätte, wäre das Risiko von weiteren Volksinitiativen im Bildungsbereich künftig weitaus geringer geworden. Die Starke Schule befürwortet die Bestrebungen, den Wahlmodus des Bildungsrat zu ändern, um diesen künftig gezielter durch fachlich kompetente Bildungsexpertinnen und -experten zu besetzen.
68% Nein zur Initiative „Eine Fremdsprache genügt“
Die Starke Schule akzeptiert das eindeutige Nein der Stimmberechtigten zur Initiative „Eine Fremdsprache auf der Primarstufe genügt“. Nun gilt es ein neues Fremdsprachenkonzept einzuführen, welches einen für alle Primarschulkinder motivierenden Unterricht in den beiden Fremdsprachen Französisch und Englisch ermöglicht. Der Landrat hat mit seinem Ja zum Ausstieg aus der Mehrsprachigkeitsdidaktik und den darauf basierenden Passepartout-Lehrmitteln Mille feuilles, Clin d’oeil und New World einen richtungsweisenden Entscheid gefällt. Diesen gilt es nun rasch umzusetzen und spätestens ab dem Schuljahr 2020/21 neue Leitlehrmittel für die beiden Fremdsprachen einzuführen. Die von Bildungsdirektorin Monica Gschwind gebildete Task Force, in welcher die Starke Schule mitarbeitet, hat entsprechende Umsetzungsentscheide bereits gefällt. Die Starke Schule ist überzeugt, mit einem neuen, aufbauenden Fremdsprachenkonzept nach international anerkannter Pädagogik, welche die Schüler/-innen von einfachen zu schwierigeren Anforderungen führt, können zwei Fremdsprachen an der Primarschule ohne negative Folgen unterrichtet werden.
Für einen professionellen Beirat Bildung, von Stefan Steinemann
Der Bildungsrat beschliesst heute Lehrpläne, Stundentafeln und Lehrmittel. Seine Entscheide können erhebliche Auswirkungen auf die Bildung haben und auch weitreichende finanzielle Folgen nach sich ziehen. In den letzten Jahren hat der Bildungsrat verschiedentlich für die Schulen nachteilige Beschlüsse gefällt, welche mühsam korrigiert werden mussten. So hat der Bildungsrat etwa das Sprachkonzept Passepartout mit den Lehrmitteln „Mille Feuilles“, „Clin d’Oeil“ und „New World“ bewilligt. Damit sollten den Schülerinnen und Schülern Französisch und Englisch nach einer neuartigen Methode beigebracht werden. Die Vermittlung der Sprachkenntnisse sollte mehr durch das Hören und weniger durch das Büffeln von Wörtern und Grammatik erfolgen. Dieses Projekt wurde abgebrochen. Dabei wurden Millionen in den Sand gesetzt. Auch wollte der Bildungsrat die Sammelfächer einführen, obwohl diese vom Volk deutlich verworfen wurden.
Das Problem liegt meines Erachtens drin begründet, dass im Bildungsrat etliche Laien und politische Vertreter Einsitz nehmen, welche in ihrem Alltag wenig mit Bildung am Hut haben. Hinzu kommt, dass sich die Mitglieder des Bildungsrats anders als Regierungsrätinnen und –räte keiner Volkswahl stellen müssen, in welcher sie für ihre Beschlüsse auch Verantwortung übernehmen müssen.
Im Interesse einer bestmöglichen Bildung für unsere Kinder und Jugendlichen befürworte ich die Einführung eines professionellen Beirats Bildung, welcher dem Regierungsrat mit fachlich kompetenten Ratschlägen zur Seite steht. Am 10. Juni lege ich deshalb ein überzeugtes Ja zur Vorlage „Ersatz Bildungsrat durch Beirat Bildung“ in die Urne.
Bildungsrat vs. Stimmvolk, 08.05.2018 von Felix Hoffmann
Riesen-Aufwand für 3500 Kompetenzen
Der Umbau der Schullandschaft soll im Kanton Baselland offenbar gegen den Willen des Landrats und den des Stimmvolks durchgesetzt werden. Zwei Beispiele dafür: Nachdem sich das Baselbieter Stimmvolk gegen die vom Bildungsrat beschlossenen Sammelfächer ausspricht, will dieser wöchentliche Einstundenfächer einführen. Da solche in der Praxis nicht umsetzbar sind, käme es über Fächerzusammenlegungen zwangsläufig doch zu Sammelfächern. Dafür notwendige Weiterbildungen für die Lehrpersonen wären allerdings nicht zu finanzieren, was einem Bildungsabbau gleichkäme. Es muss folglich eine Motion eingereicht und eine Initiative lanciert werden, um den Bildungsrat zum Einlenken zu bewegen. Die nächste schulpolitische Initiative verlangt unter anderem die Reduktion der vom Bildungsrat favorisierten 3500 Kompetenzen auf eine praxistaugliche Anzahl, die Nennung von Themen, Stoff- und Jahreszielen sowie nach Niveaus differenzierten Unterricht. Da der Regierungsrat mit seinem Gegenvorschlag über die Forderungen des Initiativkomitees hinausgeht, zieht dieses seine Initiative zurück. Anschliessend informieren zwei Angestellte des kantonalen Amts für Volksschulen (AVS) die Lehrerkollegien praktisch ausschliesslich über die Kompetenzorientierung, als gäbe es im Baselbieter Lehrplan weder niveaudifferenzierte Stoff- noch Jahresziele. Den regierungsrätlichen Gegenvorschlag ignorierend, nutzte der Bildungsrat offenbar den Umstand, dass die Initianten in ihrem Initiativtext keine explizite Höchstgrenze erwähnten. Er hält somit an seinen 3500 Kompetenzen fest und versucht damit Stoffinhalte und Themen zu marginalisieren.
Teure Weiterbildungen
Nichts spricht prinzipiell gegen Kompetenzen, im Gegenteil. Fähigkeiten waren schon immer die Folge von gutem Unterricht. Der ausschliessliche Fokus auf Kompetenzen verkehrt allerdings Ursache und Wirkung und ist somit zwangsläufig verbunden mit der Vernachlässigung des Unterrichts. Dies führt zu einem klassischen Paradoxon. In der Praxis bringt die Fokussierung auf 3500 Kompetenzen nämlich einen nicht zu bewältigenden Aufwand mit sich, schon nur bei der Durchführung von Prüfungen und deren Auswertung. Man rechne: 3500 Kompetenzen verteilt auf zwölf Fächer und neun Schuljahre, ergeben rund 32 Kompetenzen pro Fach und Jahr. Bei beispielsweise jährlich acht Prüfungen sind dies vier zu prüfende Kompetenzen pro Test. Multipliziert mit 22 Lernenden, sind wir bei 88 Kompetenzen pro Test und Klasse. Hochgerechnet auf das ganze Jahr ergeben sich bei acht Prüfungen 704 Kompetenzbewertungen pro Klasse; bei fünf Klassen also 3520, wobei dann jede Kompetenz in neun Jahren jeweils nur einmal geprüft wurde. Um eine Entwicklung der Fähigkeiten nachzuzeichnen, sollten sie immerhin drei- bis viermal getestet werden, wodurch die Lehrkraft schnell rund 10 000 bis 14 000 Kompetenzbewertungen zu bewältigen hätte.
Letzten Endes geht diese absurde Bewertungshysterie zulasten des Unterrichts. Darunter leidet dann paradoxerweise auch die Kompetenz der Lernenden. Überdies geht eine derartig überstrapazierte Kompetenzorientierung zwangsläufig einher mit teuren Weiterbildungen und fortwährenden Evaluationen. Die Fachhochschulen und privatwirtschaftliche Anbieter hocken bereits ungeduldig in ihren Startlöchern. Genau dies ist der springende Punkt.
Missachtung des Volkswillens
Mit seinem Versuch, Sammelfächer und eine in ihrem Ausmass paradoxe Kompetenzorientierung gegen den Willen des Landrats und der Stimmberechtigten durchzudrücken, stellt sich der Bildungsrat einmal mehr in den Dienst der Reformindustrie und damit gegen die Interessen der öffentlichen Schule. Damit missachtet er zusammen mit Verantwortungsträgern des AVS den Willen des Regierungs- beziehungsweise Landrats sowie den der Stimmbevölkerung.
Dass sich ein politisches Gremium gegen Entscheide des Souveräns stellen kann, widerspricht demokratischen Grundsätzen. Aufgrund der fehlenden Rechenschaftspflicht gegenüber Volk und Parlament wird auch ein neu besetzter Bildungsrat immer wieder Entscheide gegen die Interessen der öffentlichen Schule treffen können, die dann wiederum nur unter enormem Aufwand zu korrigieren sind. Abhilfe schafft hier die Ablösung des Laiengremiums Bildungsrat durch den professionellen Beirat Bildung. Die diesem Organ angehörenden Fachleute sind einem guten öffentlichen Schulsystem verpflichtet. Sie entscheiden nicht abschliessend, sondern unterbreiten sachlich begründete Empfehlungen zuhanden des Regierungsrats. Sagen wir am 10. Juni Ja zur Schaffung des Beirats Bildung.
[Quelle: BaZ erschienen am 18.05.2018]
Bildungsrat – ein Fehlkonstrukt, von Regina Werthmüller
In den vergangenen Jahren fällte der Bildungsrat verschiedene Entscheide, welche den Schulen geschadet haben und die mühsam korrigiert werden mussten. Dabei missachtete er nicht nur den Volkswillen, sondern auch den politischen Willen. Zwei Beispiele:
- Der Bildungsrat bewilligte die Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’Oeil und New World und hat damit die flächenmässige Einführung einer neuen Unterrichtsideologie beschlossen, die vom anerkannten pädagogischen Grundsatz wegkommt, die Schüler/-innen von einfachen zu schwierigen Anforderungen zu führen. Die Lehrmittel lösen bei Eltern und Kindern viel Frust und Verärgerung aus und werden von den Fremdsprachenlehrpersonen (Primar- und Sekundarstufe) heftig kritisiert.
- Der Bildungsrat wollte den Lehrplan 21 in seiner ursprünglichen Form einführen, also mit den vom Volk deutlich verworfenen Sammelfächern, ohne Jahresziele und ohne differenzierte Anpassung auf die drei in Baselland bewährten Anforderungsniveaus A, E und P. Selbst nach dem klaren Volksentscheid, welcher die Festschreibung der Einzelfächer im Bildungsgesetz verankerte, suchte der Bildungsrat nach einem Schlupfloch. Er beschloss eine Stundentafel mit 1- und 1.5-stündigen Promotionsfächern, die ohne Sammelfächer praktisch nicht hätte umgesetzt werden können.
Der Bildungsrat besteht, entgegen der weit verbreiteten Meinung, aus zahlreichen Personen, die im Alltag nichts mit Bildung zu tun haben. Sie entscheiden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne ihre Entscheide je rechtfertigen zu müssen. Dadurch können Fehlentscheide entstehen, die erst spät erkannt werden. Das Problem ist die fehlende Verantwortung. Die Mitglieder des Bildungsrates müssen keine negativen Konsequenzen befürchten, wenn sie Fehlentscheide treffen.
Das entspricht nicht unseren demokratischen Prinzipien und schadete den Schulen in den letzten Jahren erheblich.
Ein Beirat Bildung, der mit ausgewiesenen Fachexperten besetzt ist, der die gleichen Aufgaben zu erledigen hätte, wie der heutige Bildungsrat, wird die Regierung fundiert und professionell beraten. Hat dieses Gremium Beirat Bildung keine abschliessende Entscheidungskompetenz, so muss es seine Analysen, Konzepte und Empfehlungen fachlich fundiert und überzeugend begründen. Sind diese Lösungen nicht mehrheits- und tragfähig, fliessen seine Empfehlungen nicht in die Entscheidungsprozesse ein. Unausgegorene Ideen und politisch motivierte Schnellschüsse hätten keine Chance umgesetzt zu werden.
