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Social Media

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Für eine gesunde Entwicklung von jungen Menschen im Zeitalter von Social Media & KI, 06.06.2026 von Lavinia Beck

Eine Interessengemeinschaft aus Eltern, Fachpersonen und weiteren Unterstützenden aus Basel-Stadt hat einen offenen Brief an den Regierungsrat Basel-Stadt verfasst. Darin wird gefordert, den Umgang mit Social Media, digitalen Geräten und KI an Schulen stärker zu regulieren und Kinder sowie Jugendliche altersgerecht zu schützen.

Im Zentrum des Anliegens stehen Fragen zur psychischen Gesundheit, sozialer Entwicklung, Medienkompetenz und zur Rolle digitaler Technologien im Schulalltag. Die Verfasserinnen und Verfasser sprechen sich unter anderem für smartphone-freie Räume, die Förderung klassischer Kulturtechniken, mehr Aufklärung über die Wirkmechanismen sozialer Medien sowie einen bewussten Umgang mit KI und Digitalisierung aus.

Der Brief richtet sich insbesondere an das Erziehungsdepartement Basel-Stadt und fordert klare Rahmenbedingungen sowie politische Verantwortung im Umgang mit digitalen Medien an Schulen.

Auszüge aus dem offenen Brief

Sehr geehrter Herr Atici
Liebe Regierungsräte

Wir wenden uns an Sie mit der Bitte und Forderung, klare Regeln im Gebrauch von social media und digitalen Tools an den Schulen in Basel-Stadt einzuführen und sich grundsätzlich für einen altersabhängigen Schutz der Kinder und Jugendlichen im Umgang mit social media einzusetzen.

Tagtäglich können wir beobachten und in unseren Familien – meist schmerzlich – erleben, welche Auswirkungen die Nutzung von digitalen Tools und der Konsum von social media bewirkt. Zusätzlich zu den Herausforderungen der normalen Entwicklungsaufgaben in der Pubertät kommt die Aufgabe einen möglichst gesunden, d.h. explizit nicht krank machenden, Umgang mit den vielfältigen (verlockenden) Möglichkeiten der Digitalität und den sozialen Medien zu finden.

Hierbei sehen wir unsere Jugendlichen den perfiden und suchtfördernden Wirkmechanismen der Apps der Technologie-Konzerne schutzlos ausgeliefert. Der soziale Druck unter den Jugendlichen ist gleichzeitig so hoch, dass es ihnen nahezu unmöglich ist, sich der Nutzung zu entziehen. Die Jugendlichen dienen somit ungefragt, unwissentlich und zum grössten Teil ahnungslos als «Versuchskaninchen» und wir Eltern schauen hilflos dabei zu, wie unsere Kinder in den Sog von verblödenden, suchtfördernden Medien geraten, während die Technologie-Konzerne unsägliche Gewinne auf Kosten der psychischen Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen generieren. Für die entstehenden individuellen und kollektiven, gesellschaftlichen Schäden werden diese Konzerne bislang allerdings nicht ausreichend in die Verantwortung genommen.

Hierbei geht es keineswegs darum, technische Entwicklungen und Möglichkeiten zu kritisieren. Es geht aber darum, die Auswirkungen dieser Apps und digitalen Instrumente kritisch im Blick zu behalten und zum Wohle der Gesellschaft, vor allem zum Wohle der Kinder und Jugendlichen, begrenzend zu steuern. Mit diesem Schreiben setzen wir uns ausdrücklich für eine gesunde Kindheit und Entwicklung von Jugendlichen ein und nicht gegen Technologien und gesellschaftlichen Fortschritt. Mit der verstärkten Verbreitung und Nutzung von social Media ist in sehr vielen Familien ganz offensichtlich ein Verlust an Kommunikation und sozialer Interaktion, an Empathie und sozialem Miteinander wahrnehmbar. Und dies bleibt nicht ohne Auswirkung auf die ganze Gesellschaft. Neben der psychischen Gesundheit und Entwicklung der Heranwachsenden sehen wir auch die zukünftige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, das soziale Miteinander und das kritische Denken als Grundpfeiler der Demokratiefähigkeit gefährdet.

Aus diesem Grund bitten wir Sie, zum Schutz der Kinder und Jugendlichen einen klaren Rahmen mit Regeln, Geboten und Verboten an den Schulen zu definieren.

Zugleich fordern wir Sie als politisch Verantwortliche auf, die Einflussnahme der Technologie-Konzerne im Sinne des Gemeinwohls und einer demokratiefähigen, gerechten Gesellschaft zu beschränken.
[…]

Unterschreiben Sie den Offenen Brief

Wenn Sie das Anliegen unterstützen möchten, können Sie den offenen Brief mit Ihrer Unterschrift unterstützen. Die unterzeichneten Rückmeldungen sollen bis zum 26.06.2026 an Christina Bronowski oder Alexander Reder zurückgesendet werden. Unterstützungen sind auch aus Nachbarkantonen möglich. Folgend finden Sie den Link zum vollständigen Text des offenen Briefes sowie zum Unterschriftenblatt. Klicken Sie dafür hier.

Umgang mit pornografischen Inhalten auf Schulgeräten, 13.05.2026 von Lena Bubendorf

Ende April stiessen zahlreiche Kinder an einer Basler Primarschule bei der Internetrecherche mit ihren Schul-Tablets auf pornografische Inhalte. Normalerweise können solche Inhalte durch einen Filter nicht auf die Geräte der Schüler/-innen gelangen. Jedoch gab es an der Schule ein technisches Problem, welches zur Folge hatte, dass die Inhaltsfilter rund eineinhalb Tage nicht im Einsatz waren. Dies ist zwar ein Einzelfall, dennoch ist es angesichts der gängigen und frühen Nutzung digitaler Geräte wichtig, bereits im jungen Alter über den Umgang mit pornografischen Inhalten aufzuklären, zumal ein hundertprozentiger Schutz nicht möglich ist.

Im Fall der Basler Primarschule wurde das Thema sofort innerhalb der Klasse aufgearbeitet und sowohl Eltern als auch die Schulsozialarbeit miteinbezogen. Einerseits ist es natürlich die Verantwortung der Schulen, solche Vorfälle zu verhindern und Kinder und Jugendliche vor problematischen Inhalten zu schützen.

Jedes fünfte Kind zwischen 12 und 13 Jahren hat bereits einen Pornofilm angeschaut

Andererseits stellt sich auch ausserhalb der Schule bei den Erziehungsberechtigten die Frage nach dem geeigneten und altersgerechten Umgang mit den expliziten Inhalten ihrer Kinder. Eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften bestätigt, dass 19% der befragten 12- bis 13-Jährigen bereits einen Pornofilm angeschaut haben. Fast jedes fünfte Kind hatte also schon Berührungspunkte mit pornografischen Inhalten. Diese können neugierig machen oder faszinieren, aber auch verstörend sein oder falsche Vorstellungen und Erwartungen auslösen. Konkret bedeutet das beispielsweise Unsicherheiten bezüglich Beziehungen, Körperbildern oder Sexualität.

Folglich ist es unabdingbar, dass Kinder und Jugendliche, sobald sie in Kontakt mit digitalen Geräten und dem Internet kommen, über problematische Inhalte aufgeklärt werden. Ein offener Dialog sollte helfen, die Risiken von pornografischen Inhalten aufzuzeigen und das Thema zu enttabuisieren, um vielleicht auch den Reiz davon zu mindern. Ausserdem können Eltern technische Schutzmassnahmen auf den Geräten einrichten, welche von den Kindern genutzt werden.

Die Frage nach der Verantwortung

Dennoch sollte auch die Rolle der Plattformen hinterfragt werden und diese in die Verantwortung gezogen werden. Analog dazu, wie es bei der Social-Media-Debatte immer wieder thematisiert wird, sollten auch Anbieter von pornografischen Websites eine wesentliche Verantwortung für den Kinder- und Jugendschutz haben und verpflichtet werden, dieser Verantwortung nachhaltig und datenschutzkonform nachzugehen.

Schlussendlich kann nur durch das Zusammenspiel von Schule, Elternhaus und Plattformbetreibenden ein sicherer und verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien gewährleistet werden.

Miteinander sprechen statt scrollen, 05.05.2026 von Rahel Amacker (Co-Präsidentin Die Junge Mitte BL)

Smartphones & Co. sind aus dem (Schul)alltag nicht mehr wegzudenken. Doch ihre permanente Nutzung bringt Herausforderungen mit sich: Ablenkung, Reizüberflutung und weniger persönlicher Austausch. Die Junge Mitte Basel-Landschaft will das ändern. Mit ihrer Initiative «Handyverbot an Schulen» setzt sie sich für bessere Lernbedingungen und echte soziale Interaktion ein. Ziel ist eine Schule, die wieder stärker als Lern-, Erholungs- und Sozialraum funktioniert.

Unterricht lebt von Aufmerksamkeit und aktiver Beteiligung. Doch Smartphones sorgen durch Nachrichten, soziale Medien oder Games für ständige Unterbrechungen. Mit der von der Jungen Mitte Basel-Landschaft lancierten Initiative sollen klare und einheitliche Regeln im ganzen Kanton eingeführt und die Schulen im Alltag entlastet werden. Die Nutzung privater elektronischer Geräte wird für Schülerinnen und Schüler der Primarstufe und der Sekundarstufe I während der Unterrichtszeit, einschliesslich der Pausen, auf dem Schulareal und bei schulischen Anlässen grundsätzlich untersagt. So können Schülerinnen und Schüler wieder in einem Umfeld lernen, das Konzentration ermöglicht und den Lernerfolg stärkt.

Mehr Raum für Begegnung

Pausen sind zentral für die soziale Entwicklung. Kinder und Jugendliche lernen dort zu kommunizieren, Konflikte zu lösen und Freundschaften zu pflegen. Wenn jedoch Bildschirme dominieren, gehen diese wichtigen Erfahrungen verloren. Ein Verbot schafft Raum für echte Begegnung, Bewegung, Spiel und Spass. Eine klar definierte handyfreie Zeit im Alltag kann zudem helfen, Stress, Überforderung und Konzentrationsprobleme zu reduzieren, die durch ständige Erreichbarkeit, das Vergleichen in den sozialen Medien und hohe Bildschirmzeiten entstehen.

Klare Regeln mit Augenmass

Die Initiative setzt auf klare und einheitliche Vorgaben im ganzen Kanton. Das schafft Orientierung für Lehrpersonen, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler. Gleichzeitig bleibt genügend Flexibilität: Lehrpersonen können den Einsatz digitaler Geräte im Unterricht erlauben, wenn er pädagogisch sinnvoll ist. Auch persönliche Gründe, etwa gesundheitliche Aspekte oder Notfälle, werden berücksichtigt. So verbindet die Initiative klare Leitplanken mit pragmatischen Ausnahmen.

Damit schafft die Initiative die Grundlage für einen Schulalltag, der Lernen, Erholung und gemeinsames Erleben wieder stärker in den Mittelpunkt stellt.