Trifft der Beirat Bildung seine Empfehlungen mit deutlicher Mehrheit und fundiert begründet, so wird der Regierungsrat diese nur schwer übergehen können. Der Druck auf die Bildungsdirektion wäre politisch immens. Die happigen Fehlentscheide, welche sich der Bildungsrat in der Vergangenheit geleistet hat, hätte sich die Bildungsdirektorin mit einem Beirat Bildung nicht leisten können.
Lehrplan 21 wird faktisch gegenstandlos, SSbB
Die Starke Schule beider Basel begrüsst den einstimmigen Entscheid des Landrates, den Gegenvorschlag zur Initiative „Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen“ zu befürworten. Der Vorstand der Starken Schule stuft den Gegenvorschlag als bessere Lösung ein als die Initiative. Der Gegenvorschlag setzt wichtige Kernforderungen der Starken Schule um, welche nicht Gegenstand der Initiative sind:
- Die künftigen Lehrpläne der Volksschule enthalten ab Schuljahr 2018/19 klar definierte Stoffinhalte, Themen sowie Kompetenzbeschreibungen.
- Die Lehrpläne der Sekundarstufe I enthalten Jahresziele und sie sind differenziert auf die drei Leistungsniveaus A, E und P ausgerichtet. Zudem werden sie auf die weiterführenden Schulen (Berufsfachschulen, FMS, Gymnasium usw.) abgestimmt.
Betreffend Kompetenzbeschreibungen sind die Differenzen zwischen Initiative und Gegenvorschlag gering. Mit der Initiative wären die Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 in einem Anhang festgeschrieben worden, mit dem Gegenvorschlag sind Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen gleichgestellt. Entscheidend ist, dass mit diesem Gegenvorschlag die Stoffverteilungspläne mit den klar definierten Stoffinhalten, Themen sowie nur noch den wichtigsten Kompetenzbeschreibungen neu massgebendes Instrument werden, an welchen sich die Lehrpersonen ausrichten. Der rund 550-seitige Lehrplan 21 wird gegenstandslos.
Mit der Festschreibung von Jahreszielen werden die im Lehrplan 21 vorgegebenen Zyklen (Drei-Jahresziele) auf der Sekundarstufe I aufgebrochen. Die Festschreibung von Jahreszielen erachtet die Starke Schule als zwingend, um die Harmonisierung der Schulen in unserem Kanton sicherzustellen. Dies ist notwendig, damit die Schüler/-innen von A nach B wechseln können, ohne fachlich grössere Schwierigkeiten zu erhalten.
Bislang herrschte die Tendenz vor, dass jeweils die untere Schulstufe vorgibt, in welcher Tiefe vorgegebene Lernziele behandelt werden. Die jeweils folgende Schulstufe musste sich nach diesen Leistungszielen richten. Die künftigen Lehrpläne der Sekundarstufe 1 werden erstmals an den Anforderungen der übergeordneten Schulen ausgerichtet.
Mit diesem Gegenvorschlag ist es der Bildungsdirektion erneut gelungen, eine für die Schulen belastende Baustelle im Bildungsbereich zu schliessen.
Wieso diese umstrittenen Lernberichte, von Felix Schmutz
Die Lernberichte und die Checks sind nichts anderes als eine logische Konsequenz des Lehrplans 21, der von linken wie bürgerlichen Politikern und von Lehrerorganisationen mit nur geringfügigen Änderungswünschen breit abgesegnet und als zukunftsträchtige Neuausrichtung der Volksschule begrüsst wurde. Die Umsetzung hat in Basel-Stadt bereits begonnen und wird in den anderen Kantonen folgen.
Der Lehrplan 21 besteht aus einer Auflistung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen, beginnend ab Schuljahr 1. Kompetenzen geben an, welches Können auf den jeweiligen Schulstufen erreicht werden soll. Entgegen dem vom Volk 2006 angenommenen Gesetz, das eine Harmonisierung der «Ziele und Inhalte» der Volksschule in der Schweiz forderte, sind Inhalte im Lehrplan nur noch austauschbare Grössen. Die Ausrichtung auf Kompetenzen ist eine Anpassung an die PISA-Tests, die seit der Jahrtausendwende in ausgewählten Fächern regelmässig die Qualität der Schulen in Ländervergleichen messen. Kaum jemand hat sich an dieser Umdeutung des Harmonisierungsgesetzes von Inhalten zu Kompetenzen gestossen.
Gleichzeitig mit dem Lehrplan sollen auch die Leistungsbeurteilungen an die neuen Ziele angepasst werden. Es ist deshalb ganz folgerichtig, wenn sich die Beurteilungen nunmehr nach den im Lehrplan aufgeführten Kompetenzen richten. Wer A sagt, muss auch B sagen!
Viele Lehrpersonen an der Basis scheinen erst jetzt zu bemerken, wovor führende Philosophen und Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen in mehreren europäischen Ländern schon lange warnen: Die Kompetenzorientierung reduziert das, was Bildung ausmacht, auf den praktischen Output, auf das Lösen von Testaufgaben, denn nur dieses ist messbar. Dass etwas verstanden, memoriert, mit früherem Wissen vernetzt und vielfach angewendet werden muss, bevor es assimiliert und als Kompetenz allgemein wirksam werden kann, bleibt unbeachtet. Kompetenzorientierung erfasst auch das Verhalten der Kinder in Anlehnung an psychometrische Grössen. Die Ziele erscheinen in einem oft schwammig-abstrakten Begriffsnebel oder fokussieren auf banal Selbstverständliches.
Beispiele, Deutsch, 1./2. Klasse:
«Die Schülerinnen und Schüler können ihren produktiven Wortschatz aktivieren, um sich in verschiedenen Themen und Situationen sprachlich angemessen auszudrücken. Sie können sich auf den Klang einer Stimme einlassen.»
Erst jetzt, wo realen Kindern Kompetenz-Berichte dieses Zuschnitts ausgestellt werden, scheint vielen ein Licht aufzugehen. Vielleicht dämmert es langsam, welche gewaltigen Luftblasen Pädagogische Hochschulen und Erziehungsbehörden in ihren kinder- und jugendfreien Büros ausgebrütet haben. Wie das Departement Cramer betont, sind die Lernberichte für Kindergärten und Primarschulen nun einmal beschlossen. Die Arbeitsgruppe, die mit der Überarbeitung beauftragt ist, steht im Übrigen ebenfalls unter dem Zwang, sich an Kompetenzen orientieren zu müssen. Vielleicht streicht sie ein paar Sätzchen oder formuliert sie ein bisschen um. Das Prinzip wird jedoch nicht ändern. Die Blätter müssen ausgefüllt werden.
Ein Trost bleibt: Es gibt den Bebbisagg oder den Dokumentenvernichter. Die fressen auch Lernberichte…
Initiative für eine pädagogisch sinnvolle Stundentafel eingereicht
An der Pressekonferenz vom 08.08.2017 haben wir die Initiative «Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel» mit 2’834 Unterschriften eingereicht. Seit ihrer Lancierung sind nur knapp zwei Monate vergangen. Bereits nach weniger als drei Wochen waren die notwendigen 1’500 Unterschriften beisammen.
Offensichtlich breite Unterstützung in der Bevölkerung, insbesondere bei den Lehrpersonen der Sekundarschulen und der Gymnasien
Das Sammeln der Unterschriften lief ausgesprochen gut. Auffallend war, wie viele Unterschriften auf dem Postweg bei uns eintrafen, deutlich mehr als das bei den letzten Initiativen der Fall war. Unzählige Personen machten sich die Mühe, den Unterschriftenbogen von unserer Homepage herunterzuladen, ihn auszufüllen, in ein Kuvert zu stecken und an uns zurück zu senden.
Auch das Sammeln auf der Strasse verlief überdurchschnittlich gut. 4 von 5 stimmberechtigten und interessierten Personen haben unterschrieben, so dass pro Stunde durchschnittlich rund 40 Unterschriften gesammelt werden konnte. Auch dieser Wert liegt markant höher als bei den vergangenen Initiativen. Dies zeigt auch, dass ein beanchtlicher Teil der Bevölkerung die Initiative als wichtig erachtet. Von einem «Verdruss» über zu viele Bildungsinitiativen, wie es die Reformbefürworter weissmachen möchten, war jedenfalls nichts zu spüren.
Erfreulich ist, dass die Starke Schule offensichtlich in immer kürzerer Zeit und mit weniger Ressourcen eine Volksinitiative erfolgreich einreichen kann.
Bildungsrat akzeptiert Volksentscheid nicht
Im Juni letzten Jahres hat sich das Volk mit 61% für die Beibehaltung der Einzelfächer Geografie, Geschichte, Biologie, Chemie und Physik ausgesprochen. Damit wurde deutlich zum Ausdruck gebracht, dass diese Fächer wichtig sind und nicht marginalisiert werden dürfen. Der Bildungsrat, der über Stundentafeln und Lehrpläne entscheidet, hat diesen Volksentscheid nicht wirklich akzeptiert. Zwar lässt er die Einzelfächer in seiner kürzlich verabschiedeten Stundentafel bestehen, marginalisiert sie jedoch.
So sollen ab dem Schuljahr 2018/19 die Fächer Geografie und Geschichte nur noch mit je 1.5 Lektionen pro Woche unterrichtet werden; die Fächer Biologie, Chemie und Physik zwar in jedem Jahr, jedoch nur noch mit je einer Wochenlektion. Pädagogisch gesehen sind 1- und 1.5-stündige Fächer unsinnig und mit einem hohen schuladministrativen Aufwand verbunden, der keinen Bildungsmehrwert gibt.
Ein effizienter Unterricht ist nur mit einer ausreichenden Lektionendichte möglich
Ziel unserer Initiative ist es, dass die Fächer Geografie, Geschichte, Biologie, Chemie und Physik in denjenigen Schuljahren, in welchen sie unterrichtet werden, mit mindestens zwei Lektionen pro Woche dotiert sind. Eine Dotierung mit 1 oder 1.5 Lektionen wäre dann nicht mehr möglich. Um einen effizienten Unterricht möglich zu machen, muss die Lektionendichte ausreichend sein. Eine Dotierung mit wöchentlich zwei Lektionen erachten wir als Minimum. Die Initiative soll spätestens 18 Monate nach Annahme durch das Volk in Kraft treten.
Der Bildungsrat will seine Stundentafel bereits im nächsten Sommer einführen. Wenn der politische Wille vorhanden ist, könnte die Volksabstimmung bereits im März 2018 erfolgen und damit die Einführung der pädagogisch unsinnigen Stundentafel des Bildungsrates verhindert werden.
Bildungsdirektion lanciert Gegenvorschlag, SSbB
Die Starke Schule beider Basel begrüsst den von der Bildungsdirektion ausgearbeiteten Gegenvorschlag zur formulierten Initiative «Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen». Mit dem Gegenvorschlag werden zentrale Anliegen der Starken Schule sowie der Initiative weitgehend erfüllt. Der Gegenvorschlag sieht folgende Ergänzung im Bildungsgesetz vor:
§7b Stufenlehrpläne Volksschule (neu)
1 Die Stufenlehrpläne der Primarstufe und der Sekundarstufe I enthalten Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen.
2 Für die Sekundarstufe I sind sie nach Jahreszielen und Anforderungsniveaus differenziert und abgestimmt auf die Inhalte und Anforderungen der beruflichen Grundbildung mit oder ohne Berufsmaturität, der Fachmittelschulen und des Gymnasiums.
Der Gegenvorschlag enthält zusätzlich wichtige Elemente, welche die Initiative nicht berücksichtigt und die nun erfreulicherweise ebenfalls im Bildungsgesetz verankert werden sollen.
- Die Lehrpläne der Primar- und Sekundarstufe I enthalten mit dem Gegenvorschlag klar definierte Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen. Dass die rund 3’500 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 ebenfalls Bestandteil des neuen Lehrplans Volksschule Baselland sind, ist nicht entscheidend, zumal an den Baselbieter Schulen seit 2004 verstärkt ein kompetenzorientierter Unterricht stattfindet. Die Lehrpersonen werden sich nach den Lerninhalten und Themen orientieren, die Kompetenzbeschreibung rücken zwangsläufig in den Hintergrund. Mit der Festschreibung der Lerninhalte ist auch weiterhin eine echte Harmonisierung der Baselbieter Schulen gewährleistet.
- Die Starke Schule begrüsst auch den Umfang der Stoffverteilungspläne, welche in der Regel pro Fach und Schuljahr eine A4-Seite umfasst. Den Lehrpersonen wird dadurch ein ausreichend grosser Freiraum in der inhaltlichen Gestaltung ihres Unterrichtes gewährt.
- Der Lehrplan Volksschule Baselland der Sekundarstufe I erhält klar definierte Jahresziele, welche auf die drei Anforderungsprofile A (allegemeines Niveau), E (erweitertes Niveau) und P (progymnasiales Niveau) differenziert ausgerichtet sind, was der Lehrplan 21 nicht berücksichtigt hätte. Damit wird der dritte Zyklus, ein weiterer wesentlicher und heftig kritisierter Bestandteil des Lehrplans 21, aufgebrochen. Bereits die vom Stimmvolk am 5. Juni 2016 mit 61% Ja-Stimmen beschlossene Weiterführung der Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaftskunde bedeutet eine starke Abweichung von der Ideologie und dem Inhalt des Lehrplans 21.
- Relevant ist ebenfalls, dass der neue Lehrplan Volksschule Baselland auf die weiterführenden Schulen (z.B. Gymnasium) abgestimmt sein muss. Damit können die abnehmenden Schulen reell mitentscheiden, welche Lernziele die Volksschule erreichen muss. Massgebend dafür sind die behandelten Lerninhalte.
Regierungsrätin Monica Gschwind hat mit der Ausarbeitung des Gegenvorschlages in Zusammenarbeit mit verschiedenen bildungspolitisch aktiven Playern eine fundierte und ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Starke Schule beurteilt den Gegenvorschlag als sehr gute Lösung.
Ob die Starke Schule ihre Initiative «Ja zu klar definierten Stoffinhalten und Themen» zurückziehen kann, wird der Vorstand nach der landrätlichen Behandlung dieser Gesetzesvorlage prüfen. Massgebend wird dabei sein, ob der Gegenvorschlag eine bessere Erfolgschance bekommt, wenn an der Initiative festgehalten wird oder nicht.
Lehrplan 21 – eine Bildungsbremse
René Steiner (EVP) erklärt, warum der kompetenzorientierte Lehrplan 21 eine Bildungsbremse ist und zu einem Bildungsabbau führt:
Basel-Stadt in der Isolation, 14.02.2017 von Michael Pedrazzi
Eine echte Harmonisierung der Schulsysteme in den beiden Basler Halbkantonen entspricht dem Willen des Stimmvolkes sowohl in der Stadt wie auch im Baselbiet. Weg vom Kantönligeist, hin zum Abbau von Mobilitätsschranken, so das Fazit nach der Harmos-Abstimmung im Jahr 2010. Folgerichtig und konsequenterweise engagiert sich die Starke Schule beider Basel nun aktiv in beiden Kantonen und strebt ein kompatibles Bildungssystem auf hohem Niveau an. Unnötige Unterschiede in den beiden Kantonen betreffend Stundentafeln und Lehrplänen sollen eliminiert werden, ohne dass dabei die Bildungsqualität sinkt.
Ein für schweizerische Verhältnisse exotisches Bildungssystem, so wie dies Basel-Stadt mit der Orientierungsschule (OS) und der Weiterbildungsschule (WBS) rund zwanzig Jahre lang führte, hat definitiv keinen Platz mehr. Dass die Rheinstadt im Rahmen der Reform das gescheiterte OS-System beerdigt hat, war längst überfällig, zumal dieses System einer Gesamtschule ähnelte, in welcher die Schulkinder nur vereinzelt in unterschiedliche Anforderungsniveaus unterteilt waren. Das einst hochgelobte OS-System entpuppte sich als ein Desaster: Die Schulabgänger aus Basel-Stadt hatten über Jahre weitaus grössere Schwierigkeiten, anspruchsvolle Lehrstellen zu finden als ihre Kollegen aus der Landschaft oder den Kantonen Aargau und Solothurn.
Und wieder läuft Basel-Stadt Gefahr, sich bildungspolitisch in die Isolation zu begeben: Im Rahmen des Umbauprozesses wurden zahlreiche Schulhäuser auf ein Konzept mit Lernlandschaften eingerichtet. Es entstanden Grossraumklassenzimmer, in denen bis zu vielen Dutzend Kinder „selbstorganisiert“, d.h. praktisch sich selbst überlassen, lernen sollen. Die Lehrpersonen sind dabei zu „Lerncoaches“ degradiert, die ihre Schützlinge weitgehend nur noch beraten. Im Baselbiet wurden diese Lernlandschaft-Fantasien gestoppt, einzig in Pratteln und Frenkendorf existieren diese. Mehrere geplante Lernlandschaften wurden durch Regierungsrätin Monica Gschwind erfreulicherweise beerdigt. Für die schwächeren Schulkinder, die viel Hilfe und Anleitung benötigen, sind solche Grossraumzimmer eine unhaltbare Situation. Basel-Stadt hat denn auch den Lehrplan 21 mit seiner ganzen Ideologie unverändert übernommen. Kein Wunder, schliesslich war alt Regierungsrat Eymann auch einer der geistigen Ziehväter und Förderer. Die Mehrheit der Kantone jedoch verändert den Lehrplan 21 deutlich und lenkt ihn in vernünftige Bahnen. Während das Baselbieter Stimmvolk die Weiterführung der klassischen und traditionellen Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie an der Urne mit 61%-Ja-Stimmen überraschend deutlich befürwortet hat, gingen diese im Stadtkanton in diffusen Kombifächern auf; so wie dies der Lehrplan 21 propagiert: Von allem ein bisschen, aber nichts fachlich fundiert. Auch in Basel-Stadt müssen die Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler verbessert werden. Dass sie gegen die Schulkinder in Baselland, Solothurn und Aargau bei Aufnahmeprüfungen und bei der Lehrstellensuche oft das Nachsehen haben, ist unhaltbar. Das muss sich ändern. Ein Verzicht auf Kombifächer und Lernlandschaften wäre ein erster wichtiger Schritt.
Bildungsrat professionalisieren – ein Schritt in die richtige Richtung, 20.12.2016 von Regina Werthmüller
Lehrpläne und Stundentafeln sind für die Schulen die wohl wichtigsten Instrumente, die mitunter auch für eine erfolgreiche, interkantonale Harmonisierung wesentlich sind. So ist es unbestritten ein entscheidender Unterschied, ob Primarschülerinnen und -schüler bereits im Alter von neun Jahren ein oder zwei Fremdsprachen lernen müssen, der Deutschunterricht auf der Sekundarstufe 1 wöchentlich fünf- oder nur vierstündig erfolgt oder Geschichte und Biologie anhand einiger ausgewählter Themen in Sammelfächern oder als eigenständige und anspruchsvolle Fächer gelehrt werden.
Lehrpläne und Stundentafeln müssen miteinander korrelieren und aufeinander abgestimmt sein. Die Frage, ob diese Korrelation stimmt und ob die zur Verfügung stehenden Lektionen genügen, um die vom Lehrplan vorgegebenen Lernziele zu erfüllen, ist ohne fundierte Fachkenntnisse kaum zu beantworten. Die Lehrmittel hingegen spielen eine untergeordnete Rolle. Sie sind nicht massgebend und auch nicht so entscheidend, mal abgesehen von den Fremdsprachenlehrmitteln. In Mathematik lernen die Schülerinnen und Schüler in der ersten Sekundarklasse das Bruchrechnen mit den entsprechenden Anwendungen dazu. Mit welchem Lehrmittel sie dies tun, ist nicht relevant. Schulbücher sind praktisch beliebig austauschbar, wenn die im Lehrmittel propagierte Pädagogik und Didaktik den Lehrpersonen einen ausreichend grossen Spielraum lässt. Entscheidend ist aber, dass der Lehrplan die zu behandelnden Stoffinhalte vorgibt und die dafür notwendigen Lektionen zur Verfügung stehen.
Völlig nachvollziehbar ist, dass diejenigen Stellen, die über Lehrpläne und Stundentafeln entscheiden, über die entsprechenden Fachkompetenzen verfügen müssen, insbesondere dann, wenn ihre Entscheide abschliessend sind. Erarbeitet werden die Lehrpläne in unserem Kanton zwar von einer engagierten Verwaltung, so auch der künftige Lehrplan Volksschule Baselland, der im Jahre 2020 an den Sekundarschulen eingeführt werden soll. Gleichwohl können sich aber Fehler, Unsinniges und nicht Umsetzbares einschleichen. Eine fachlich hoch dotierte Stelle, welche die von der Verwaltung produzierten Vorlagen kritisch überprüfen kann, ist unabdingbar.
Regierungsrätin Monica Gschwind hat erkannt, dass beispielsweise Juristen, Sozialarbeiter und Richter nicht über die nötige methodische und pädagogische Fachkompetenz verfügen, um hochkomplexe Materie wie Lehrpläne und Stundentafeln, deren Zusammenhänge und Folgen zu beurteilen. Ihren Entscheid, den Bildungsrat zu professionalisieren und zu einem echten Expertengremium umzuwandeln, welches fähig ist, Schwachstellen in den bildungspolitischen Vorlagen eruieren zu können, ist begrüssenswert. Folgerichtig sollen die politischen Parteien nicht mehr vertreten sein. Ihre Vertreterinnen und Vertreter im bisherigen Bildungsrat vertraten bislang insbesondere ihre Partei- und Partikularinteressen. Es waren zwar engagierte und motivierte Personen, die jedoch meist nicht über die notwendigen Fähigkeiten verfügten.
Regierungsrätin Monica Gschwind schlägt vor, dass dieses künftige Expertengremium nur eine beratende Funktion einnimmt und nicht mehr abschliessend entscheidet. Trifft künftig der Regierungsrat nach der Begutachtung der Empfehlungen des Expertengremiums den Entscheid, so hat dies auch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Der Regierungsrat muss sich gegenüber Öffentlichkeit und Parlament weitaus stärker für sein Handeln und seine Entscheide rechtfertigen als dies bislang der Bildungsrat tun musste. Dieser konnte sich gegenüber dem Volk im stillen Kämmerlein verstecken. Damit steht der Regierungsrat unter einem erheblichen Druck, fundiert geprüfte Entscheide zu fällen. Dieser Druck ist zweifelsohne der bestmögliche Garant, dass die Bildungsdirektorin mehrheitsfähige und wohl durchdachte Entscheide fällt und nicht leichtfertig die Empfehlungen des Expertengremiums missachtet, um damit auch keine unangenehmen politischen Vorstösse und Volksinitiativen zu provozieren.
Bildungsrat ist ein Laiengremium, 13.12.2016 von Michael Pedrazzi
Auch wenn die SP krampfhaft aufzuzeigen versucht, dass der Bildungsrat ein Expertengremium in Sachen Bildung sei, hat die Vergangenheit deutlich das Gegenteil gezeigt: So konnten zum Beispiel die teilnehmenden Mitglieder des Bildungsrates an ihrer eigenen Pressekonferenz zum Lehrplan 21 die Fragen der Journalisten kaum fundiert beantworten. Es stellte sich heraus, dass sie weder die Philosophie des Lehrplans 21 verstanden haben noch deren Umsetzbarkeit beurteilen konnten – peinlich, aber doch irgendwie verständlich: Denn von den 14 Mitgliedern des Bildungsrates haben nur gerade vier tagtäglich mit Bildung zu tun; die anderen vertreten vor allem die Partikularinteressen ihrer Parteien oder Wirtschaftsverbände.
Dennoch ist der Bildungsrat befugt, ohne Rücksicht auf finanzielle Mittel des Kantons abschliessend über Lehrpläne, Lehrmittel und Stundentafeln zu befinden. Und es ist ein völliger Irrglaube zu meinen, der Bildungsrat würde die Lehrpläne erarbeiten. Vielmehr erhält er von der Bildungsdirektion fixfertige Vorlagen, die er mangels Knowhow und Fachwissen nur abnicken kann. Das Laiengremium entscheidet in der Regel, ohne die Meinung der Lehrpersonen und Fachexperten zu beachten.