Wegweisendes Gerichtsurteil bezüglich Jugendschutz auf Social Media in den USA, 27.04.2026 von Lena Bubendorf

Die beiden Tech-Konzerne «Alphabet» und «Meta», die unter anderem über Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok und Snapchat verfügen, wurden vor einem US-amerikanischen Gericht in erster Instanz schuldig gesprochen. Den beiden Unternehmen wird vorgeworfen, ihre Plattformen so aufgebaut zu haben, dass sie süchtig machen.

Nur wenige Tage zuvor wurde Meta ausserdem wegen mangelnden Kinderschutzes verurteilt. Diese Gerichtsurteile sind wegweisend, denn nie zuvor mussten Tech-Konzerne Verantwortung für Schäden bei Kindern und Jugendlichen tragen. Die Klagenden argumentieren mit dem Aufbau der Plattformen. Diese seien so gestaltet, dass Jugendliche in einen Sog geraten, aus dem sie nicht mehr ausbrechen können und folglich eine Sucht entstehe.

Aufgrund des Gerichtsprozesses mussten ebenfalls Dokumente, Präsentationen und Mailverkehr veröffentlicht werden. Diese belegen, dass den Firmen die schädlichen Wirkungen ihres Produktdesigns bewusst war. Wenig überraschend ist, dass den Grosskonzernen der Profit wichtiger als der Kinder- und Jugendschutz ist.

Ob und was sich nun an den Plattformen ändern wird, ist noch unklar, denn sowohl Meta als auch Alphabet legen Berufung gegen das Urteil ein. Denkbare und sinnvolle Massnahmen, um den Kinder- und Jugendschutz in den sozialen Medien zu erhöhen, wären beispielsweise eine konsequente Altersüberprüfung (und -grenze), Elternkontrollen, die sich nicht umgehen lassen sowie bessere Filter, die unangemessene, verstörende, belastende und nicht altersgerechte Inhalte entfernen.

[Quelle: NZZ vom 27.04.2026, Seite 17]

Altersverifizierungsapp für Social Media, 26.04.2026 von Charlotte Höhmann

Die EU-Kommission hat nach langer Diskussion entschieden, dass Kinder und Jugendliche sich künftig auf Social Media Plattformen nicht mehr frei bewegen dürfen. Eine Altersbegrenzung soll nun verhindern, dass Jugendliche und vor allem Kinder sich schon früh auf Facebook, Instagram oder Tiktok aufhalten. Das Problem bisher war allerdings: Wie kann man sicherstellen, dass die Nutzer die Alterslimiten erfüllen, ohne wertvolle Daten von sich preiszugeben? Die Lösung soll eine Verifizierungsapp sein, die das Alter des Nutzers via Personalausweis überprüft und ein Zertifikat generiert, welches das Alter bestätigt. Die Social Media App erhält dadurch keinen Zugriff auf die Daten des Personalausweises.

Gemäss dem Gesetz der digitalen Dienste in der EU, sind die sozialen Netze dazu verpflichtet, «geeignete und verhältnismässige Massnahmen» für den Schutz von Jugendlichen zu treffen. Laut der EU-Kommission haben Facebook, Instagram und Tiktok diese Anforderung noch nicht oder nur mangelhaft erfüllt. Diese teilen mit, dass keine Mittel zur Verfügung stehen, um das Alter der Nutzer verlässlich zu prüfen. Für die EU ist klar, diese Ausrede lassen sie nicht mehr durchgehen. Künftig müssen die sozialen Medien entweder die vorgeschlagene App oder eine gleichwertige Verifizierungsplattform einführen.

Mindestens sieben der Mitgliedsländer der EU stimmen der Stellung zu und planen, die App in den kommenden Wochen einzuführen. Allerdings ist die Frage noch offen, welche Altersgrenze angemessen ist. Aufgrund dieser Diskussion hat die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine Expertengruppe zusammengesetzt, welche bis zum Sommer einen Vorschlag ausarbeiten soll.

Kritiker bemängeln, dass die EU die süchtig machenden Designs der Plattformen nicht anpassen will, sondern nur von den Nutzern verlangt, sich auszuweisen. Betroffen von diesen Suchtmitteln sind nicht ausschliesslich Jugendliche, sondern auch viele Erwachsene.

Die SSbB befürwortet eine Altersverifizierungsapp als Beitrag zum Schutz der Jugendlichen.

Kräftiger Wandel digitaler Bildung in Schweden, 25.04.2026, von Charlotte Bally

Schweden gilt als einer der Vorreiter der Digitalisierung an Schulen und war auch das erste Land, das die 1:1-Ausstattung einführte; also ein Konzept, bei dem jedes Schulkind ein eigenes digitales Gerät für den Unterricht erhält. Bereits ab 2007 begannen die Schulen ihre Schülerinnen und Schüler mit Tablets oder Computern auszurüsten. Ab 2019 wurde die Nutzung solcher Geräte für alle Schulen verpflichtend. Inzwischen ist ein deutliches Umdenken zu beobachten. Schweden rudert in der Digitalisierung kräftig zurück, da die damit verbundenen Nachteile zunehmend sichtbar wurden.

Nach einigen wissenschaftlichen Studien und internationalen Tests erkannte die Regierung die grossen Nachteile der Digitalisierung: Tablets und Computer bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Ablenkung. Social-Media, chatten oder Gaming erscheinen plötzlich interessanter als der Unterricht. Zudem wurde festgestellt, dass sich eine hohe Bildschirmzeit negativ auf die Schulleistungen auswirkt, insbesondere in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Das Vokabular der Kinder ist oft eingeschränkt und auch ihr Leseverständnis fällt geringer aus. Ausserdem beeinträchtigt die starke Digitalisierung des Unterrichts die sozialen Kompetenzen eines Kindes, da sowohl die Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülerin und Schüler als auch der Austausch unter den Schülerinnen und Schüler eingeschränkt wird.

All diese Gründe führten zu einer Reduzierung digitaler Lehrmittel an schwedischen Schulen. Vor drei Jahren kündigte die schwedische Bildungsministerin Lotta Edholm an, die Digitalisierung im Schulwesen zurückzufahren und stattdessen drei Millionen Kronen in Bücher und Bibliotheken zu investieren. Im vergangenen Sommer wurden diese Massnahmen nochmals verschärft, indem der Einsatz von Tablets und Computern noch stärker eingeschränkt wurde. Bis 2028 soll ein neuer Lehrplan erarbeitet werden, der diese neue Entwicklung weiter vorantreibt.

Digitalisierung im Schulwesen: Ein Kurswechsel in vielen Ländern

Auch in anderen Ländern ist ein ähnlicher Wandel im Bildungssystem zu beobachten. In Dänemark sowie Australien wird zurzeit intensiv über ein generelles Handyverbot an Schulen diskutiert. Gleichzeitig arbeitet Dänemark daran, den Einsatz digitaler Lehrmittel gezielter zu steuern und einzuschränken.

Diese Entwicklungen zeigen einen klaren Trend: In vielen stark digitalisierten Schulsystemen findet ein Umdenken statt. Selbst in Norwegen wird die Digitalisierung im Schulalltag immer stärker diskutiert und kritisiert, konkrete Massnahmen bestehen dagegen noch nicht. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die skandinavischen Länder zu den Vorreitern der Digitalisierung gehörten und nun auch zu den Ersten zählen, welche den Umfang wieder reduzieren wollen.

Warum die Kritik der Tech-Branche wenig überzeugt

Das Zurückfahren der Digitalisierung stösst bei Tech-Unternehmen und Wirtschaftsverbänden auf wenig Zustimmung. Ihre Begründung überzeugt jedoch wenig: Kinder würden ohne digitale Geräte nicht ausreichend auf zukünftige Berufe vorbereitet, was langfristig der Wirtschaft schadet. Allerdings verfolgen solche Konzerne häufig eigene wirtschaftliche Interessen. Digitale Lernplattformen und Software stellt einen wachsenden Markt dar. Viele dieser Technologien sind gezielt so gestaltet, dass sie mithilfe angepasster Algorithmen eine hohe Nutzungsdauer fördern.

Fazit / Stand in der Schweiz

Nun gilt es genau zu beobachten, wie sich diese Massnahmen für eine Verminderung der Digitalisierung an Schulen in diesen Ländern auf die Schülerinnen und Schüler, deren Lernverhalten und Leistung auswirkt. Auch in der Schweiz wird die Digitalisierung im Schulwesen weiterhin vorangetrieben, jedoch zunehmend differenzierter betrachtet. Viele Kantone setzen auf eine Kombination aus digitalen und analogen Lernformen, anstatt ausschliesslich auf Geräte zu setzen. Während digitale Kompetenzen weiterhin als wichtig gelten, wächst auch hier die Sensibilität für mögliche Nachteile wie Ablenkung oder übermässige Bildschirmzeit.  

KI-Deepfakes und Fake News, 16.03.2026 von Lena Bubendorf

Vor allem in den Sozialen Medien sind sogenannte Deepfakes (manipulierte Videos und Bilder) oder generell Fake News einfach zu verbreiten, generieren Aufmerksamkeit und Klicks und verbreiten falsche Informationen. Die Videos oder Bilder lassen sich nur schwer mit realen Geschehnissen auseinanderhalten. Häufig wird damit auch Angst oder Wut bei den Konsumentinnen und Konsumenten geschürt. Umso wichtiger ist die Fähigkeit, Fake News zu erkennen und das Wissen, nicht alles blind zu glauben, was auf entsprechenden Seiten publiziert wird.

Fake News werden aus unterschiedlichen Gründen verbreitet: Aufmerksamkeit generieren, Geld verdienen, anderen Schaden zufügen oder Meinungen manipulieren. Besonders davon betroffen sind meistens ältere oder sehr junge Menschen, die über wenig Medienkompetenz verfügen. Deshalb ist es unabdingbar, dass Schüler/-innen sensibilisiert werden, sobald sie in Kontakt mit Medien und digitalen Geräten kommen.

Seit einiger Zeit gibt es nicht nur Zahlen oder Zitate, die aus dem Zusammenhang gerissen und damit die Aussagen verfälscht werden, sondern auch Videos mit gefälschten Nachrichtenbilder, die im Netz kursieren. SRF hat kürzlich einen Artikel publiziert mit Beispielen, Erklärungen und Tipps, um solche generierten Deepfakes selbst zu erkennen.