Die Mehrheit der Lehrpersonen sieht im vom Bildungsrat angestrebten kompetenzorientierten Lehrplan ein erhebliches Risiko für die Schülerinnen und Schüler. Kein Wunder, im Bundesland Baden-Württemberg hat die Anzahl Schulabgänger, die nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden können, zehn Jahre nach der Umstellung auf den kompetenzorientierten Unterricht erschreckend zugenommen. Das selbstorganisierte Lernen, das bei uns neu eingeführt werden soll, scheiterte in Deutschland kläglich.
Der Bildungsrat verkennt die Schwächen des Lehrplans 21 mit seiner angestrebten Unterrichtsphilosophie und politisiert mit aufgesetzter Reform-Brille klar am Volk vorbei. Die von ihm propagierten Sammelfächer wurden denn am 5. Juni an der Urne mit 61% auch wuchtig verworfen.
Die SP merkt, dass ihre Bildungspolitik scheitert und die von alt Regierungsrat Urs Wüthrich vorangetriebenen Reformen von Regierungsrätin Monica Gschwind hinterfragt und erfolgreich gestoppt werden. So bedienen sich die beiden SP-Landräte Mirjam Locher und Roman Brunner wiederholt markiger Worte, um Gschwind und die Starke Schule Baselland zu diffamieren. Sie werfen der Bildungsdirektorin vor, die Bildungsmacht auf ihre Direktion konzentrieren zu wollen, um niemanden mehr fragen zu müssen, wenn es um Lehrpläne und Stundentafeln geht. Dabei verkennt die SP: Es war die neue Regierungsrätin Monica Gschwind, welche eine breit angelegte Umfrage bei den Lehrpersonen durchführte, ihre Position ernst nahm und diese berücksichtigte. Die neue Bildungsdirektorin strebt in Bildungsfragen Konsenslösungen an, die von einer Mehrheit mitgetragen werden kann.
Es kommt auch nicht zu einer „Verpolitisierung der Bildung“, wie die beiden SP-Landräte immer wieder behaupten. In zahlreichen Kantonen entscheidet schon der Regierungsrat unter Berücksichtigung der Position der abnehmenden Schulen über Bildungsgeschäfte und das funktioniert gut. Zudem soll in Baselland der Bildungsrat gar nicht ersatzlos abgeschafft, sondern professionalisiert werden, indem statt Laien mit Parteien- und Wirtschaftsinteressen echte Bildungsleute aus der Praxis Einsitz nehmen sollen.
Der Entscheid, die Fähigkeiten, Kompetenzen und Aufgaben des Bildungsrates zu hinterfragen, ist aufgrund seiner zahlreichen Fehlentscheide in den vergangenen Jahren nachvollziehbar und legitim. Zu wichtig ist unser Bildungssystem, um es ideologischen Wunschvorstellungen zu opfern.
Umfrage bei Aargauer Lehrpersonen, SSbB
Das Komitee «Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21» hat im Kanton Aargau rund 6’000 Lehrpersonen angeschrieben und ihnen fünf Fragen zu den anstehenden Bildungsreformen gestellt. Dies, weil – wie auch in anderen Kantonen – die Personen an der Basis, also die Lehrerinnen und Lehrer, noch nie wirklich nach ihrer Meinung gefragt worden sind.
Von den rund 6’000 Lehrpersonen, die per Mail angeschrieben wurden, haben über 1’200 an der Umfrage teilgenommen, was einer grossen Rücklaufquote entspricht. Die Fragen lauteten:
- Befürworten Sie, dass bereits auf der Primarstufe zwei Fremdsprachen (Französisch und Englisch) unterrichtet werden?
- Befürworten Sie an der Oberstufe statt der Einzelfächer Geografie, Geschichte, Biologie, Physik und Chemie die beiden Sammelfächer «Räume, Zeiten, Gesellschaften» und «Natur und Technik»?
- Befürworten Sie den zentralen Punkt des LP 21, das «selbstorganisierte Lernen», welches Stoffauswahl und Lernprozesse (Stichwort Lernlandschaften) weitgehend den Schülern überlässt?
- Sind Sie der Meinung, dass die Lehrerpersönlichkeit zentral ist für den Lernerfolg in der Klasse und bei der Stoffvermittlung eine aktive Rolle spielen muss?
- Wollen Sie auch in Zukunft mit Jahreszielen arbeiten?
Die Fragen bezogen sich – mit Ausnahme von Frage 1 – auf den Lehrplan 21 und seiner neuen Form des Lernens. Eindrücklich waren die Aussagen der gut 1’200 Lehrpersonen, die an der Online-Umfrage teilgenommen haben.
Nur 12% der Lehrpersonen befürworten zwei Fremdsprachen an den Primarschulen
Das Resultat der beiden ersten Fragen sieht ähnlich aus: Sowohl bei der Frage nach zwei Fremdsprachen als auch bei derjenigen über die Einführung von Sammelfächern, haben sich über die Hälfte der Befragten gegen zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe (52%) und gegen die Einführung von Sammelfächern (58%) ausgesprochen. Für zwei Fremdsprachen votierten lediglich 36% und gar nur 28% befürworten die beiden Sammelfächer.
Auch bei entsprechenden Fragen im Kanton Baselland (entweder durch die Starke Schule Baselland oder die Bildungsdirektion) hat das Nein gegenüber dem JA deutlich überwogen, ungefähr im Verhältnis 3 zu 2.
Auch das selbstorganisierte Lernen fällt bei den Lehrpersonen durch
Die Ergebnisse zur dritten und vierten Frage sind noch eindrücklicher: 67% der Lehrpersonen lehnen das selbstorganisierte Lernen ab, welches mit dem Lehrplan 21 immer stärker eingeführt wird. 89% der Befragten sehen die Lehrperson nach wie vor als zentralen Indikator für den Lernerfolg der Kinder (was also zusätzlich gegen das selbstorganisierte Lernen spricht).
Auch die Frage zu den Jahreszielen wurde deutlich mit einem Ja beantwortet. Insgesamt zeigt sich, dass auch im Kanton Aargau die Lehrpersonen sehr kritisch gegenüber dem Lehrplan 21 und weiteren Reformen stehen.
Initiative zum Lehrplan 21 eingereicht, 27.10.2016 von Saskia Olsson
Die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) hat den Volkswillen für eine Harmonisierung der Schulen
zum Anlass genommen, den kompetenzorientierten Lehrplan 21 zu entwickeln, mit welchem eine
völlig neue Unterrichtsphilosophie propagiert wird. Am 18. März 2010 hat die Plenarversammlung der
deutschsprachigen EDK-Regionen das „Grundlagenpapier für den Lehrplan 21“ verabschiedet. Darin
wird die neue Unterrichtsphilosophie wie folgt beschrieben: «Mit Kompetenzorientierung ergibt sich
eine veränderte Sichtweise auf den Unterricht. Lernen wird verstärkt als aktiver, selbstgesteuerter,
reflexiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden»
Zu dieser Unterrichtsphilosophie gehört das „selbstgesteuerte Lernen“ in einem Grossraum-Zimmer
(beschönigend Lernlandschaft oder Lernatelier genannt), in welchem bis zu 72 Schulkinder
weitgehend sich selbst überlassen arbeiten sollen. Die Schüler/-innen haben ihren persönlich
eingerichteten, mit Wänden abgeschotteten Arbeitsplatz. Kontrollen der Lehrpersonen, ob ein Kind
konzentriert arbeitet oder nicht, sind kaum möglich. Zu unübersichtlich ist der Schulraum. In Baselland
gibt es in Pratteln und Frenkendorf solche Grossraum-Zimmer.
Um dieser Unterrichtsphilosophie zum Durchbruch zu verhelfen, liess die EDK hinter verschlossenen
Türen im stillen Kämmerlein den Lehrplan 21 entwickeln. Die Teilnehmenden wurden sorgfältig
ausgewählt, Kritiker rausgeekelt oder mundtot gemacht.
Der Lehrplan 21 baut auf 3‘500 Kompetenzbeschreibungen auf. Stoffinhalte sind nur exemplarisch
angegeben, ein roter Faden fehlt. Exemplarisch das folgende Beispiel einer diffusen
Kompetenzbeschreibung: „Schülerinnen und Schüler können allein oder im Gespräch die
kommunikative und ästhetische Wirkung und Qualitäten ihrer Texte mithilfe von Kriterien differenziert
einschätzen.“
Der Lehrplan 21 stellt einen Paradigmenwechsel dar, der die pädagogische Ausrichtung der
Volksschule fundamental verändert. Dies ohne jegliche Legitimation durch das Stimmvolk aber auch
ohne jegliche Not, denn das schweizerische Bildungssystem hat die letzten Jahrzehnte sehr gut
funktioniert und ist Garant für die gute Bildung unserer Gesellschaft. Dieses Bildungssystem
fundamental zu verändern, ohne wissenschaftliche Begleitung oder Versuchsprojekte, ist fahrlässig.
Zurzeit ist die Bildungsdirektion an der Erarbeitung des neuen Lehrplans Volksschule Baselland. Zwei
Modelle, wie der neue Lehrplan aussehen könnte, stehen politisch zur Diskussion:
- Der neue Lehrplan Volksschule Baselland besteht aus zwei gleichwertigen Teilen. Teil A
beinhaltet Kompetenzbeschreibungen, wie sie der Lehrplan 21 vorsieht. Hierbei würden
einzelne Anpassungen gegenüber dem Lehrplan 21 gemacht, wie zum Beispiel das Aufteilen
der darin vorgesehenen Sammelfächer in Einzelfächer. Teil B bestünde aus Stoffinhalten und
Themen, welche Jahresziele formulieren und die unterschiedliche Ausrichtung der drei
Leistungsprofile A, E und P berücksichtigt. Beide Teile wären verbindlich und bilden
zusammen den neuen Lehrplan Volksschule Baselland. Dieses Modell erfüllt die Auflagen der
Motion „Lehrpläne mit transparenten Stoffinhalten“ von Landrätin Regina Werthmüller. Der
Nachteil dieses Modells wäre jedoch, dass die Kompetenzbeschreibungen eine beachtliche
Bedeutung hätten. Die von uns kritisierte neue Unterrichtsideologie des Lehrplans 21 wäre
weiterhin möglich. - Der neue Lehrplan Volksschule Baselland besteht aus Stoffinhalten und Themen, welche verbindlich sind. In einem unverbindlichen Anhang werden Kompetenzen aufgelistet, die den Lehrpersonen als Hilfestellung dienen. Dieses Modell rückt die Kompetenzbeschreibungen in den Hintergrund. Der neuen Unterrichtsideologie, wie sie der Lehrplan 21 vorsieht, würde die Basis entzogen. Das Grundlagenpapier zum Lehrplan 21, welches die Plenarversammlung der D-EDK am 18.3.2010 verabschiedet hat, wäre für unseren Kanton nicht mehr relevant.
Unsere Initiative „Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen“ strebt dieses zweite
Modell an. Heute reichen wir diese Initiative mit 2’602 Unterschriften ein.
Eindrückliches Referat von Alain Pichard, 19.10.2016
Alain Pichard ist Lehrperson und Stadtrat (glp) in Biel. Zusammen mit 20 weiteren Autoren hat er 2015 die Streitschrift «Einspruch» veröffentlicht, in welcher erstmals auch von linker Seite Kritik am Lehrplan 21 und den Schulreformen geäussert wurde.
Frustrierte SP schwärzt Starke Schule an, 15.10.2016 von Alina Isler
Irgendwie ist es nachvollziehbar, dass SP-Fraktionspräsidentin Miriam Locher und Jungpolitiker Jan Kirchmayr frustriert sind. Ihre Bildungspolitik befindet sich in einer Sackgasse und ein Ausweg muss her, notfalls auch mit Anschwärzen und Verunglimpfen. Zu spüren bekommt das auch die Starke Schule Baselland beziehungsweise ihre Vorstandsmitglieder, die hin und wieder auf eine etwas hilflose Art schlechtgeredet werden.