Demnach gibt es verschiedene Anhaltspunkte, auf welche die Leser/-innen achten sollten:

  • Kontinuität: Oftmals hat die KI Probleme, in Videos alles kontinuierlich zu gestalten. So verschwinden manchmal Gegenstände oder Personen im Nichts
  • Menschenmengen: In Menschenmengen soll genau auf Gesichter und Hände geschaut werden. Oft laufen diese nicht real ineinander oder sind verzerrt
  • Orte: Videos oder Bilder von nicht weltbekannten Orten sind genau zu betrachten, KI generiert gerne Bilder mit Gebäuden aus verschiedenen Orten.
  • Beschriftungen: Verwendung von unrealen Buchstabenformen oder Fantasiewörtern
  • Ungenaue Details: Grundsätzlich wirkt das Gesamtbild immer sehr echt, aber genaue Details sind selten

Bewegt man sich im Internet, ist es unabdingbar, Nachrichten und Informationen stets zu hinterfragen und auf Richtigkeit zu prüfen, zumal KI immer besser wird. Die KI-Betreiber/-innen tüfteln laufend an Verbesserungen, sodass Fake News immer schwieriger zu erkennen sind. Die Starke Schule beider Basel (SSbB) erachtet es als Aufgabe der Schulen, Kinder und Jugendliche aufzuklären und die Fähigkeit des Hinterfragens und wahrheitsgetreuen Recherchierens zu fördern.

Algorithmen unter Anklage, 15.02.2026 von Charlotte Höhmann

In den USA verklagen betroffene Familien grosse Social-Media-Konzerne, weil deren Algorithmen Kinder und Jugendliche krank machen sollen. Es stehen nicht einzelne Inhalte, sondern die Wirkung der Plattformen auf Jugendliche im Zentrum. Die Debatte ist hochpolitisch und betrifft auch unsere Schulen direkt. Denn was online geschieht, wirkt täglich in die Klassenzimmer hinein. Die Frage lautet nicht mehr, ob digitale Plattformen Verantwortung tragen sollen, sondern wie die Politik unsere Kinder wirksam schützen kann.

Der Anwalt Matthew Bergman vertritt in den USA mehrere hundert bis über tausend Familien, deren Kinder unter schweren psychischen Belastungen leiden. Im Zentrum der Klagen stehen die algorithmischen Empfehlungssysteme von Plattformen wie Instagram oder TikTok. Der Vorwurf: Sie sollen Jugendliche in problematische Inhalte hineinziehen, im Wissen, dass Jugendliche, die in einer labilen Lebensphase sind, sich nur schwer dagegen wehren können und so die Verwundbarkeit der jungen Menschen ausnutzen.

Neu ist vor allem, dass nicht mehr nur über problematische Inhalte diskutiert wird, sondern über die Wirkung der Plattformen. Die Algorithmen entscheiden massgebend, was Jugendliche sehen und in welche thematischen Richtungen sie gelenkt werden. Genau dieses System steht nun politisch und juristisch unter Druck.

Ein politischer Wendepunkt im Umgang mit Social Media

Die Klagen markieren einen möglichen Wendepunkt. Erstmals wird ernsthaft geprüft, ob Plattformen für die gesundheitlichen Folgen ihrer Produkte haften müssen, auch wenn entsprechende Urteile bislang noch ausstehen. Dabei geht es nicht um Zensur, sondern um Verantwortung für ein Geschäftsmodell, das auf maximale Aufmerksamkeit ausgerichtet ist.

Für die Starke Schule beider Basel (SSbB) ist klar: Der Schutz von Schüler/-innen vor schädlichen digitalen Strukturen ist eine politische Aufgabe. Es reicht nicht, wenn Verantwortung allein auf Eltern und Schulen abgeschoben wird. Plattformbetreiber müssen in die Pflicht genommen werden. Die Politik muss verbindliche Regeln und schützende Gesetze schaffen.

Auswirkungen auf den Schulalltag

Schulen erleben die möglichen Folgen problematischer Nutzung täglich. Lehrpersonen berichten von Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Konflikten, Cybermobbing und wachsendem Leistungsdruck (siehe Umfrage der SSbB). Zeit, Fachstellen und Ressourcen fehlen, um Schüler/-innen wirksam zu begleiten und zu schützen.

Die SSbB setzt sich dafür ein, dass der Schutz von Schüler/-innen im digitalen Raum zu einem festen Bestandteil der Bildungspolitik wird. Kinder brauchen sichere Lern- und Lebensräume, sowohl online als auch offline.

Lehrpersonen befürworten Altersgreze für Social Media, 12.02.2026 von Lena Bubendorf

An der breit angelegten Umfrage der Starken Schule beider Basel (SSbB) zum Thema Social Media und Altersgrenzen bei Kindern und Jugendlichen haben insgesamt rund 851 Lehrpersonen, Schulleiter/-innen, Eltern und Bildungsinteressierte teilgenommen (davon 80,5% Lehrpersonen). Die Ergebnisse fallen deutlich aus: Social Media hat im Schulzimmer negative Konsequenzen, eine Altersgrenze für die Nutzung wird von 95% unterstützt.

Negative Folgen im Unterricht

Besonders brisant ist die Beobachtung der Lehrpersonen, dass in ihren Klassen negative Auswirkungen durch exzessive Social-Media-Nutzung spürbar sind. Darunter gehören beispielsweise Schlafmangel, Ablenkung und Konflikte. Über 86% der befragten Lehrpersonen geben an, solche Auswirkungen mindestens gelegentlich zu beobachten, fast die Hälfte sogar häufig. (siehe Grafik)

Viele Lehrpersonen berichten im offenen Antwortfeld von geringerer Lernausdauer, mangelnder Fähigkeit, Dinge zu merken, und dem Wunsch der Schüler/-innen nach «Short-Content»-Didaktik. Lerninhalte sollen möglichst kurz und kompakt vermittelt werden, ähnlich wie beispielsweise Instagram-Reels. Die verkürzte Aufmerksamkeitsspanne mache sich bemerkbar. Ebenso befänden sich viele Schüler/-innen in einer Scheinwelt: Es würde nur noch über Games und Influencer gesprochen, während Bewegung und echte Gespräche abnehmen würden. Schüler/-innen, die von zu Hause aus ein Verbot hätten oder noch kein Handy besitzen, würden teilweise ausgeschlossen oder sogar gemobbt.

Eine Lehrperson formuliert pointiert: „Ich sehe eine direkte Korrelation zwischen dem Konsum von Social Media und der Aufmerksamkeitsspanne der SuS. Sie schaffen es nicht einmal mehr, ein Lernvideo von 10 Minuten zu schauen, weil sie sich Reels und Shorts von ca. 15 Sekunden tagtäglich reinziehen.“
Dass die Konzentration und Mitarbeit der Schüler/-innen durch ein Social-Media-Verbot besser würde, bestätigt mehr als die Hälfte der teilnehmenden deutlich und rund ein Drittel antwortet mit eher Ja. (siehe Grafik)

Lehrpersonen mit langjähriger Berufserfahrung berichten von spürbaren Veränderungen in den letzten 10-15 Jahren. Der Disziplinaraufwand steige, Prävention beanspruche immer mehr Zeit und die Belastbarkeit der Schüler/-innen nehme ab.

Suchtmittel Social Media

Insgesamt wird die Einführung von Altersgrenzen für die Nutzung sozialer Medien von rund 96% der Umfrageteilnehmenden befürwortet. Dabei sprechen sich drei Viertel der Befragten klar für eine gesetzliche Altersgrenze aus, weitere knapp 20% eher dafür. Die Ablehnung ist insgesamt mit 4.1% sehr gering. (siehe Grafik)

Gemäss den formulierten Texten im offenen Antwortfeld zeigen sich mehrere Argumentationsstränge: Sehr häufig wurde Social Media mit anderen Suchtmitteln wie Alkohol, Nikotin oder Glücksspiel verglichen. Zahlreiche Teilnehmende betonten, dass Kinder und Jugendliche davor gezielt durch eine Alterseinschränkung geschützt werden müssten. Studien würden darauf hinweisen, dass der Konsum von sozialen Medien zur Dopaminausschüttung im Gehirn führe und das Belohnungssystem aktiviere. Dazu eine Lehrperson: „Die Plattformen stimulieren das Gehirn mit Reizen, die das Belohnungssystem triggern, sodass es zur kurzzeitigen Dopaminausschüttung kommt – das fördert Suchtabhängigkeit und beeinträchtigt die Konzentration im Unterricht.“ Das Suchtpotenzial sei erheblich.

Mehrere Fachpersonen betonten zudem, dass beispielsweise die ADHS-Problematik verstärkt, Reizüberflutung begünstigt und die sensomotorische Entwicklung beeinträchtigt würden.

Deutliche Mehrheit befürwortet Altersgrenze zwischen 14 und 16 Jahren

Bezüglich der Altersgrenze ist fast die Hälfte der Umfrageteilnehmenden für eine Altersgrenze von 16 Jahren. Mehr als ein weiterer Drittel spricht sich für eine Altersgrenze von 14 oder 15 Jahren aus. Insgesamt befürwortet damit eine sehr deutliche Mehrheit eine Altersgrenze im Bereich zwischen 14 und 16 Jahren. (siehe Grafik)

Besonders oft wurden im offenen Antwortfeld die Themen psychische Gesundheit und Selbstwert genannt. Soziale Medien würden (nicht nur) bei jungen Menschen unrealistische Schönheitsideale fördern, es herrsche ein ständiger Vergleich. Häufige schwerwiegende Folgen davon seien Selbstzweifel, Depressionen und Essstörungen. Eine Lehrperson bringt es auf den Punkt: „Der Selbstwert sollte vor der Konfrontation mit Social Media entwickelt sein, die Gehirnfunktionen ausgereift(er), die Medienkompetenz gefestigt sein.“ Eine Altersgrenze solle dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche zunächst einen stabilen Selbstwert entwickeln und über Risiken sowie einen verantwortungsvollen Umgang aufgeklärt werden.

Teilnehmende, welche Altersgrenzen ablehnen oder kritischer dazu stehen, warnen hingegen vor «Überregulierung», «moralischer Panik» und «einseitiger Schuldzuweisung». Die Gesellschaft befände sich nun in einer Übergangsphase, in der es wichtig sei, lösungsorientiert zusammenzuarbeiten, statt Verantwortung abzuschieben. Eine vollständige Isolation von der digitalen Realität könne ebenfalls Nachteile bringen. Zudem würden Verbote auch den Anreiz schaffen, diese zu umgehen. Altersgrenzen allein würden das Problem nicht lösen.

Die Frage der Verantwortung

Wird eine Altersgrenze eingeführt, stellt sich die Frage nach der Verantwortung für deren Einhaltung. Fast die Hälfte der Teilnehmenden sieht diese primär bei den Plattformbetreibern. (siehe Grafik)

Der Staat könne zwar, wie mehrfach erwähnt wurde, gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen und eine technische Altersverifikation einführen. Die Verantwortung für die Einhaltung der Altersgrenzen müsse aber bei den Plattformbetreibern bleiben, auch wenn diese sich vehement dagegen wehren.

Mehrere Teilnehmende weisen darauf hin, dass Eltern die Einhaltung nicht sicherstellen könnten und damit schlichtweg überfordert seien. Zudem würden viele selbst keinen reflektierten Umgang mit Social Media pflegen. Trotzdem läge eine grosse Verantwortung bei den Eltern.

Schulen und Lehrpersonen würden betreffend der Thematisierung von Social Media mehr Unterstützung benötigen, denn es gäbe eine deutliche Ambivalenz: Einerseits würden handyfreie Schulen gefordert und Kritik an «Bring your own device» ausgeübt, da dadurch viel zu viel Bildschirmzeit generiert und analoge Lehrmittel immer weniger genutzt würden. Andererseits gehöre Medienkompetenz in den Lehrplan und die Aufklärung über Fake News, KI und soziale Medien sei unverzichtbar. Die Schule als Mittel für Sensibilisierung und Aufklärung zu nutzen, würde am meisten Sinn machen, da damit alle Kinder erreicht werden könnten und der Zeitpunkt der Aufklärung geregelt wäre. Nicht überraschend ist deshalb die klare Forderung von 45.7% und weitere Unterstützung von 31.5% der Teilnehmenden, dass Social Media ein Teil des Lehrplans sein soll. (siehe Grafik)

Oder wie es eine Lehrperson kurz und bündig ausdrückt: „Die Verantwortung trägt die gesamte Menschheit: Plattformbetreiber, Eltern und staatliche Stellen.“

Stellungnahmen

259 Umfrageteilnehmende nutzten die Möglichkeit, ein kurzes Statement, ein Argument oder eine Einschätzung zum Thema Social Media und Altersgrenzen aufzuschreiben. Klicken Sie hier, um einige ausgewählte Stellungnahmen lesen zu können.

Fazit

Die Auswertung der Fragen sowie der offenen Stellungnahmen zeigt ein deutliches Bild: Die überwiegende Mehrheit erlebt Social Media als entwicklungshemmend und suchtfördernd und spricht sich für eine Altersgrenze aus. Gleichzeitig bleibt offen, wie diese konkret umgesetzt und kontrolliert werden soll. Psychische Belastungen werden stark mit Sozialen Medien verknüpft. Die Forderung nach besserer Aufklärung und Sensibilisierung ist zentral. Die Debatte ist emotional aufgeladen und von Unsicherheit, aber auch einem beachtenswerten Schutzgedanken geprägt.

Position der Starken Schule beider Basel (SSbB)

Die SSbB setzt sich für eine leistungsorientierte und chancengerechte Volksschule sowie für die Stärkung der grundlegenden Fächer Deutsch und Mathematik und der Fremdsprachen ein. Aus Sicht der SSbB führt eine zu frühe und umfassende Digitalisierung nicht automatisch zu besserem Lernen, sondern kann die Konzentration, die Lernprozesse und die soziale Entwicklung beeinträchtigen. Deshalb befürwortet die SSbB eine klare Altersbegrenzung für Social Media sowie insgesamt weniger Digitalisierung im Unterricht, insbesondere auf der Primarstufe, zugunsten bewährter analoger Lernmittel. Wiederrum gilt es am Ende der Primarstufe die Kinder langsam an digitale Geräte und den Umgang damit, inklusive Aufklärung über Fake News, Soziale Medien etc. heranzuführen. Nur so kann ein gesunder Umgang gefördert, Kinder geschützt aber auch auf das spätere Leben vorbereitet werden.

Spanien verschärft Kurs gegen Social Media, 07.02.2026 von Jürg Wiedemann

Spanien will soziale Medien für Kinder unter 16-Jahren verbieten. Damit reiht sich ein weiteres europäisches Land in eine wachsende internationale Bewegung ein. Auch in der Schweiz und besonders im Bildungsraum Baselland wird die Diskussion immer dringlicher. Die Starke Schule beider Basel fordert seit längerem klare Regeln für Plattformen und einen wirksamen Schutz von Schüler/-innen. Jetzt ist der Moment gekommen, die politische Debatte auch bei uns zu beschleunigen.

Spanien hat angekündigt, den Zugang zu sozialen Netzwerken für unter 16-Jährige gesetzlich zu verbieten. Gleichzeitig sollen Plattformen stärker kontrolliert und deren Betreiber in die Verantwortung genommen werden.

Auch in anderen Ländern werden zurzeit weitreichende Einschränkungen für Kinder und Jugendliche vorbereitet oder bereits politisch beschlossen. In Grossbritannien hat das Oberhaus einem Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige zugestimmt, die Regierung will jedoch vorerst weitere Abklärungen vornehmen. In Frankreich wurde in erster Lesung ein Gesetz verabschiedet, das soziale Netzwerke für unter 15-Jährige verbieten soll und eine verpflichtende Alterskontrolle vorsieht. Dänemark plant eine Altersgrenze von 15 Jahren. Falls die Eltern zustimmen, können Jugendliche ab 13 Jahren Zugang zu Social-Media erhalten. In Italien wird ebenfalls über eine Altersgrenze von 15 Jahren diskutiert, während Kinder unter 14 Jahren bereits heute die Zustimmung der Eltern benötigen. Auch in Deutschland fordern politische Parteien ein Verbot für unter 16-Jährige. Auf europäischer Ebene wird zusätzlich über strengere Vorgaben für Plattformen, Alterskontrollen und eine stärkere Regulierung von Algorithmen diskutiert. International zeichnet sich damit klar ab, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen gegenüber den Geschäftsinteressen der Plattformen gewinnt.

Heftige Reaktionen zeigen die Interessenlage

Dass es bei diesem Thema um sehr viel Geld und Macht geht, zeigen die Reaktionen aus den USA besonders deutlich. Elon Musk, Eigentümer der Plattform X, beschimpfte den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez öffentlich als Tyrannen und Verräter und griff ihn persönlich an, statt sich inhaltlich mit dem Schutz von Kindern auseinanderzusetzen. Diese Ausfälle machen deutlich, wie wichtig die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen und wie wenig Bereitschaft vorhanden ist, Verantwortung für die Folgen der eigenen Plattformen zu übernehmen.

Auch der US-Präsident Donald Trump stellte sich offen gegen strengere europäische Digitalgesetze. Er kritisierte die geplanten europäischen Einschränkungen für die grossen Technologieunternehmen und drohte wiederholt mit wirtschaftlichen Gegenmassnahmen, um deren Interessen zu wahren. Der Schutz von Jugendlichen spielt dabei kaum eine Rolle; auf der Prioritätenliste stehen eindeutig die wirtschaftlichen Interessen der amerikanischen Tech-Konzerne zuoberst.

„KI-generiertes Bild, das symbolisch die kritische Reaktion der USA auf Social-Media-Regulierungen darstellt.“

Warum Baselland jetzt handeln muss

Im Bildungsraum Basel-Stadt und Baselland erleben wir täglich, wie stark soziale Medien den Schulalltag prägen. Konzentrationsprobleme, Schlafmangel, sozialer Druck, Cybermobbing und digitale Konflikte belasten viele Schüler/-innen und binden zunehmend Ressourcen in den Schulen.

Besonders im Kanton Basel-Landschaft braucht es jetzt eine klare politische Haltung. Baselland soll sich aktiv und sichtbar in die nationale Diskussion einbringen und den Schutz von Kindern und Jugendlichen vorantreiben. Gleichzeitig ist auch Basel-Stadt in der Verantwortung, diesen Weg mitzugehen. Ein weiteres Zuwarten auf internationale oder rein freiwillige Lösungen der Plattformen genügt nicht. Der Bildungsraum beider Basel braucht verbindliche Leitplanken.

Unsere bildungspolitische Haltung als SSbB

Die Starke Schule beider Basel setzt sich seit Jahren für klare und verbindliche Regeln im Umgang mit sozialen Medien ein. Wir befürworten eine gesetzliche Altersgrenze für soziale Netzwerke, wirksame Alterskontrollen, eine Regulierung der Algorithmen und eine klare Verantwortung der Plattformbetreiber für schädliche Inhalte.

Medienbildung bleibt wichtig. Sie kann jedoch keinen rechtlichen Schutz ersetzen. Kinder dürfen nicht den Mechanismen von Aufmerksamkeitsökonomie, Suchtstrategien und kommerziellen Interessen ausgeliefert sein. Bildungspolitik muss den Mut haben, Grenzen zu setzen und den Schutz der Schüler/-innen über wirtschaftliche Interessen zu stellen.

Frankreich verbietet TikTok & Co. für Kinder, 29.01.2026 von Charlotte Höhmann

Frankreich erlässt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat sind in der Verantwortung und müssen die Einhaltung des neuen Gesetzes sicherstellen, das voraussichtlich mit Beginn des Schuljahres im September 2026 in Kraft tritt. Frankreich führt damit die bisher strengste Regelung in westlichen Ländern ein. Zusätzlich wird ein striktes Handyverbot an den Schulen umgesetzt.

Die Nationalversammlung verabschiedete den Gesetzesentwurf mit überwältigender Mehrheit. Der Senat muss noch zustimmen, kann den Entscheid aber praktisch nicht mehr blockieren. Plattformen sollen technische Altersüberprüfungen einführen, bestehende Konten von unter 15-Jährigen könnten bis Ende 2026 deaktiviert werden. Dienste wie WhatsApp, E-Mail und Lernplattformen bleiben weiterhin nutzbar. Präsident Macron begründet das Gesetz mit dem Schutz von Kindern vor psychischen Problemen, Manipulation durch Inhalte und den negativen Effekten übermässiger Social-Media-Nutzung, darunter Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und Suchtverhalten. Expertinnen und Experten betonen, dass ein Verbot nur wirksam ist, wenn Schulen, Eltern und Behörden die Regeln begleiten und alternative Treffpunkte für Jugendliche anbieten. (Vgl. Bericht der französischen Nationalversammlung über das Social‑Media‑Verbot unter 15 Jahren: https://www.berliner-zeitung.de/news/social-media-verbot-frankreich-parlament-stimmt-fuer-altersgrenze-von-15-jahren-li.10016099)

Immer mehr Länder schränken Social-Media ein

Frankreich geht damit weiter als andere Länder, die ebenfalls Einschränkungen prüfen oder umgesetzt haben: Australien hat bereits ein Verbot für unter 16-Jährige eingeführt, Grossbritannien plant Altersbeschränkungen, und Dänemark hat kürzlich ähnliche Regeln beschlossen. Gleichzeitig unterstützt das EU-Parlament ein europaweites Mindestalter für Social Media, wodurch nationale Gesetze wie in Frankreich vor EU-Gerichten bessere Chancen haben.

Das Handy-Verbot an französischen Schulen der Oberstufe wird ebenfalls eingeführt: Auf dem Schulgelände dürfen die Geräte nur noch eingeschränkt genutzt werden; ausserhalb der Schule bleibt die Nutzung erlaubt. Diese Massnahme ergänzt das Social-Media-Verbot, schützt aber die Jugendlichen nicht direkt vor den Risiken digitaler Plattformen.

Altersbeschränkungen schützen Kinder und Jugendliche

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) unterstützt klare Altersgrenzen für soziale Netzwerke. Sie schaffen einen Schutzrahmen in einer Lebensphase, in der Jugendliche besonders anfällig für sozialen Druck und die automatische Auswahl von Inhalten durch Plattformen sind. Altersgrenzen entlasten Schulen und Eltern und verhindern Überforderung. Sie sind ein wichtiger Schritt, um psychische Gesundheit zu sichern und digitale Risiken zu reduzieren.