Der Vorstand der Starken Schule Baselland wird sich in seiner Arbeit dadurch nicht beeinflussen lassen. Zu erfolgreich war das Mitte-links-Komitee mit seinen stetigen Bemühungen in den vergangenen Jahren: Die unsäglichen Sammelfächer konnten beerdigt, die von alt Regierungsrat Urs Wüthrich angestrebte Erhöhung der maximalen Klassengrössen auf 26 Schüler/-innen pro Klasse abgewendet sowie die Abschaffung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule (KVS) und der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule (BVS 2) verhindert werden. Der Lehrplan 21 und das Fremdsprachenprojekt Passepartout werden aufgrund des aufgebauten Drucks von Eltern und Lehrpersonen überarbeitet und an die Verhältnisse in unserem Kanton angepasst.
Der erfolgreiche Reformstopp, den Regierungsrätin Monica Gschwind in den vergangenen eineinhalb Jahren mit ihrer wohlüberlegten Strategie der «Konsenssuche» realisieren konnte, ist bemerkenswert: Statt dem Lehrplan 21 haben die Sekundarschulen einen brauchbaren Übergangslehrplan mit einer neuen, leicht angepassten Stundentafel erhalten, was zu einer starken Beruhigung an den Schulen führte. Zurzeit arbeitet die Bildungsdirektion an der Ausarbeitung des neuen Lehrplans Volksschule Baselland, der frühestens ab Mitte 2018 in Kraft gesetzt werden soll und klar definierte Stoffinhalte und Themen enthält.
Lehrplan 21 ein Risiko
Den entsprechenden Auftrag erhielt die Bildungsdirektorin vom Landrat, der die Motion Stufenlehrpläne mit transparentem Inhalt von Landrätin Regina Werthmüller zur Umsetzung überwies. Die 3500 abstrakten, kaum umsetzbaren Kompetenzbeschreibungen hingegen verlieren an Bedeutung. Im Gegenzug werden Stoffinhalte und Themen im neuen Lehrplan Volksschule Baselland an Wichtigkeit gewinnen.
Dass den beiden SP-Politikern dieser Reformstopp und die kooperative und gute Zusammenarbeit zwischen der Regierung und der Starken Schule sauer aufstösst, liegt auf der Hand: Die immer klarer werdende Erkenntnis, dass ihre SP-Bildungspolitik der letzten zehn Jahre gescheitert ist, schmerzt heftig. Zu gerne würden die beiden an der Bildungsideologie festhalten, die nach der Harmos-Abstimmung von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetüftelt wurde und mit dem kompetenzorientierten Lehrplan 21 endete.
Die Mehrheit der Lehrpersonen erachtet den Lehrplan 21 jedoch als kaum umsetzbar: Er berge für die Schüler/-innen sogar ein erhebliches Risiko und führe zu einem Bildungsabbau – so das Fazit der Pädagoginnen und Pädagogen. Dies muss die SP-Spitze zur Kenntnis nehmen, wenn sie auch in Bildungsfragen wieder ernst genommen werden möchte.
Urs Wüthrich blieb zu lange
Die SP konnte die Bildungslandschaft unter der Führung von alt Regierungsrat Urs Wüthrich während vielen Jahren nach ihrem Gutdünken formen. Mit verhängnisvollen Folgen: Frust und Demotivation breiteten sich bei den Lehrpersonen aus, die Unruhe an den Schulen wuchs und wuchs. Urs Wüthrich geriet beim Lehrpersonal zunehmend ins Abseits.
Das Fass zum Überlaufen brachten dann seine Sparvorschläge kurz vor seinem Abgang, mit denen er den Lehrpersonen scheinbar nochmals so richtig eins auswischen wollte: Mit der vorgeschlagenen Erhöhung der Pflichtstundenzahl für Fachlehrpersonen, der Streichung der Altersentlastung sowie der Reduktion des Freifachangebotes schürte er den Konflikt erneut und legte der neuen Bildungsdirektorin ein richtig dickes Ei ins Nest.
Die Parteileitung der SP Baselland hingegen hatte es verpasst, Regierungsrat Urs Wüthrich frühzeitig zum Einsehen zu bewegen – ein verhängnisvoller Fehler, der letztlich der SP den berechtigten und wichtigen Regierungsratssitz kostete. Die Bevölkerung hatte schlichtweg genug von diesen unsäglichen Bildungsreformen, die ohne Not die Schullandschaft verändern sollten. Immerhin haben wir unseren Wohlstand der guten Schulbildung unserer Gesellschaft zu verdanken. Das Urteil des Stimmvolkes war voraussehbar und klar: Ein Wechsel an der Spitze der Bildungsdirektion musste her.
Zunehmend zeigt sich, wie klug und wertvoll die Einsetzung der sogenannten «Marschhaltgruppe» zu Beginn der Amtszeit der neuen Bildungsdirektorin war. Praktisch alle wichti- gen Bildungsgruppen (Amt für Volksschule, Präsidium der Schulleitungen, Bildungsrat, Amtliche Kantonalkonferenz, Starke Schule Baselland, Lehrerverband, VPOD und so weiter) nahmen unter Leitung der Bildungsdirektion an den Sitzungen teil. Die Lehrpersonen wurden erstmalig wirklich umfassend angehört. Sie konnten in einer breit angelegten Umfrage ihre Bedenken zu den Reformen äussern und diese wurden von der Bildungsdirektorin ernst genommen.
Bei den Lehrpersonen kehrte Ruhe ein – wissend, dass die Reformen überprüft und gestoppt werden.
Eymann sind bikantonale Bildungsdiskussionen ein Dorn im Auge, 04.10.2016 von SSbB
Die Starke Schule Baselland nimmt zu den Vorwürfen von Regierungsrat Christoph Eymann an-
lässlich der Bildungsumfrage bei Basler Lehrpersonen in der vergangenen Woche wie folgt Stel-
lung:
Die Grundidee der Harmos-Abstimmung war diejenige, die Schulen zu harmonisieren. Ziel war es, Fami-
lien künftig einen Wohnortwechsel innerhalb der Schweiz so zu erleichtern, dass sich für die Kinder
dadurch keine schulischen Probleme mehr ergeben sollten. Um das und um nichts anderes ging es da-
mals. Hinter diesem ursprünglichen Ziel steht die Starke Schule Baselland nach wie vor.
Die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) hat den klaren Volksentscheid zum Anlass
genommen, ein Projekt in die Wege zu leiten, von dem im Rahmen der gesamten Harmos-Debatte nie
die Rede war. Unter Umgehung eines öffentlichen Diskurses veranlasste sie eigenmächtig die Entwick-
lung des sog. Lehrplans 21, welcher mit seiner Kompetenz-Lastigkeit einen eigentlichen Paradigmen-
wechsel im schweizerischen Schulsystem bedeutet. Die völlig neue Unterrichtsphilosophie formulierte die
EDK in ihrem 2010 verabschiedeten „Grundlagenpapier für den Lehrplan 21“ in folgendem Wortlaut: „Mit
der Kompetenzorientierung ergibt sich eine veränderte Sichtweise auf den Unterricht. Lernen wird ver-
stärkt als aktiver, selbstgesteuerter, reflexiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden.“ (verab-
schiedet von der Plenarkonferenz der deutschsprachigen EDK-Regionen am 18.3.2010)
Im stillen Kämmerlein also waren die radikalen und folgenschweren Umbaupläne entstanden. Unter Aus-
schluss der Öffentlichkeit hatte sich die EDK daran gemacht, einen fundamentalen, wissenschaftlich völ-
lig unbegleiteten Umbau der Schweizer Schulen in die Wege zu leiten. Der Lehrplan 21 als reines Ver-
suchs-Modell vom grünen Tisch ohne jegliche Erfahrungswerte bezüglich Praxistauglichkeit und Bil-
dungsqualität. Für ein solch riskantes Experiment mussten entsprechend linientreue Arbeitsgruppen zu-
sammengesetzt, Kritiker entfernt oder mundtot gemacht werden. Dazu passt auch, dass sie eine Stillhal-
tevereinbarung unterschreiben mussten.
Als Folge der neuen Leitideen schiessen in vielen Kantonen, z.B. in Basel-Stadt, Lernlandschaften aus
dem Boden. Im Kanton Basel-Landschaft konnte diese, mit teuren Folgekosten verbundene Entwicklung
gestoppt werden. Einzig in Pratteln und Frenkendorf arbeiten bis zu 72 Schüler/-innen in solchen Gross-
raum-Klassenzimmern. Sie beschäftigen sich selbstorientiert an ihren persönlich eingerichteten, teilweise
mit Wänden abgeschotteten Arbeitsplätzen. Kontrollen, ob ein Kind konzentriert arbeitet oder nicht, sind
kaum mehr möglich. Im Rahmen von Lernlandschaften werden Lehrpersonen zu Lerncoaches degradiert
und auch so benannt. Dies ist im Kanton Basel-Stadt bereits der Fall. Einen fundierten Fachunterricht
erteilen Lehrpersonen immer weniger. Die Schülerschaft einer ganzen Generation wird auf dem Weg
über die neue Unterrichtsideologie zum Versuchsobjekt.
Regierungsrat Christoph Eymann war als leitendes Mitglied der EDK einer der Hauptverantwortlichen für
diese ganzen Umstrukturierungen. Mit Kritik oder abweichenden Meinungen hat er besonders Mühe. In
diesem Zusammenhang können bei ihm schon einmal Anstand und Fairness auf der Strecke bleiben. So
schreckt er beispielsweise nicht zurück, die Wissenschaftlerin Simone Pfenninger (Universität Zürich), die
kürzlich eine fundierte Studie zum Fremdspracherwerb publiziert hatte, öffentlich zu desavouieren, nur
weil ihm ihre Resultate nicht ins Konzept passten.
Im Zusammenhang mit der Lehrerbefragung macht Eymann der Starken Schule Baselland den Vorwurf,
sie würde sich in inakzeptabler Form in die Angelegenheiten des Kantons Basel-Stadt einmischen. Bikan-
tonale Diskussionen und eine verbesserte Zusammenarbeit unter den Lehrpersonen in der Nordwest-
schweiz scheinen ihm ein Dorn im Auge zu sein. Ausserdem blendet er aus, dass gerade er es ist, der
eine Initiative des Lehrerverbandes BL im WOZ-Bildung-Interview vom 15. September 2016 als „idiotisch“
bezeichnete.
Die Starke Schule Baselland nimmt Herrn Eymanns Äusserungen zur Kenntnis und bedauert seinen of-
fensichtlichen Versuch, bikantonale Bildungsdiskussionen unter den Lehrerinnen und Lehrern abwürgen
zu wollen.
Aargau hält an bisherigem Fremdspracheunterricht fest, SSbB
Im Kanton Aargau wird es in Sachen Fremdsprachenunterricht bis frühstens 2020/2021 keine Änderungen geben. Obwohl die Sprachenstrategie der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) eine erste Fremdsprache ab der dritten Primarklasse und die zweite ab der fünften Primarklasse vorsieht, soll im Aargau die zweite Fremdsprache (Französisch) weiterhin erst ab der sechsten eingeführt werden. Aargau hält an dem bisherigen Konzept fest, weil auch viele andere Entscheide – zum Beispiel die Einführung des neuen Lehrplans – erst 2020/2021 durchgeführt werden. Auch der Ausgang der Abstimmung im Februar über die Einführung oder Ablehnung des Lehrplans 21 wird den Entscheid beeinflussen, ob der Fremdsprachenunterricht allenfalls auch nach 2020/2021 so fortgeführt wird wie bis anhin. Das Festhalten an der momentanen Fremdsprachensituation im Aargau zeigt, dass auch dort die Meinung zählt, dass der frühe Beginn mit einer Fremdsprache nicht unbedingt von Vorteil ist.
Die Volksinitiative der Starken Schule Baselland geht noch einen Schritt weiter und will, dass auf der Primarstufe nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden soll. Damit dabei nicht gegen die verlangte Harmonisierung des Sprachenunterrichts verstossen wird, soll hier jedoch weiterhin Französisch als erste Fremdsprache (und gleichzeitg Landessprache) eingeführt werden und Englisch erst auf der Sekundarstufe dazukommen. Dies hätte zur Folge, dass sich die Schulkinder nicht bereits in so jungen Jahren – wenn sie teilweise nur wenig Kenntnisse in der deutschen Sprache haben – mit zwei Fremdsprachen abmühen müssten und sich auf wichtige Kernfächer konzentrieren könnten. Studien zeigen weiterhin, dass es für Schulkinder in fortgeschrittenem Alter nicht schwieriger ist, eine Fremdsprache zu erlernen, da sie dann bereits fortgeschrittenere Kentnisse in der Erstsprache (Deutsch) haben und diese anwenden können.
Lehrplan mit klaren Inhalten statt diffusen Kompetenzbeschreibungen, SSbB
Heute, am 7. Juli 2016, lanciert die Starke Schule Baselland die Initiative «Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen«. Bis Ende Oktober möchten wir die notwendigen 1’500 Unterschriften sammeln.
Die formulierte Gesetzesinitiative will mit einem neuen Artikel im Bildungsgesetz verankern, dass die Stufenlehrpläne der Volksschulen ausschliesslich Stoffinhalte und Themen enthalten und dass diese massgebend sind. Kompetenzbeschreibungen sollen in einem separaten Anhang aufgenommen werden und den Lehrpersonen als Hilfeleistung dienen.
Mit dieser Initiative würden als Grundlage für den Unterricht auch künftig Inhalte und Themen dienen und nicht 3’500 teilweise abstrakte oder diffuse Kompetenzbeschreibungen, die kaum messbar sind und die jede Lehrperson anders interpretieren kann. Eine echte Harmonisierung der Schulen kann nur erreicht werden, wenn die Lerninhalte für jedes Fach und jedes Schuljahr klar definiert sind. Wechselt eine Familie ihren Wohnort von A nach B, erhalten die Kinder in der Schule fachliche Schwierigkeiten, wenn der Unterrichtsstoff nicht übereinstimmt. Dies war auch der Grundgedanke bei der Harmos-Abstimmung.
Bereits heute spielen Kompetenzen im Unterricht eine wichtige Rolle, die von Lehrpersonen durch ihren Stoffplan erreicht werden. Massgebend müssen aber auch künftig die Stoffinhalte und Themen bleiben. Nicht umsetzbare Kompetenzbeschreibungen als Mass aller Dinge im Lehrplan festzuschreiben, ist ein Rückschritt in den Bestrebungen die Schulen zu harmonisieren. Deshalb soll ein Katalog mit sinnvollen Kompetenzbeschreibungen in einem Anhang zu den Stufenlehrplänen aufgenommen werden und den Lehrpersonen als Hilfeleistung dienen.
Mit dieser Initiative wird auch die neue Philosophie «selbstorientiertes Lernen» (SOL) eingeschränkt. Diese neue Unterrichtsmethode zeichnet sich dadurch aus, dass die Schüler/-innen einen grossen Teil ihrer Unterrichtszeit z.B. in Grossraumklassenzimmern von bis zu 70 Kindern selber planen und organisieren müssen. Sie werden in dieser Zeit weitgehend sich selbst überlassen. Insbesondere leistungsschwächere Schüler/-innen haben damit erhebliche Schwierigkeiten und verfehlen die Lernziele deutlich. Die Schere zwischen den leistungsstärkeren und den leistungsschwächeren Schüler/-innen würde mit dem rein auf Kompetenzen aufgebauten Lehrplan 21 in der heutigen Version weiter auseinanderdriften.
Der Lehrplan 21 führt mittelfristig dazu, dass die Lehrpersonen die Schüler/-innen nicht mehr als Fachpersonen mit hoher Fachkompetenz unterrichten, sondern als Allrounder, die von vielem ein wenig, aber von nichts mehr ein fundiertes Wissen haben.
Die Medienmitteilung zum Lancierungsstart der Initiative finden Sie hier.
61% sagen Ja zur Weiterführung von Einzelfächern, SSbB
Zweimal JA und einmal NEIN, insgesamt ein sehr gutes Ergebnis.
- Das wuchtige JA von 84.6% zu unserer Initiative „Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere“ bedeutet den klaren Willen der Bevölkerung, dass im Baselbiet weiterhin ein kaufmännisches Brückenangebot bestehen muss. Nach diesem klaren Volksentscheid ist es nicht mehr opportun, die Kaufmännische Vorbereitungsschule (KVS) in Reinach und Liestal schliessen zu wollen; eine Schule, bei der über 96% der Abgänger/-innen optimale Anschlusslösungen finden. Dieses deutliche JA zeigt, dass die Starke Schule Baselland nicht nur bei den Lehrpersonen, sondern auch bei der breiten Bevölkerung Vertrauen und Unterstützung geniesst.
- Das klare JA der Stimmbevölkerung zur Bildungsvorlage „Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer“ mit 61.0% zeigt die deutliche Ablehnung der diffusen Sammelfächer und die Beibehaltung der bewährten Einzelfächer, die auch weiterhin einen qualifizierten, fundierten Fachunterricht ermöglichen. Das Stimmvolk hat erkannt, dass Sammelfächer zu einem Bildungsabbau führen würden.
- Leider ging die Abstimmung zur Vorlage „Einführung Lehrplan 21“ mit 47.3% knapp verloren. Sicherlich war auch der Titel der Initiative missverständlich formuliert. Dennoch akzeptieren wir selbstverständlich auch dieses Abstimmungsresultat.
Offensichtlich hat das Volk Bedenken, Kompetenzen vom Bildungsrat hin zum Landrat zu verschieben. Das Stimmvolk will aber dem Bildungsrat klare Leitplanken setzen, wie das deutliche JA zur Festschreibung der Einzelfächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaft belegt. Die Starke Schule wird in den kommenden Wochen prüfen, ob und welche weiteren gesetzlichen Schranken der Bildungsrat erhalten sollte (z.B. bei der Kompetenzorientierung des Lehrplans 21, der Fremdsprachendidaktik „Passepartout“ oder dem „selbstorientierten Lernen“).
Die Starke Schule hat einen intensiven und erfreulicherweise auch erfolgreichen Abstimmungskampf hinter sich. Dass wir zwei von drei Bildungsvorlagen durchgebracht haben, besonders die richtungsweisende Vorlage „Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer“, bestätigt uns in unserer politischen Arbeit.
Lehrplan 21 als Standortnachteil für die Wirtschaft, Peter Aebersold
Gegenwärtig soll in verschiedenen Kantonen mit dem umstrittenen Lehrplan 21 die radikalste Änderung des Schulsystems seit Bestehen der Volksschule vorgenommen werden. Dass die Bedenken, die von der Lehrerschaft, besorgten Eltern und Pädagogikprofessoren, angemeldet wurden, ihre Berechtigung haben, zeigen die schlechten Resultate der LP21-Versuchsschulen, die mit der „Kompetenzorientierung“ und ihrem „selbstgesteuerten“ oder „selbstorganisierten Lernen SOL“ den bewährten Klassenunterricht weitgehend abgeschafft und qualifizierte Lehrer zu „Lernbegleiter“ degradiert haben. Die Schüler werden allein gelassen, in dem es ihnen überlassen wird, wann, wie, wo und ob sie lernen wollen. Die übereilte Einführung dieser wissenschaftlich nicht abgesicherten „Neuen Lernformen“ könnte für die Pionierkantone und deren Gewerbe zu einem wirtschaftlichen Standort-Nachteil werden, wie das der Reformpionierkanton Basel-Stadt schon einmal schmerzlich erleben musste.
Basel-Stadt hat mit dem Schulgesetz von 1988 eine Reihe von sogenannt fortschrittlichen Schulreformen eingeführt und damit in der Schweiz eine Vorreiterrolle übernommen. Bereits fünf Jahre später (Basler Zeitung vom 12.10.93) zeigten sich jedoch die ersten negativen Resultate: Ein Ausbildungsleiter einer grossen Basler Chemiefabrik meldete, dass von 45 Lehrverträgen für Chemie-Laboranten nur noch einer mit einem Stadt Basler Schulabgänger abgeschlossen werden konnte. 1995 berichtete der Generaldirektor des Schweizerischen Bankvereins in einer Sondersitzung des Basler Grossen Rates zum Problem der nachlassenden Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Basel (NZZ vom 3.4.95) über die gravierenden Auswirkungen der Basler Schulreformen. Der Bankverein könne nur noch 20 Prozent seiner Lehrlinge aus dem Kanton Basel-Stadt rekrutieren. Wie die Ergebnisse der Eignungstests für das Medizinstudium zeigten, waren mittlerweile auch die Maturanden Opfer der Schulreformen geworden. In den 1990er Jahren haben die Stadt-Basler Bewerber beim Eignungstest für das Medizinstudium gesamtschweizerisch am schlechtesten abgeschnitten.
Obwohl der Zusammenhang mit den umstrittenen Schulreformen offensichtlich war, konnte der Kanton Basel-Stadt unbehindert seinen Reformkurs weiterführen. Die einst als „fortschrittlich“ hochgelobte Orientierungsschule war 2015 kaum ganz abgeschafft, als Basel-Stadt als Pionierkanton direkt auf den „Lehrplan 21“-Zug aufsprang. Das veranlasste beteiligte Lehrer zu folgenden Bemerkungen: «Einmal mehr dienen wir und die Schulkinder dem Erziehungsdepartement als Versuchskaninchen. Bereits die Einführung der Orientierungsschule als Basler Unikum sei ein einziges Experiment und ein riesiger Fehler gewesen. Und jetzt passen wir unser System dem Rest der Schweiz an, noch bevor die anderen Kantone die Neuerung selber umsetzen.» („Neuer Lehrplan ohne Bücher“, Basler Zeitung, 27.10.2015)
Über den Lehrplan 21 und eine erziehungswissenschaftliche Wende, von Alain Pichard
Mit dem Lehrplan 21 wird eine erziehungswissenschaftliche Wende vollzogen – weg von klassischen Lernzielen, hin zur Kompetenzorientierung. Dieser Paradigmenwechsel stellt auch die Frage nach der Beurteilung neu. Die Diskussion über das Messen von Leistungen und das Bewerten von fachlichen und insbesondere überfachlichen Kompetenzen ist im Kanton Bern voll entbrannt, dank einem jungen kritischen Lehrer mit Bieler Wurzeln. Lars B. staunte nämlich nicht schlecht, als er mit der Einladung für ein Hearing die Entwürfe für eine neue Beurteilung der Schülerinnen und Schüler des Kantons Bern durchlas.
Er sah, dass neu wieder die Kriterien «Pünktlichkeit», «Ordnungssinn» und «Höflichkeit» beurteilt werden sollten, auf einer Skala von 1 bis 10, curricular aufbaubar, was heisst, man kann Höflichkeit quasi in Stufen erlernen. Und das war noch nicht alles: Dazu kamen noch zwölf überfachliche Kompetenzen, wie zum Beispiel «Der Schüler ist in der Lage, Gefühle situationsgemäss auszudrücken», ebenfalls auf einer Skala von 1 bis 10. Der junge Lehrer dachte zuerst an einen Witz. Als er aber merkte, dass das ernst gemeint war, ging er mit vielen Notizen ans Hearing.
250 Lehrkräfte aus dem ganzen Kanton füllten die Aula des Gymnasiums Lebermatt. Vorne ein gut gelaunter Bildungsdirektor, der mit lustigen Sprüchen den Saal erheiterte. Viele anwesende Lehrkräfte empfanden die Stimmung denn auch als sehr gut. Für das umstrittene Formular der überfachlichen Kompetenzen standen genau zehn Minuten zur Verfügung. Immer wieder gab es «konsultative Abstimmungen». Am Schluss einen Riesenapplaus und ein tolles Buffet. Lars applaudierte nicht, er liess auch das Buffet aus und schickte die Formulare mit einem Erlebnisbericht an einen Schulblog. Von dort kam die ganze Sache in die Presse.
Und jetzt aufgepasst! Ein etwas zerknirschter Bildungsdirektor gab sich nicht mal eine Woche später selbstkritisch und empfand seine eigenen Papiere als «unausgegoren».