Medienbildung muss begleitet werden

Regeln alleine genügen nicht. Schulen müssen Medienbildung vermitteln, damit Schüler/-innen lernen, wie soziale Netzwerke Inhalte automatisch auswählen und anzeigen, und wie sie sich selbst kritisch verhalten. Nur so können Jugendliche eigenständig und verantwortungsbewusst mit digitalen Medien umgehen. Für Baselland bedeutet das: Schulen brauchen klare Vorgaben, Ressourcen und Unterstützung, um Schutz und Bildung miteinander zu verbinden.

Politische Verantwortung übernehmen

Altersgrenzen und Medienbildung ergänzen sich: Regeln schützen, Bildung befähigt. Frankreich zeigt, dass politische Massnahmen notwendig sind, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Baselland hat jetzt die Chance, klare Richtlinien zu setzen, Schulen zu stärken und Jugendlichen einen sicheren Umgang mit digitalen Medien ab der fünften Primarklasse zu ermöglichen. Während den ersten vier Primarschuljahren soll auf den Einsatz digitaler Geräte im Klassenzimmer vollumfänglich untersagt werden. Die SSbB setzt sich dafür ein, dass der Schutz der Kinder verbessert wird und setzt mit der kantonalen Volksinitiative «Keine digitalen Geräte in den ersten vier Primarschuljahren» ein klares Zeichen.

Die Zukunft von Social Media in Europa, 23.12.2025 von Lena Bubendorf

Ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige wird in vielen Ländern in Betracht gezogen. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (SP) erläuterte in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» ihre Position zu einem solchen Verbot, so wie es nun in Australien umgesetzt wird. Der Bundesrat hat bereits am 25. Oktober entschieden, dass mit einem neuen Gesetz, welches nun ausgearbeitet wird, zentrale Regeln für Facebook, TikTok und Co. gelten sollen. Ebenso fordert das Europäische Parlament in der Pressemitteilungvom 26.11.2025 den Zugang zu Sozialen Medien erst ab 16 Jahren zu erlauben.

Für Baume-Schneider ist der Fall klar: Nicht die Smartphones, sondern unser Umgang damit ist schädlich. Handys können helfen, beispielsweise um das Familienleben zu organisieren und Jugendliche benutzen das Gerät oft zur Information oder Orientierung. Derweil stellten sich aber noch einige Fragen, welche diskutiert werden müssen, damit ein Bericht verfasst werden könne, so die Bundesrätin. Dies geschähe im neuen Jahr. Die Bundesrätin betont im Interview mit dem Blick, dass die Social-Media-Plattformen selbst Verantwortung dafür übernehmen müssen, was Kinder und Jugendliche konsumieren.

Das EU-Parlament schlägt zugleich ein EU-weit geltendes Mindestalter von 16 Jahren für den Zugang zu Sozialen Medien, Videoplattformen und KI-Begleitern vor. Jedoch soll 13-16-Jährigen der Zugang mit Zustimmung der Eltern gewährt werden. Auch die EU setzt darauf die grossen Plattformen in Verantwortung zu ziehen, wenn es um den Schutz der Kinder und Jugendlichen geht, insbesondere bei «schwerwiegenden und anhaltenden Verstössen». Deshalb zielt das Parlament darauf ab Führungskräfte haftbar zu machen. Ausserdem bestehen noch weitere scharfe Massnahmenforderungen, die Sie hier einsehen können.

Es ist äusserst interessant, wie die Schweiz auf das zielstrebige Vorgehen der EU reagieren wird. Falls die genannten Forderungen EU-weit umgesetzt werden, ist es denkbar, dass die Schweiz auch mitziehen wird. Die Starke Schule beider Basel befürwortet ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige und erachtet die Erschaffung neuer Gesetze für den Schutz von Nutzenden, insbesondere Kinder und Jugendlichen sowie die zusätzliche Verantwortung für Kommunikationsplattformen als äusserst notwendig.

«Tiktok-Aus» für alle unter 16-Jährigen in Australien, 12.12.2025 von Lavinia Beck

Vorgestern, am 10. Dezember, ist in Australien ein neues Gesetz in Kraft getreten, das Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren die Nutzung von Social Media verbietet. Vom Verbot betroffen sind Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat, X, Reddit und Twitch. Die Techkonzerne sind in der Pflicht zu verhindern, dass Kindern und Jugendlichen Zugang zu ihren Plattformen erhalten.

Als Ausnahmen und weiterhin zugelassen sind Programme, die Bildungszwecken dienen. Unter diese fallen Google Classroom, YouTube Kids und LinkedIn sowie Messenger-Dienste.

Australien ist das erste Land, das ein Verbot durchsetzt. Nachdem die Frage der Umsetzung lange ein grosses Thema war, ist nun ziemlich klar, wie das Ganze ablaufen soll: Die Verantwortung liegt bei den Techkonzernen selbst. Ihnen drohen jedoch hohe Bussen von umgerechnet bis zu 26 Millionen Franken, wenn sie das Verbot nicht umsetzen.

Die Idee ist, dass alle Konten von Nutzer*innen unter 16 Jahren gesperrt und «eingefroren» werden, bis ein Alter von 16 Jahren nachgewiesen werden kann. Der Nachweis soll per Ausweis oder Selfie erfolgen, welches anhand von Gesichtserkennung analysiert wird oder durch eine Altersbestätigung über ein Bankkonto. Auch eine Verifizierung durch ein biometrisches Verfahren ist möglich.

Und auch andere Länder wie Dänemark, Norwegen, Finnland sowie Frankreich und Neuseeland spielen mit dem Gedanken eines Verbots. Sogar ein EU-weit geltendes Verbot ist Thema.

Als wichtigste Gründe für die Massnahme werden die Suchtgefahr und der Einfluss auf die psychische Gesundheit der Jugendlichen und Kinder genannt.

LCH lehnt ein Verbot von Social Media für Kinder ab, 11.12.2025 von Anahi Sidler

In Fachkreisen ist unbestritten, dass ein extensiver Konsum von sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen erhebliche negative Folgen haben kann. Australien hat als erstes Land ein vollständiges Verbot für unter 16-Jährige ausgesprochen. Viele andere Länder ergreifen ebenfalls Massnahmen. Nun hat auch der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) ein Positionspapier zum Umgang mit sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht.

Der LCH betont, dass er eine Dreifachstrategie verfolgt, um den Konsum sozialer Medien bei Kindern und Jugendlichen einzuschränken, ohne auf ein konkretes Verbot zu setzen. Die Strategie verfolgt die Stärkung elterlicher Erziehungskompetenzen durch entsprechende Weiterbildungsangebote, gesetzliche Schutzmassnahmen sowie die Befähigung von Schüler:innen. Zusammenfassen lässt sich festhalten, dass die Dreifachstrategie konkret drei Hauptakteure miteinbezieht: Erziehungsberechtigte, Gesetze und die Schulen selbst.

Bei der Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenzen geht es darum, obligatorische Kurse für Erziehungsberechtigte im Bereich Social Media einzuführen, in denen Erziehungsberechtigte auf relevante Themen in Bezug auf die sozialen Medien sensibilisiert werden. Darunter fallen Themen wie das Erkennen typischer Verhaltensmuster bei Kindern oder das Finden eines gesunden Umgangs mit den Medien, die in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind.

Der LCH lehnt ein offizielles Verbot bei Kindern und Jugendlichen ab. Vielmehr will er die Erziehungsberechtigten sensibilisieren: Sie sollen sich ihrer Vorbildrolle bewusster werden und den Umgang mit dieser neuen Herausforderung lernen.

Umfrage: Grosse Mehrheit für ein Verbot von Social Media, 11.10.2025 von Anahi Sidler

In Australien ist ein Verbot von Social Media für Jugendliche unter 16 Jahren beschlossene Sache, in der Schweiz sind die Diskussionen darüber allgegenwärtig. Ständerätin Maya Graf fordert in einem politischen Vorstoss ein Verbot für unter 16-jährige. Bundesrat und Parlament zeigen sich offen: Der Ständerat überwies kürzlich den Vorstoss zur Prüfung des Anliegens gar einstimmig an den Bundesrat.

Auch die Resultate einer von der Starken Schule beider Basel (SSbB) durchgeführten Umfrage in den letzten zwei Wochen, an der 951 Personen teilnahmen, könnten nicht deutlicher sein. Rund 83% der Umfrageteilnehmenden sind im Lehrberuf tätig.

Grosse Mehrheit für ein Verbot von Social Media

83.5% sprechen sich für ein Verbot von Instagram, Tiktok, Snapchat usw. für Jugendliche aus, lediglich 14.9% sind dagegen (siehe Grafik).

Auch die Resultate, für welches Alter ein Verbot gelten solle, sind eindeutig: 59.9% befürworten ein Verbot für unter 16-jährige, 31.0% ein solches für Jugendliche unter 14 Jahren. Die anderen Altersgruppen, zum Beispiel ein Verbot bis 12 Jahren, wurden kaum gewählt (siehe Grafik).

Konzentrationsabnahme durch Nutzung sozialer Medien

Seit längerer Zeit werden von Lehrpersonen und Eltern Stimmen laut, welche auf die negativen Folgen einer extensiven Nutzung von Social Media hinweisen: Konzentrationsverminderung und Abnahme der schulischen Leistungen sind zwei regelmässig genannte Folgen. Um dies zu widerlegen oder zu bestätigen, enthielt die Umfrage zwei entsprechende Fragen. Auch hier könnten die Resultate kaum eindeutiger sein:

90.8% der Umfrageteilnehmenden gaben an, dass das übermässige Nutzen von Social Media zu einer Abnahme der Konzentration führt. Lediglich 2.6% ist der Ansicht, Social Media hätte keinen Einfluss auf die Konzentration (Grafik 3).

Auch die Resultate betreffend der Frage, ob die übermässige Nutzung von Social Media einen positiven oder negativen Einfluss auf die schulische Leistung habe, sind deutlich: Für 82.0% der Umfrageteilnehmenden nimmt die schulische Leistung aufgrund einer übermässigen Nutzung von Social Media ab (siehe Grafik).

Fundierte Aufklärung statt umfassendes Verbot findet wenig Unterstützung

Rund 29.3% der Umfrageteilnehmenden würden eine fundierte Aufklärung über Risiken und Gefahren von Social Media bevorzugen, während 67.0% sich für ein klares Verbot aussprechen.  

Vor- und Nachteile eines Verbots

Anhand eines Prosatextes hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Vor- und Nachteile eines Social Media-Verbots zu notieren. 585 Personen machten davon gebrauch.

Bei den Vorteilen eines Verbots wurden folgende Punkte sehr häufig genannt: Die Jugendlichen wären weniger dem sozialem Druck ausgesetzt, Mobbing und Anfeindungen könnten vermindert werden. Ein Verbot würde dazu führen, dass soziale Interaktionen zwischen den Jugendlichen wieder mehr im Vordergrund gestellt würden. Die Konzentrationsfähigkeit würde zunehmen und im Gegenzug die psychische Belastung vermindert werden.