Interessant: Da entwickeln Experten ein Jahr lang ein neues Beurteilungssystem, da diskutieren Leute, die den Herausforderungen des Unterrichts stets fernbleiben, intensiv über die Ergebnisse, da werden 250 Praktiker zu einer Anhörung eingeladen und dann kommt ein kleiner, kritischer Zeitungsartikel in der BaZ unter dem Titel «Zensuren für Charaktereigenschaften» und schwupp, der verbale Rückzug, das «Sorry», das «Es war ja nicht so gemeint».
Die Reformruinen
Für Lars war der Fall klar: Was da vorgelegt wurde, ist bürgerliches Tugendgeschwafel, verpackt in pseudowissenschaftlichen, technokratischen Vermessungswahn. Nie, meinte er, werde er so etwas seinen Schülern antun. Da merkt man auch, aus welcher Ecke dieser junge Mann kommt: Er denkt links, arbeitet aber an der Front und nicht in den Büros der Bildungsverwaltung. Er verfügt somit noch über die linken Denkreflexe, die einst eine linke Bildungsdiskussion geprägt haben.
Heute begründet uns ein grüner Bildungsdirektor allen Ernstes: «Diese Beurteilung wird von der Wirtschaft verlangt!» Aufgepasst, nicht ein FDP-Magistrat fordert die Normierung unserer Kinder nach wirtschaftlichen Prinzipien! Es ist ein Vertreter der Linken, unterstützt von linken Bildungsfach- leuten und begleitet von Funktionären des Lehrerverbandes!
Was zeigt uns diese Momentaufnahme einer Bildungsdiskussion, in der bildungsbürokratische Autisten allen Widerständen zum Trotz ihr Projekt vorantreiben, koste es, was es wolle?
1. Der Lehrplan wird entgegen der Beschwichtigungsrhetorik von Herrn Eymann eben doch massive Änderungen des Schulalltags mit sich bringen. Die Halbierung des praxisnahen Hauswirtschaftsunterrichts, die neue Fremdsprachendidaktik, die charakterliche Beurteilung von Kindern sind bereits auf dem Tisch.
2. Die Beschwörungsformel des Beat Zemp (Zentralsekretär des Lehrerverbands), wonach das Volk nicht über den Lehrplan abstimmen, sondern dies den Experten überlassen solle, erweist sich als nicht sehr stichhaltig. Die Zahl der Reformruinen, die uns eine ausser Rand und Band geratene Bildungsbürokratie in die Welt gesetzt hat, wächst und verschlingt Unsummen. Aus dem geschilderten Beispiel wird überdeutlich, wie praxisfern unsere sogenannten Bildungsexperten agieren.
3. Die Schule hat Kämpfer nötig, heute mehr denn je. Es braucht mehr Lars B., denn Mut ist in dieser Anpassungsgesellschaft eine Tugend von grosser Sprengkraft geworden.
Charakter wird zu einem Messinstrument, SSbB
In einem umstrittenen Gastbeitrag in der BaZ hat Landrat Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) vor einigen Wochen die Bewertung von Schulkindern in den Primarschulen Binningen und Bottmingen stark kritisiert. Dort wird die Zuteilung der Schulkinder in die Leistungsniveaus A, E und P nicht nur anhand der fachlichen Stärken gemessen, sondern zu gleichen Teilen auch anhand der Sozial- und Selbstkompetenzen. Damit werden die Leistungsniveaus vielmehr zu Sozialniveaus, wo die schwierigeren Kinder – unabhängig von ihrer fachlichen Leistung – auf der Strecke bleiben.
In Bern soll dieses neue Beurteilungsraster nun auch angewendet werden. Einmal pro Jahr sollen die Kinder auf einer Skala von 1 bis 10 charakterlich eingestuft werden. Zu den Kompetenzen, die erreicht werden müssen, zählen Selbstreflexion, Selbstständigkeit und Eigenständigkeit sowie die Bewertung von Dialog-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit. Aber auch die Bewertung von Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Höflichkeit und Umgangsformen ist vorgesehen. Neben den bereits angesprochenen Kritiken ist auch die Fähigkeit gewisse Kompetenzen überhaupt bewerten zu können, ein grosses Problem. Gegenüber der Sonntagszeitung (21.2.2016) gibt Alain Pichard, Initiant des lehrplankritischen Memorandums «550 gegen 550», das Beispiel, wie man denn das Verhalten «Die Schüler können Gefühle wahrnehmen und situationsangemessen ausdrücken» bewerten soll. Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl fügte hinzu, dass man vom Verhalten allein nicht auf die Sozialkompetenz und die Persönlichkeit schliessen könne.
Dass durch die Einführung des Lehrplans 21 künftig auch Zensuren für Verhalten und Einstellung vergeben werden können, zeigt einmal mehr die problematische Ideologie, auf welche der Lehrplan 21 abzielt.
Lehrplan 21 kann Forderungen der Lehrbetriebe nicht erfüllen, 01.02.2016 von Urs Kalberer
«Das Dogma des „selbstgesteuerten, konstruktivistischen Lernens“ in den „Grundlagen für den Lehrplan 21“ der D-EDK verbietet dem Lehrer, seine Hauptaufgaben wahrzunehmen: Er darf sein Wissen nicht weitergeben, nicht mehr unterrichten, nicht erklären, nicht motivieren und nicht erziehen. Das ist, wie wenn man den Journalisten das Schreiben verbieten würde, weil man sich nur dann eine eigene Meinung „konstruieren“ könne.
Das könnte das Ende des Lehrerberufs bedeuten. Den Job als „Lernbegleiter“, der „Lernumgebungen“ zur Verfügung stellt, in dem er Arbeitsblätter von Bertelsmann & Co. vom Internet herunterlädt und an die Schüler verteilt, können auch gratis arbeitende Senioren oder Zivildienstleistende machen. Verschwinden die qualifizierten Lehrer, sinkt unser Bildungsniveau in den Keller und zieht Wirtschaft und Wohlstand mit hinunter. Der Lehrplan 21 erfüllt die berechtigten Forderungen der Lehrbetriebe nach einer genügenden Grundbildung in keiner Weise. Schon heute stellen viele KMUs fest, dass viele Jugendliche nach der Volksschule nicht ausreichend gerüstet sind, um eine Berufsausbildung oder eine weiterführende Schule absolvieren zu können.»
[Quelle: http://schuleschweiz.blogspot.ch/2016/02/lehrplan-21-kann-forderungen-der.html#more ]
Einspruch nun auch von Links, von Saskia Olsson
Nachdem bisher vielfach aus konservativen Kreisen – die Starke Schule als mitte-links Verein ist eher eine Ausnahme – lautstarke Kritik gegenüber dem Lehrplan 21 vernommen wurde, gehen nun auch Vertreter/-innen der Linken öffentlich kritisch gegen den Lehrplan 21 vor. Ein rund 20-köpfiges Autorenteam – darunter die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz, der Bieler Lehrer und GLP-Politiker Alain Pichard, der Kinderarzt Remo Largo und der Publizist Beat Kappeler – hat eine 30-seitige Streitschrift mit dem Titel «Einspruch!» verfasst. Kritisiert wird darin vor allem die fehlende öffentliche Debatte über die Einführung dieses praxisfernen Lehrplans. Politisch sei der neue Bildungsentwurf nicht legitimiert, da sich eine demokratisch ausgewiesene Instanz nie dazu hat äussern können.
Ein grosser Nachteil des neuen Lehrplans 21 liegt in der Einführung eines neuen Bildungssystems durch die Beschreibung von „Kompetenzen“ statt Inhalten. Der Lehrplan 21 enthält 363 Kompetenzen und 2‘304 Kompetenzstufen. Es geht nicht mehr um das Erlernen von Wissen und Inhalten, sondern praktisch nur noch um den Prozess der Problemlösung. Wissen soll nicht mehr gelernt, sondern „reflektiert“ werden. Ein Beispiel einer Kompetenz, die im Fach Deutsch im Zusammenhang mit literarischen Texten erreicht werden muss, lautet: „Die Schülerinnen und Schüler können ein Buch auswählen, indem sie in verschiedenen Büchern schnuppern (z.B. durchblättern, Anfang oder Schluss lesen).“ Alain Pichard, der bereits das Memorandum „550 gegen 550“ initiiert hat, äussert sich gegenüber der Sonntagszeitung, dass er eine zunehmende Standardisierung und Testerei befürchtet, in welcher auch die methodisch-didaktische Unterrichtsfreiheit der Lehrpersonen stark beschränkt wird.
Weitere Kritiken wenden sich gegen die Detailliertheit des neuen Lehrplans 21, der laut Gegnern zu einem Kontrollorgan gegenüber den Lehrern und Schulkindern umfunktioniert werden soll. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Lehrplan 21 von Leuten ausgearbeitet wurde, deren Ziel es einzig ist, eine neue Ideologie ins Klassenzimmer zu bringen, in welchem Lehrpersonen nur noch Allrounder sind, die von allem ein wenig, aber von nichts wirklich ein fundiertes Wissen haben, wo bis zu drei Schulklassen in Lernlandschaften zusammen unterrichtet werden und Fächer wie Geschichte und Geografie derart an Wert verlieren, dass sie künftig marginalisiert als ein Fach unterrichtet werden sollen. Der praxisferne Lehrplan 21 behindert das nachhaltige Lernen der Schulkinder, obwohl in dem Mammutwerk das Wort nachhaltig laut Sonntagszeitung 76 Mal erwähnt wird.
Harmos ist bei weitem nicht die erste Reform der letzten Jahre. In der Schweiz kann man mittlerweile von einer richtigen Reformitis reden, da in den letzten Jahren derart viele umstrittene Reformen im Schweizer Schulwesen eingeführt wurden, dass die meisten den Überblick verloren haben. Im doppelseitigen Artikel der Sonntagszeitung vom 29. November 2015 werden die sieben Reformen der letzten 45 Jahre aufgelistet. Die Bilanz ist erschreckend, da man feststellen muss, dass die meisten dieser Reformen gescheitert sind. Harmos und der Lehrplan 21 sind dabei nur zwei Beispiele.
Dass nun auch heftige Kritik von der linken Seite am Lehrplan 21 geäussert wird, ist dringend notwendig. Den Schaden, welcher der Lehrplan in den Klassenzimmer anrichten würde ist enorm. Diesen erst im Nachhinein wieder gutmachen zu wollen würde noch mehr Ressourcen verschwenden.
Geschichte und Biologie werden marginalisiert, von Saskia Olsson
An den Baselbieter Sekundarschulen will der Regierungsrat ab dem Schuljahr 2016/17 die Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie abschaffen und durch die beiden Sammelfächer «Räume, Zeiten, Gesellschaften» sowie «Natur und Technik» ersetzen. Die traditionellen Fächer werden damit marginalisiert. Dieses Vorhaben, welches angeblich vernetztes Denken, lebensnahen Unterricht und Einblick in die Zusammenhänge verschiedener Fächer fördern will, schiesst weit über das Ziel hinaus. Die überwiegende Mehrheit der Pädagoginnen und Pädagogen sind sich darin einig.
Statt Harmonisierung neue Bildungsideologie
Geplant ist ein Paradigmenwechsel. Mit der Einführung der Sammelfächer sollen künftig nicht mehr fundiert ausgebildete Lehrpersonen mit Universitätsabschluss an den Sekundarschulen unterrichten, sondern Generalisten und Allrounder. In Schmalspur-Kursen werden diese an der Pädagogischen Hochschule ausgebildet. Sie verfügen nur noch über einen Bruchteil, über eine Lightversion der heutigen Fachausbildung. Die angehenden Lehrpersonen lernen eine Universität nur noch von aussen kennen. Dementsprechend sieht auch der Unterricht aus. Das bisherige Ziel, den Jugendlichen ein möglichst tiefes Verständnis wissenschaftlicher Gesetzmässigkeiten zu vermitteln, soll künftig einem oberflächlichen Breitbandunterricht geopfert werden. Der Sekundarstufe I droht via Sammelfächer, die ein fester Bestandteil des neuen Lehrplans 21 sind, ein massiver Qualitätsverlust und damit verbunden ein erheblicher Bildungsabbau. Statt der angestrebten Harmonisierung der Schulen, die faktisch gescheitert ist, erhalten die Schulen mit den Sammelfächern und dem kompetenzorientierten Lehrplan 21 eine neue Bildungsideologie vorgesetzt, die in Richtung Einheitsschule strebt. In verschiedenen Wahlpflichtfächern, wie z.B. Italienisch, Latein, MINT (Mathematik-Informatik-Natur-Technik) sollen in Kürze die drei bewährten Leistungsniveaus A (allgemeines Niveau), E (erweitertes Niveau) und P (progymnasiales Niveau) abgeschafft werden.
Minimierung der Berufschancen
Das Sammelfach-Vorhaben stellt auch einen massiven Eingriff in die Berufs- und Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler dar. Sind es doch gerade solide Vorkenntnisse in den naturwissenschaftlichen Fächern, die für viele Ausbildungen von eminenter Bedeutung sind. Insbesondere am Wirtschaftsstandort Basel ist die Schule in der Pflicht und Verantwortung, ein besonderes Gewicht auf einen fundierten naturwissenschaftlichen Unterricht zu legen. Dies nicht zuletzt, um nicht die Konkurrenzfähigkeit der Schulabgängerinnen und -abgänger zu gefährden.
Bildung ist unser Rohstoff
Bildung ist ein hohes Gut und letztlich der einzige Rohstoff unseres Kantons. Unsere Dienstleistungssek-toren, innovativen Firmen und Industrien, die Präzisionsprodukte in die ganze Welt exportieren und damit für unseren Wohlstand in hohem Masse mitverantwortlich sind, benötigen jährlich eine Vielzahl neuer, bestens qualifizierter Arbeitskräfte. Eine starke Schule Baselland ist unabdingbar, um diese notwendige Anzahl fundiert ausgebildeter Jugendlicher hervorzubringen. Dies kann nur mit engagierten und qualifizierten Lehrpersonen gelingen, die ihren Schützlingen Vorbild sein können. Allrounder mit einer Schnellbleiche-Ausbildung, die etwa so viel wissen, wie sie von ihren Lernenden auf dem Übungsblatt verlangen, tragen wenig zu einem hochstehenden Bildungssystem bei.
Die Qualität des Unterrichtes nähme unweigerlich ab, unsere Kinder erhielten kaum mehr einen richtigen Geschichts- oder Biologieunterricht. Die Marginalisierung der Einzelfächer wird durch den geplanten Abbau der Lektionenzahl und einer gemeinsamen Zeugnisnote zusätzlich unterstrichen. Gerade im Wirtschafts-, Forschungs- und Wissenschaftsstandort Nordwestschweiz müssen die naturwissenschaftlichen Fächer eine bedeutende Rolle einnehmen.
Millionenkosten entstehen
Für die Umsetzung dieser Sammelfach-Idee nimmt die Regierung zusätzliche Kosten in Millionenhöhe in Kauf. Kosten für die Schnellbleiche-Weiterbildung der Lehrpersonen und für neue, teure Lehrmittel. Und dies alles ohne Mehrwert für das Bildungswesen.
Neue Bildungsinitiative
Die Starke Schule Baselland lancierte vor den Sommerferien die Initiative «Ja zu den Fächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie». Bis Ende September werden fleissig Unterschriften gesammelt. Mit der formulierten Gesetzesinitiative werden die Einzelfächer im Bildungsgesetz verankert.
Interview mit Monika Gschwind, von Saskia Olsson
Saskia Olsson: Die Bildungsdirektion strebt mit einer schleichenden Abschaffung der drei Leistungsniveaus A, E und P an den Sekundarschulen eine Einheitsschule an. In einem ersten Schritt sollen in den sieben Wahlpflichtfächern Latein, Italienisch, MINT, Musik, Bildnerisches Gestalten usw. die Niveaus aufgelöst werden. Was sagen Sie dazu?
Monica Gschwind: Ich befürworte an den Sekundarschulen die Beibehaltung der drei Leistungsniveaus in allen Promotionsfächern, also auch in den Wahlpflichtfächern. Je homogener die Klassen sind, desto effizienter können Lehrpersonen den Unterricht gestalten und damit sowohl den leistungsschwächeren als auch den leistungsstärkeren Kindern besser gerecht werden. Ich bin überzeugt davon, dass die Jugendlichen bessere Leistungen erbringen, wenn sie in einem ihnen zugeschnittenen Umfeld lernen können. Ansonsten sind Frustration und Unwillen vorprogrammiert.
Der neue Lehrplan 21 ist aber darauf ausgerichtet, in Grossklassenzimmern Schüler/-innen aller drei Niveaus gleichzeitig zu unterrichten. Lehrpersonen sollen weitgehend als Lerncoach fungieren, die bis zu sechs Fächern unterrichten und damit von vielem etwas und von wenig viel wissen. In Pratteln soll ab dem kommenden Schuljahr bereits teilweise so gearbeitet werden. Regierungsrat Urs Wüthrich und seine Chefbeamten arbeiten intensiv an dieser neuen Unterrichtsphilosophie.
Den Lehrplan 21, der weitgehend auf Kompetenzbeschreibungen basiert, lehne ich in der vorliegenden Version ab. Um eine echte Harmonisierung zu erreichen, benötigen unsere Schulen einen auf Stoffinhalt aufbauenden Lehrplan mit klaren und überprüfbaren Jahreszielen. Grossklassenzimmer, in welchem die Jugendlichen nach dem Wohlfühlprinzip selber entscheiden, was sie heute gerade lernen wollen und was nicht, mindern die Bildungsqualität. Ich lehne auch Sammelfächer ab, welche dazu führen, dass Sekundarlehrpersonen zu Generalisten werden. Jugendliche brauchen Lehrpersonen, die eine Vorbildfunktion übernehmen und motivieren können. Dazu müssen sie Spezialisten sein und die Jugendlichen mit ihrem Fachwissen überzeugen. Gerade in den MINT-Fächern sollen mehr Jugendliche gefördert werden, damit in den technischen Berufen der eigene Nachwuchs ausgebildet werden kann. Dazu braucht es eine hohe Sachkompetenz und eine grosse Überzeugungs- und Motivationskraft der Lehrpersonen.
Wie sieht aus Ihrer Sicht ein effizienter Unterricht aus?
Ich wünsche mir sowohl fachlich als auch methodisch-didaktisch fundiert ausgebildete Lehrpersonen, die motiviert sind, Kinder und Jugendliche zu fördern und einen guten Fachunterricht leisten. Dies muss wieder zur Kernaufgabe der Lehrpersonen werden. Von administrativen Aufgaben und unnötigen Sitzungen müssen sie entlastet werden. Nur motivierte Lehrpersonen leisten auch eine ausgezeichnete Arbeit. Deshalb muss unser Kanton ein attraktiver Arbeitgeber sein und den Lehrpersonen vor allem in der Unterrichtsgestaltung ein Maximum an Freiheiten überlassen.
Ein attraktiver Arbeitgeber bezahlt gute Löhne. Beabsichtigen Sie als Sparmassnahme aufgrund der unbefriedigenden Finanzlage unseres Kantons die Löhne der Lehrpersonen zu senken?
Nein, eine Senkung der Löhne kommt für mich nicht in Frage. Wir können es uns nicht erlauben, dass gute Lehrpersonen in die Privatwirtschaft abspringen, nur weil sie dort mehr verdienen. Die Lehrpersonen leisten einen anspruchsvollen Job und sie tragen eine grosse Verantwortung. Deshalb verdienen Sie eine hohe Achtung und eine gute Entlöhnung.
Sie haben in der Öffentlichkeit erwähnt, auch im Bildungsbereich sparen zu wollen. Wo beabsichtigen Sie zu sparen, wenn nicht bei den Löhnen?
Mein Sparwille begründet sich darin, dass unsere Staatsrechnung ein strukturelles Defizit ausweist und der Kanton nur unter Mithilfe aller Direktionen wieder eine ausgeglichene Rechnung vorweisen und Schulden abbauen kann. Dies ist notwendig, damit der Kanton wieder den notwendigen Handlungsspielraum erhält, um innovative und zukunftsweisende Projekte anzugehen. Auch die BKSD muss nun ihren Beitrag zur Sanierung des Haushalts erbringen.
Sparmöglichkeiten sehe ich einige, zum Beispiel in der Verwaltung oder bei Doppelspurigkeiten in der Ausbildung der angehenden Lehrpersonen. Gerade hier können Millionenbeträge eingespart werden. Nicht sparen will ich im Klassenzimmer, also überall dort, wo es ganz direkt zum Nachteil der Schüler/-innen wäre.
Erläutern Sie das bitte näher.
Angehende Lehrpersonen der Sekundarstufe 1 können ihre Fachausbildung entweder an der Universität oder an der Pädagogischen Hochschule absolvieren. Beide Bildungsstätten haben ihre Stärken und ihre Schwächen. Die Stärke der Universität ist die Fachausbildung, diejenige der Pädagogischen Hochschule die methodisch-didaktische und pädagogische Ausbildung. Meines Erachtens sollen sich beide auf ihre Stärken konzentrieren und diese ausbauen. Das heisst: Die Fachausbildung der Sek.-1-Lehrpersonen sollte vollumfänglich an der Universität erfolgen und die methodisch-didaktische Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule. An der Universität gibt es ausgezeichnete Vorlesungen, Seminarien und Übungseinheiten. Es ist nicht sinnvoll, wenn nun entsprechende Vorlesungen auch an der Pädagogischen Hochschule angeboten werden. Das Sparpotential durch den Wegfall der Doppelspurigkeiten ist beträchtlich.
Bei welcher Initiative des Komitees Starke Schule Baselland waren Sie am stärksten involviert?
Ich habe mich für die Initiative gegen die Zwangsverschiebung von Schüler/-innen bisher am stärksten engagiert. Verschiebungen zwischen einzelnen Schulhäusern machen aus planerischer und finanzieller Sicht zwar Sinn und sollen, wo möglich, genutzt werden. Es darf jedoch nicht sein, dass einzelne Schüler/-innen willkürlich ausgewählt und aus ihrem sozialen Umfeld und Freundeskreis gerissen werden und sie keine Möglichkeit haben, sich dagegen zu wehren. Ich habe jedoch festgestellt, dass es sowohl Schüler- als auch Elterngruppen gibt, die sich freiwillig einem solchen Wechsel unterziehen wollen. Eine gezielte und rechtzeitige Information aller Beteiligten erachte ich deshalb als unumgänglich, um entsprechend motivierende Wirkung auslösen zu können. Dabei sollen die betroffenen Schulleitungen und Lehrer auch auf den Support der BKSD zurückgreifen können.
Wie war Ihre Haltung in Bezug auf die Sanierung der Basellandschaftlichen Pensionskasse?
Ich habe von Anfang an die Vorlage, welche auf dem Verhandlungsergebnis zwischen den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmervertretern basierte, unterstützt. Es handelte sich um einen Kompromiss und das Eingeständnis beider Partner, die Pensionskasse wieder auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Das Respektieren solcher Verhandlungsergebnisse ist massgebend für das gegenseitige Vertrauen.
Sind Sie mit der Bildungspolitik von Regierungsrat Urs Wüthrich zufrieden?
Ich anerkenne das Engagement von Regierungsrat Urs Wüthrich; er hat durchaus auch einiges gut gemacht. Zum Beispiel in den Bereichen Sport und Erwachsenenbildung. Auch die Universität ist sehr gut aufgestellt. Unbefriedigend sind hingegen seine Leistungen im Bereich Volksschulen sowie im Umgang mit den Lehrpersonen. Die Schullandschaft ist heute eine riesige Grossbaustelle und es bedarf nun eines Kurswechsels, damit BKSD, landrätliche Bildungskommission, Lehrerschaft und alle weiteren involvierten Gremien wieder am selben Strick ziehen. Für mich ist das Hochhalten der Qualität unserer Ausbildung das Wichtigste.
Was wollen Sie als erstes angehen, wenn Sie Bildungsdirektorin werden?
Es braucht einen sofortigen Marschhalt und eine fundierte Überprüfung der eingeleiteten Reformen. Danach muss eine intensive Diskussion geführt werden, damit mehrheitsfähige Lösungen gefunden und umgesetzt werden können.