Bei den Nachteilen des Verbots wurde ein Aspekt mehrfach genannt: Würde Social Media verboten, so würden die Jugendlichen den Umgang damit nicht lernen. In der heutigen Zeit sei das frühe Aneignen der Medienkompetenzen wichtig.

Vorstand der Starken Schule beider Basel befürwortet Verbot

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen eine klare Tendenz: Eine überwältigende Mehrheit begrüsst ein Verbot von Social Media für Jugendliche unter 16 Jahren. Dieses Verbot befürwortet auch der Vorstand der Starken Schule beider Basel.

Die Bedenken hinsichtlich Konzentrationsverminderung und negativer schulischer Auswirkungen sind weit verbreitet. Während einige argumentieren, dass Medienkompetenz früh erlernt werden sollte, steht für die Mehrheit der Schutz der Jugendlichen im Vordergrund. Die Diskussion über ein mögliches Verbot bleibt damit hochaktuell und wird in Politik und Gesellschaft weitergeführt.

Höchste Zeit für ein Handyverbot an Schulen, 05.06.2025, von Patrick Müller

Zufällige Begegnung an einem Food-Festival in Baden: Plötzlich steht da die Frau, die ein Verbot von Smartphones an der Aargauer Volksschule erlassen hat. Es ist die neue Bildungsdirektorin des Kantons, Martina Bircher (SVP). Eltern, die sie auf dem Festivalgelände erkennen, sprechen sie auf den Entscheid an, über den kurz davor im Lokalfernsehen und in der «Aargauer Zeitung» berichtet wurde. Mehrheitlich positiv seien die Reaktionen, sagt Bircher. Eine Umfrage dieser Zeitung zeigt ein klares Resultat: «Überfällig» sei das Verbot, finden 81 Prozent von 3340 Abstimmenden auf dem Newsportal der AZ.

Der Aargau ist der erste grosse Kanton, der private Geräte wie Handys, Smartwatches und Tablets breitflächig aus dem Unterricht verbannt. Kurz davor war Nidwalden vorangegangen. Sie verhalten sich pionierhaft.

Bildung ist Sache der Kantone. Den Entscheid den Gemeinden oder den Schulen zu überlassen, ist nur schon deshalb nicht zielführend, weil an Oberstufenzentren Kinder aus mehreren Gemeinden zusammenkommen. Zudem ist der Aufwand, Hunderte verschiedene Reglemente zu erarbeiten, verschwendete Energie.

Der nun einsetzende Wandel – anderswo, etwa in Skandinavien, ging es schneller – ist eine Reaktion auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Alltagserfahrungen, wie sie an wohl allen Schulen und in den meisten Familien gemacht wurden. Dafür gibt es fünf Hauptgründe:

1. Die Selbstregulierung ist gescheitert

Lange hiess es, Teenager sollten lernen, ihren Medienkonsum selbst zu kontrollieren. Solange Handys zum Telefonieren und Simsen dienten, funktionierte das. Die Idee entpuppte sich spätestens dann als Illusion, als Smartphones mit Selfie-Kameras auf den Markt und Plattformen wie Tiktok und Instagram auf jedes Kinderhandy kamen. Diese Apps sind perfide konstruierte Aufmerksamkeitsfallen, darauf angelegt, psychologische Schwächen auszunutzen. Big-Tech-Konzerne im Silicon Valley und in China haben genau dafür Milliarden investiert. Auch Erwachsene sind dagegen oft machtlos, aber bei ihnen gilt Eigenverantwortung – bei Teenagern braucht es Massnahmen zum Jugendschutz. Analog zu anderen Suchtmitteln wie Alkohol.

2. Psychische Gesundheit in der Krise

Die Zahl der depressiven Jugendlichen hat sich in den USA seit 2010 mehr als verdoppelt. In der Schweiz ist es weniger dramatisch, aber die Zahlen zeigen auch bei uns nach oben. Der amerikanische Sozialpsychologe Jonathan Haid – dessen Buch «Generation Angst» mittlerweile als Standardwerk gilt – zeigt, dass der Kipppunkt exakt mit dem Siegeszug des Smartphones zusammenfällt. Der Zusammenhang ist nicht nur statistisch auffällig, sondern auch plausibel: Wer sich nachts durch Videos scrollt, statt zu schlafen, wer sich pausenlos mit den scheinbar perfekten Leben anderer vergleicht, verliert in der Pubertät schnell mal das Gleichgewicht.

3. Die Bildung ist gefährdet

Die Schule ist ein Ort des Lernens und nicht der ständigen Ablenkung. Konzentrationsfähigkeit, Verstehenwollen und Durchhaltewille leiden, wenn der nächste Dopamin-Kick nur einen Fingertipp entfernt ist. Lehrerinnen und Lehrer berichten, dass sich Jugendliche kaum mehr fünf Minuten am Stück auf eine Aufgabe konzentrieren können, ohne zum Handy zu greifen. Die Folge: eine schleichende Zerstörung des Bildungsauftrags.

4. Eltern brauchen Entlastung

Oft wird als Argument gegen ein Verbot angeführt, die Verantwortung für den Umgang mit dem Handy liege bei den Eltern. Doch wenn ein Kind ohne Smartphone in die Schule kommt, andere es aber mitnehmen dürfen, entsteht Ungleichheit, die zu Konflikten führt. Der Gruppendruck ist enorm, und viele Eltern kapitulieren. Ein kantonales Verbot ist eine Entlastung. Die Verantwortung wird nicht abgeschoben, sondern sinnvoll verteilt: Die Schule regelt den Schulalltag, die Eltern bleiben für die Freizeit zuständig.

5. Schutz vor Cybermobbing

In der Schweiz haben 57 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in den letzten zwei Jahren erlebt, dass sie via Smartphone beschimpft oder beleidigt wurden (James-Studie von 2024). Auch tragische Fälle mit schwerwiegenden Folgen sind dokumentiert. Dieses Problem wird durch ein Smartphone-Verbot an Schulen nicht gelöst, aber zumindest reduziert.

Allein der letztgenannte Grund müsste reichen, Einschränkungen durchzusetzen. Welche Kantone begreifen die Notwendigkeit als nächste?

Patrik Müller
Chefredaktor CH Media, Zentralredaktion und «Schweiz am Wochenende»

[Quelle: bz vom 04.06.2025, abgedruckt mit Erlaubnis des Autors]

Umfrage: Grosses Merheit für ein Verbot von Social Media, 29.03.2025, von Anahi Sidler

In Australien ist ein Verbot von Social Media für Jugendliche unter 16 Jahren beschlossene Sache, in der Schweiz sind die Diskussionen darüber allgegenwärtig. Ständerätin Maya Graf fordert in einem politischen Vorstoss ein Verbot für unter 16-jährige. Bundesrat und Parlament zeigen sich offen: Der Ständerat überwies kürzlich den Vorstoss zur Prüfung des Anliegens gar einstimmig an den Bundesrat.

Auch die Resultate einer von der Starken Schule beider Basel (SSbB) durchgeführten Umfrage in den letzten zwei Wochen, an der 951 Personen teilnahmen, könnten nicht deutlicher sein. Rund 83% der Umfrageteilnehmenden sind im Lehrberuf tätig.

Grosse Mehrheit für ein Verbot von Social Media

83.5% sprechen sich für ein Verbot von Instagram, Tiktok, Snapchat usw. für Jugendliche aus, lediglich 14.9% sind dagegen (siehe Grafik).

Auch die Resultate, für welches Alter ein Verbot gelten solle, sind eindeutig: 59.9% befürworten ein Verbot für unter 16-jährige, 31.0% ein solches für Jugendliche unter 14 Jahren. Die anderen Altersgruppen, zum Beispiel ein Verbot bis 12 Jahren, wurden kaum gewählt (siehe Grafik).

Konzentrationsabnahme durch Nutzung sozialer Medien

Seit längerer Zeit werden von Lehrpersonen und Eltern Stimmen laut, welche auf die negativen Folgen einer extensiven Nutzung von Social Media hinweisen: Konzentrationsverminderung und Abnahme der schulischen Leistungen sind zwei regelmässig genannte Folgen. Um dies zu widerlegen oder zu bestätigen, enthielt die Umfrage zwei entsprechende Fragen. Auch hier könnten die Resultate kaum eindeutiger sein:

90.8% der Umfrageteilnehmenden gaben an, dass das übermässige Nutzen von Social Media zu einer Abnahme der Konzentration führt. Lediglich 2.6% ist der Ansicht, Social Media hätte keinen Einfluss auf die Konzentration (Grafik 3).

Auch die Resultate betreffend der Frage, ob die übermässige Nutzung von Social Media einen positiven oder negativen Einfluss auf die schulische Leistung habe, sind deutlich: Für 82.0% der Umfrageteilnehmenden nimmt die schulische Leistung aufgrund einer übermässigen Nutzung von Social Media ab (siehe Grafik).

Fundierte Aufklärung statt umfassendes Verbot findet wenig Unterstützung

Rund 29.3% der Umfrageteilnehmenden würden eine fundierte Aufklärung über Risiken und Gefahren von Social Media bevorzugen, während 67.0% sich für ein klares Verbot aussprechen.  

Vor- und Nachteile eines Verbots

Anhand eines Prosatextes hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Vor- und Nachteile eines Social Media-Verbots zu notieren. 585 Personen machten davon gebrauch.

Bei den Vorteilen eines Verbots wurden folgende Punkte sehr häufig genannt: Die Jugendlichen wären weniger dem sozialem Druck ausgesetzt, Mobbing und Anfeindungen könnten vermindert werden. Ein Verbot würde dazu führen, dass soziale Interaktionen zwischen den Jugendlichen wieder mehr im Vordergrund gestellt würden. Die Konzentrationsfähigkeit würde zunehmen und im Gegenzug die psychische Belastung vermindert werden.

Bei den Nachteilen des Verbots wurde ein Aspekt mehrfach genannt: Würde Social Media verboten, so würden die Jugendlichen den Umgang damit nicht lernen. In der heutigen Zeit sei das frühe Aneignen der Medienkompetenzen wichtig.

Vorstand der Starken Schule beider Basel befürwortet Verbot

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen eine klare Tendenz: Eine überwältigende Mehrheit begrüsst ein Verbot von Social Media für Jugendliche unter 16 Jahren. Dieses Verbot befürwortet auch der Vorstand der Starken Schule beider Basel.

Die Bedenken hinsichtlich Konzentrationsverminderung und negativer schulischer Auswirkungen sind weit verbreitet. Während einige argumentieren, dass Medienkompetenz früh erlernt werden sollte, steht für die Mehrheit der Schutz der Jugendlichen im Vordergrund. Die Diskussion über ein mögliches Verbot bleibt damit hochaktuell und wird in Politik und Gesellschaft weitergeführt.

Anahi Sidler
Sekretariat Starke Schule beider Basel

Das Handy und die sozialen Medien – ein Fluch?, 22.03.2025, von Daniel Vuiliomenet

Handys in Schulen verbieten! Dieser Ruf ertönt immer lauter und etliche Schulen setzen ein rigoroses Handyverbot während der schulischen Präsenzzeit ihrer Schülerinnen und Schüler bereits um. Parlamente diskutieren, kantonale Verordnungen sind geplant oder bereits in Kraft – ja selbst der Bundesrat berät. Auch international tut sich einiges. Länder wie z. B. Dänemark oder Australien haben bereits rigoros reagiert. Wie soll es aber bei uns weitergehen?

Hirnkiller Handy?

Die Meldungen besorgter Lehrpersonen zur verminderten Konzentrationsfähigkeit der von ihnen unterrichteten Schülerinnen und Schüler sind ernst zu nehmen. Neben der z.T. stark reduzierten Aufmerksamkeitsspanne kommt eine Haltung der Betroffenen dazu, die ständig nach Belohnung verlangt bei minimaler Eigenaktivität. Konsumverhalten im exponentiellen Grad.

Doch die Aufmerksamkeit Jugendlicher ist auch ohne direkte Interaktion mit dem Handy beim Handy. Ständige Erreichbarkeit und der Druck, es allen recht machen zu machen, die «etwas» von einem wollen, ist ein hypermaximaler Stressor. Und nicht nur das: Auch die permanente Angst im Nacken, irgendwie von irgendjemandem lächerlich gemacht zu werden – Mobbing hat seit dem Aufkommen der sozialen Medien eine neue Dimension erreicht.

Wer kann sich so noch auf das Lernen im Unterricht konzentrieren? Entspannt?

Mein pädagogisches Credo während meiner ganzen Zeit als Lehrer war, Einsicht zu schaffen. Das hat allermeistens und letzten Endes sehr gut funktioniert. Doch mit der geballten Ladung an Einfluss durch elektronischen Müll wie Tiktok u. ä. ist diese hehre Haltung überholt – das Suchtpotential all der Einflüsse von aussen ist gigantisch.

Kinder und Jugendliche sind in ihrer Entwicklung noch nicht so weit, dass sie eine Eigenkorrektur punkto Handykonsum ohne weiteres vornehmen können. Zu viel Peergroup hängt mit drin. Die sozialen Medien, die so gesehen eben überhaupt nicht sozial sind, verhindern einerseits korrigierendes Verhalten und tragen andererseits zu einer permanenten Infantilisierung bei, auch bei (labileren) Erwachsenen übrigens. Das zeitigt gesellschaftliche Folgen.

Man darf sich gerne einmal fragen, wer und was eigentlich dahintersteckt – welche Agenda im Hintergrund abläuft?

An den Schulen besteht Handlungsbedarf

Der Handlungsbedarf scheint inzwischen unbestritten. Eltern sind bisweilen beinahe machtlos und können ja auch nicht permanent kontrollieren, was ihre Sprösslinge tun. Dass das Handy, wie an vielen Schulen bereits Usus, während der gesamten Unterrichtszeit ruht (heisst abgeschaltet in der Schultasche versorgt oder gar zentral abgegeben ist), ist kein Unterrichtsnachteil. Für Recherchen oder das Fotografieren stehen inzwischen fast flächendeckend Tablets zur Verfügung, die allerdings den Zugriff auf entsprechende soziale Medien nicht erlauben sollten. Letzteres ist leider nicht überall der Fall. Somit entsteht die paradoxe Situation, dass an den Schulen Handys verboten sind, die Tablets aber zumindest teilweise das erlauben, was man mit einem Handyverbot eliminieren wollte. Die digitale Schlange frisst sich selbst auf…

Was tun? Muss es der Staat richten?

Ich denke, dass die Handy-Epidemie inzwischen ein derartiges Ausmass angenommen hat, dass staatliche Vorgaben unumgänglich werden. Ich war als Lehrer zwar froh, dass in Lagern die Schüler über einen Gruppenchat erreichbar waren. Dasselbe bei Gruppenarbeiten im Freien. Doch nun scheint das nicht mehr möglich, die elektronische Korrumption hat überhandgenommen.

Zu Recht wird über ein generelles Handyverbot für Kinder und Jugendliche bis 14 oder gar 16 nachgedacht, was zwar eine sehr einschneidende Massnahme wäre. Den Zugang dieser Altersgruppen für gewisse Applikationen zu beschränken oder gar zu verunmöglichen, wäre aber zumindest ein erster wichtiger Schritt.

Daniel Vuilliomenet
Pensionierter Sekundarlehrer

Social Media – gesellschaftlicher Zerfall droht, 16.03.2025, von Lena Bubendorf

Am Beispiel der Social Media-Plattform TikTok zeigt der ehemalige Microsoft Mitarbeiter und britisch-indische Autor Gurwinder Bhogal die Gefahren von Social Media für die westliche Welt auf. Demnach würde TikTok einerseits als geopolitisches Werkzeug und andererseits auch als eine Art Waffe genutzt. Folgend zusammengefasst seine Publikation:

Weitreichende Schäden

Bhogal argumentiert, dass TikTok die Aufmerksamkeitsspanne der Nutzenden reduziert. Das Suchtpotenzial sei durch die immer wiederkehrenden Dopaminrausche enorm hoch. Auf der sogenannten «For you page» würden nur Inhalte gezeigt, die vom Algorithmus für die Nutzenden ausgewählt wurden, um deren Aufmerksamkeit zu fesseln. Da diese App hauptsächlich von der Generation Z und Alpha genutzt würde, seien junge Leute stark betroffen. Folglich bestünde einerseits die Gefahr, dass eine Generation von passiven, auf sofortige Belohnung fixierten und kognitiv geschwächten Individuen geschaffen würde. Andererseits sei die Fähigkeit junger Menschen, Inhalte kritisch zu hinterfragen und Perspektivenwechsel zu betreiben, noch in der Entwicklung. Deshalb gäbe es durch solche Algorithmen, die junge Menschen nur noch in der eigenen Meinung bestärken und Gleichgesinnte vereinigen, eine Gefahr und eine Tendenz der Radikalisierung. So stark wie Social Media daher als Ablenkung und Ausweg aus dem Alltagsstress diene, würde sich ebenso eine polarisierende Wirkung beobachten lassen.

Langfristig drohe jedoch ein intellektueller Zerfall, welcher die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität des Westens gefährde. Der Kapitalismus sei eben darauf ausgelegt, den Konsumierenden immer mehr davon zu liefern, was sie glücklich machen würden; in diesem Fall Social Media in Form von kürzesten Clips, die möglichst wenig Denkleistung erfordern und möglichst viel Dopamin erzeugen. Deshalb sei TikTok beispielsweise als Selbstzerstörungswaffe des Westens bezeichnend.

Kontrolle in China – Douyin

TikTok ist eine chinesische Plattform, deren Inhalte international exportiert werden. Unterstreichen müsse, so Bhogal, dass Themen zensuriert würden, die Peking oder der Partei missfallen. In China selbst würde hingegen stark gegen das sogenannte «Tittytainment» vorgegangen. «Dekadente» Inhalte müssen von den Betreibern beseitigt werden.

Den eigenen Nachwuchs «schützt» China vor TikTok mit einem Verbot. Stattdessen wird die Plattform Douyin genutzt, welche unter anderem wissenschaftliche Experimente und Lernvideos zeige. Die Nutzungszeit für Kinder sei auf 40 Minuten pro Tag begrenzt und die App sei von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens nicht zugänglich.

Die Lösung

Eine einfache Lösung für dieses grossflächige und vor allem mittlerweile tief verankerte Problem zu finden scheine unmöglich. Dennoch soll die Demokratie ein Vorteil sein, in dem die Eltern selbst die Verantwortung für ihre eigenen Kinder tragen würden. Es gäbe zahlreiche Kindersicherungen, welche App-Zugänge regeln und somit die Durchsetzung elterlicher Vorgaben und Erziehungsstrategien unterstützen würden.

Langfristig gesehen helfe nur, das Wissen über die möglichen individuellen und gesellschaftlichen Schäden zu fördern. Folglich solle ein Effekt wie beim Rückgang des Zigarettenkonsums erzielt werden, nämlich die Erkenntnis der schädlichen Folgen und dadurch der eigenständige Verzicht.

Zusammengefasst könne TikTok eine «Selbstmordwaffe» für den Westen sein, da es eine Generation heranziehe, die durch ständige Ablenkung und die Jagd nach sofortiger Belohnung in ihrer geistigen und kulturellen Entwicklung zurückbliebe. Es sei deshalb unabdingbar, die Kinder zu schützen, um einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken. In welcher Form dies geschehen soll, sei politisch jedoch umstritten.

Lena Bubendorf
Vorstand Starke Schule beider Basel

[Quelle: https://unherd.com/2025/01/tiktok-weapon-of-mass-distraction/ ]

Bundesrat ist offen für ein Social Media Verbot für unter 16-jährige, 04.03.2025, von Lavinia Beck

Ständerätin Maya Graf von der Grünen Fraktion fordert in einem politischen Vorstoss ein Verbot von Sozialen Medien für unter 16-jährige. In Australien ist ein entsprechender Entscheid bereits definitiv gefallen. Das Ziel ist es, die Jugendlichen vor den Gefahren und den negativen Folgen zu schützen. Gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen, so Graf, gibt es deutliche Anzeichen, dass Social Media die psychische Gesundheit der Jugendlichen gefährdet. Insbesondere die Zunahme von Depressionen, Ängsten und auch Selbstmordgedanken der Jugendlichen, sowie eine Verringerung der Lern- und Konzentrationsfähigkeit wird auf die Sozialen Medien zurückgeführt.

Der Bundesrat zeigt sich dem Postulat sehr positiv gegenüber. Er empfiehlt dem Ständerat den Vorstoss zur Annahme, damit dieser geprüft werden kann und die Gefahren von Social Media analysieren werden.

Auch bei diversen Parteien stösst der Vorstoss auf breite Zustimmung: SP und SVP unterstützen das Verbot mit jeweils 85%, die Grünen mit 83% und die GLP mit 75%.

Lavinia Beck
Sekretariat Starke Schule beider Basel

US-Starpsychologe warnt, 25.02.2025, von Lavinia Beck

Jonathan Haidt begeisterte am World Economic Forum (WEF) mit seinem Vortrag über Social Media, welcher auf grosses Interesse stiess. Der international bekannte Psychologe und Bestsellerautor des Buches «Generation Angst» bringt es auf den Punkt: Social Media raubt den Jungen ihre Kindheit.

Immer wieder taucht in seinem Appell die Zahl 2012 auf. Denn laut ihm haben die vermehrten Angstzustände, wie auch Einsamkeit und Depressionen, nichts mit der Corona-Pandemie zu tun. Für den rapiden Anstieg dieser Zahlen sei «das neue Zeitalter» verantwortlich, welches im Jahr 2012 begann. Das Zeitalter des Smartphones und Social Media. Shortclips und Reels, welche mittlerweile auf allen Tech-Plattformen zu finden sind, betitelt er als «Gift fürs Hirn». Es sei «absurd und verrückt, dass wir Kinder dieses Zeug ansehen lassen». Verschlimmert und verstärkt wird die Abhängigkeit vom Handy durch den sogenannten Eyeball-Effekt, welcher darauf abzielt, Jugendliche und Kinder so lange wie möglich am Bildschirm zu halten.

Den Preis der unsere Gesellschaft für Social Media zahle, sei hoch: Kindern werde weltweit ihre Kindheit gestohlen und deren Leistungsfähigkeit sinke deutlich.

Klare Forderungen

Die Forderungen des Psychologen sind einschneidend und einfach: Handverbot für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren, konsequent Smartphone freie Schulen und ein Social Media Verbot für unter 16-Jährige. Die Umsetzung dieser Massnahmen ist schwierig, ob dies gelingt fraglich. Haidt betont, dass die individuelle Durchsetzung des Verbots für die Eltern kaum realistisch sei, weshalb allgemein geltende und vom Staat durchgesetzte Regeln von Vorteil wären.

Auch der spanische Premierminister Pedro Sànchez fordert am WEF strengere Regeln: Die damals so vielversprechenden neuen Technologien seien zum Werkzeug unserer eigenen Unterdrückung geworden. Er verwendet damit eine ähnliche Metapher wie Haidt: Die Algorithmen würden unsere Gesellschaft vergiften.

Problem erkannt

Summa summarum wurde am WEF klar: Ausser den Techkonzernen, die Milliarden mit diesen neuen Technologien verdienen, erkennen alle das Problem und der Profit der Gesellschaft ist nicht sonderlich gross. Die Lösung und richtige Herangehensweise stehen jedoch nach wie vor in den Sternen.

Am Ende der Veranstaltung berichtet der Psychologe von einer Schule, welche das Handyverbot bereits vor einiger Zeit eingeführt hat: Man höre in den Schulgängen endlich wieder Kinder lachen, die selber sagen, es mache Spass «mit den anderen zu reden». Auch ein Rückgang der körperlichen und verbalen Aggressionen konnte beobachtet werden. Das Handyverbot könne als vollen Erfolg bezeichnet werden.

Lavinia Beck
Sekretariat Starke Schule beider Basel

Smartphone Verbot an niederländischen Schulen, 24.01.2025, von Anahi Sidler

Global machen sich in zahlreichen Ländern immer mehr Stimmen bemerkbar, die im Bereich der Schulen ein allgemeines Handyverbot fordern. Ein exzessives Nutzen des Smartphones sei schlecht für die Konzentration der Lernenden und fördere ein unruhiges Klassenklima. Auch hierzulande wird über ein Verbot von Smartphones rege diskutiert. Im Folgenden soll jedoch ein Blick auf die Niederlande geworfen werden.

Die Niederlande ist eines der Länder, welches seit geraumer Zeit ein striktes Handyverbot auf allen Schulstufen konsequent durchführt. Die Meinungen, ob sich dieses Verbot auch auszahlt, gehen stark auseinander.

Eine niederländische Universität führte bei Schüler: innen aller Schulstufen, Eltern und Lehrpersonen eine Umfrage zu den Auswirkungen des Handyverbots durch. Die Befragten wurden vor und nach der Einführung des Verbots befragt. Die Meinungen gehen dabei deutlich auseinander.

Die Schüler: innen waren vor der Einführung positiver zum Handyverbot eingestellt als die Eltern und Lehrpersonen. Nach der Einführung schätzten die Lehrpersonen und Eltern die positiveren Effekte jedoch deutlich gewichtiger ein. Aspekte wie ein ruhigeres Klassenklima und eine erhöhte Konzentration bei den Lernenden war laut den Pädagoginnen und Pädagogen vermehrt zu spüren. Im Gegensatz dazu hatten die befragten Kinder und Jugendliche wiederholt erwähnt, dass es häufiger zu Streitereien während der unterrichtsfreien Zeit kommen würde.

Es zeigt sich, dass die Meinungen gegenüber eines Smartphoneverbots stark auseinandergehen. Spannend dabei ist, ob ein solches Verbot auch auf die schulischen Leistungen der Schüler: innen auswirkt. In verschiedenen Ländern wurden dazu Untersuchungen durchgeführt, die darauf hinweisen, dass ein Verbot der elektronischen Geräte leicht positive Effekte zur Folge haben.

Anahi Sidler
Sekretariat Starke Schule beider Basel 

Social Media: Fluch und Segen zugleich, 11.12.2024, von Lavinia Beck

Der australischen Regierung ist gelungen, was bisher noch keine andere Regierung weltweit geschafft hat: ein Social Media Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren. Das Verbot gilt ab Ende 2025 und betrifft die folgenden Plattformen: Instagram, Snapchat, TikTok, Facebook, Reddit und X. Das Verbot gilt auch für diejenigen, die Social Media bereits nutzen und für solche, welche von ihren Eltern eine Erlaubnis zur Nutzung erhalten würden.

Der Gesetzentwurf des Parlaments von Canberra wurde bereits vor einiger Zeit publiziert. Das neue Gesetz gilt mit einer Vorlaufszeit von einem Jahr ab Ende 2025. Die für die Durchsetzung verantwortlichen Technologieunternehmen sollen genügend Zeit haben, um Prozesse zur Alterserkennung in ihren Systemen zu integrieren. Vom Verbot nicht betroffen sind Messenger-Dienste wie beispielsweise WhatsApp und Facebook-Messenger. Ebenso gilt eine Ausnahme für YouTube & Google Classroom, die für Bildungszwecken genutzt werden dürfen.

Technologieunternehmen drohen bei Verstössen erhebliche Strafen

Falls es nach Ablauf der oben genannten Karenzzeit zu Verstössen gegen das neue Gesetz kommen sollte, drohen den Technologieunternehmen Geldbussen von bis zu 50 Millionen australischen Dollar, was umgerechnet ca. 29 Millionen Franken entspricht.

Die Herausforderung der Technologieunternehmen besteht nun darin, verlässliche Prozesse zu entwickeln, mit denen das Alter der Jugendlichen sicher überprüft werden kann, ohne dass diese die Altersangaben fälschen können.

Staatlich geführte online-Datenbank soll Missbrauch verunmöglichen

Die Regierung liebäugelt mit dem britischen «Age Check Certification Scheme». Anhand von diesem sollen die eingegebenen Daten durch eine Ausweisdatei der Datenbank kontrolliert werden: Bei Eingabe eines falschen Geburtsdatums würde eine Fehlermeldung aufploppen, da keine Person unter dem entsprechenden Namen mit dem angegebenen Geburtsdatum in einer vom Staat geführten online-Datenbank registriert ist. Dies verunmöglichst auch, dass die Daten einer älteren, bereits registrierten Person genutzt werden, da es jede Identität nur einmal gibt.

Anhand dieser Datenbank will die Regierung künftig auch den Konsum von Pornografie von unter 18-Jährigen einschränken.

Schulen schränken bereits heute die Benutzung von Smartphons ein

Bereits heute verbieten viele australischen Schulen die Nutzung von Smartphones während der Schulzeit. Elektronische Geräte müssen vor dem Unterricht am Eingang abgegeben oder in der Schultasche oder in Schliessfächern der Schüler*innen versorgt werden.

Umsetzungshürden sind hoch

Australiens Premierminister Anthony Alwanese ist bewusst, dass es zuvor noch keiner Regierung gelungen ist, ein derartig umfassendes Verbot effektiv umzusetzen. Er lässt jedoch keine Zweifel daran, dies als erstes Land konsequent durchzuziehen. Er betont: «Wir wollen die zwischenmenschliche Kommunikation der Jugend fördern, jedoch nicht nur über ihre Geräte». Und: «Es geht darum, den Kindern eine Kindheit zu ermöglichen. Es ist nichts Soziales daran, dass einige soziale Medien unsere jungen Australier von echten Freunden und echten Erfahrungen fernhalten».

Die Kommunikationsministerin Michelle Rowland war von Anfang an überzeugt, dass das Verbot vom Senat befürwortet und die Umsetzung auch gelingen wird. Laut ihr seien die Sozialen Medien «für zu viele junge Australier*innen schädlich». Ein Grossteil der 14- bis 17-Jährigen hätte sich online bereits schädliches Material angesehen, wie beispielsweise Drogenmissbrauch, Selbstmord, selbstverletzendes Verhalten oder Gewaltexzesse generell.

Lavinia Beck
Sekretariat Starke Schule beider Basel

Kommentar

Als 16-jährige Gymnasiastin nutze ich Social Media selbst täglich. Schon sehr oft habe ich mir jedoch auch gewünscht, ich wäre ohne «aufgewachsen».

Die enorme Menge an Zeit, die ich mit Social Media «verschwende», ist häufig verlorene Zeit, die ich nicht mehr aufholen kann. Ganz zu schweigen davon, dass ich mich nach dem Konsum oft nicht besser fühle. Denn bei der Nutzung von Social Media wird kein langfristiges Dopamin ausgeschüttet sondern hauptsächlich kurzfristige Adrenalinschübe, von denen man immer mehr braucht, um das vermeintliche Dopamin auszulösen.

Dopamin ist eine Art Belohnungs- respektive Glückshormon, das uns gut fühlen lässt. Leider führen die Sozialen Medien nicht zu einem realen, nachhaltigen Dopamin Ausstoss, wie es eine persönliche Interaktion mit anderen Jugendlichen oder ein Spaziergang tun würde. Durch Social Media wird vielmehr Adrenalin ausgeschüttet, welches unser Haupt-Stresshormon ist. Dieses wird eigentlich bei aufregenden oder herausfordernden Situationen ausgelöst. Auch Oxytocin und Cortisol spielen eine Rolle. Die Kombination dieser vier Hormone haben einen Einfluss auf die Psyche, wodurch sich möglicherweise die vielen psychischen Erkrankungen erklären lassen.
Dazu kommt die enorm hohen Bildschirmzeit eines Grossteils der Nutzer*innen, die das Ganze nochmals verstärkt. Schockiert hat mich vor allem, dass 99% aller 12- bis 19-Jährigen bereits ein eigenes Handy haben und 98% davon auf mindestens einem Social-Media-Kanal angemeldet sind.

Bei all den genannten Kritikpunkten hat Social Media aber auch Vorteile, wie zum Beispiel tolle Features, die ich persönlich nicht aus meinem Alltag wegdenken möchte. Ein grosser Pluspunkt ist für mich die Kommunikation und die Inspiration: Social Media erleichtert den Kontakt mit Freunden, auch wenn diese auf einem anderen Teil der Welt leben. Man bekommt viel leichter einen Einblick, was die anderen gerade tun und kann so an deren Erlebnissen in einer gewissen Art und Weise teilnehmen.

Ich befürworte den Konsum in einem gesunden Mass und unter der Bedingung, dass das Filtern von nicht altersentsprechenden Inhalten funktioniert: «Social Media kann uns verbinden, aber auch isolieren – es liegt an uns, den Unterschied zu erkennen.»

Lavinia Beck
Sekretariat Starke Schule beider Basel