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PH FHNW

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PH FHNW braucht tiefgreifende Reformen, 03.02.2025 von Lena Bubendorf

Seit Jahren erreichen die Starke Schule beider Basel (SSbB) zahlreiche Rückmeldungen von Studierenden der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW). Die Kritik ist beunruhigend: Sie betrifft die Praxisnähe des Studiums, wenig sinnvolle Lerninhalte, organisatorische Mängel und fehlende Mitsprache. Die aktuellen Berichte des Regierungsrates sowie der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission zeigen, dass der politische Handlungsbedarf erkannt wird. Aus Sicht der SSbB braucht es jedoch mehr als punktuelle Korrekturen. Notwendig ist eine grundlegende Reform der PH, damit die Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen den Anforderungen des Schulalltags gerecht wird.

Studierende berichten, dass viele Inhalte zu theoretisch sind und konkrete Herausforderungen aus dem Unterricht kaum berücksichtigt werden. Komplizierte Abläufe und eine hohe administrative Belastung prägen den Studienalltag.

Auswirkungen auf Schulen, Schüler/-innen und Lehrpersonenmangel

Eine schlecht funktionierende PH ist kein internes Hochschulproblem, sondern ein zentrales bildungspolitisches Thema, welches nicht mehr zu meiden ist. Unzureichend vorbereitete Lehrpersonen belasten die Schulen und erhöhen den Unterstützungsbedarf durch Kollegien und Schulleitungen. Die Ausbildungsqualität wirkt sich direkt auf die Qualität des Unterrichts und den Lernerfolg der Schüler/-innen aus.

Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Berufseinsteiger/-innen in den ersten Jahren überfordert sind. Der Übergang vom Studium in den Beruf ist unzureichend begleitet. Die PH trägt jedoch Mitverantwortung dafür, dass angehende Lehrpersonen den Einstieg in den Schulalltag bewältigen können.

Studierende ernst nehmen und Qualität verbindlich sichern

Besonders häufig wird die fehlende Praxisnähe sowie die wenig hilfreichen Lerninhalte für den künftigen Unterricht im Schulzimmer kritisiert. Studierende fühlen sich trotz abgeschlossener Module unsicher, wenn sie eigenständig unterrichten. Organisatorische Probleme bei der Modulwahl erschweren zusätzlich ein zielgerichtetes Studium.

Hinzu kommt die fehlende Mitbestimmung. Rückmeldungen von Studierenden gehen unter; sie haben kaum Einfluss auf die Weiterentwicklung der Ausbildung. Reformen werden in der Regel ohne systematische Einbindung der Betroffenen geplant. Die SSbB ist davon überzeugt, dass Studierende als direkt Betroffene ernsthaft in Reformprozesse einbezogen werden müssen.

Gleichzeitig berichten Studierende von grossen Unterschieden in der Qualität der Ausbildung. Je nach Studiengang, Modul oder Dozierenden erleben sie sehr unterschiedliche Anforderungen und Unterstützungsangebote. Eine verlässliche und vergleichbare Ausbildungsqualität ist jedoch zentral. Es braucht verbindliche Qualitätsstandards und eine transparente Überprüfung der Ausbildungsqualität.

Ein weiteres strukturelles Defizit zeigt sich in der Zusammenarbeit zwischen PH und Schulen. Die Volksschule ist der zentrale Lernort für angehende Lehrpersonen. Dennoch ist die Zusammenarbeit mit den Ausbildungsschulen zu wenig verbindlich geregelt. Schulen werden zu selten als gleichwertige Partner in der Ausbildung einbezogen.

Bildbeschreibung: In einem hellen Seminarraum an einer Pädagogischen Hochschule folgt eine Gruppe von 17 angehenden Lehrerinnen einer stark theorieorientierten Vorlesung. Während die Dozentin abstrakte Modelle der Lernmotivation präsentiert, arbeiten einige Studierende bereits an eigenen praxisbezogenen Unterrichtsunterlagen. Der sichtbare Kontrast zwischen theoretischer Präsentation und schulnaher Planung verdeutlicht die fehlende Praxisnähe der Ausbildung. Das Bild unterstreicht den Reformbedarf in der Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen. [fiktives Bild]

Politische Verantwortung, Steuerung und Finanzierung

Der Bericht des Regierungsrates zur PH FHNW sowie der Beschluss der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission anerkennen den bestehenden Handlungsbedarf. Dass die Situation politisch aufgegriffen wird, ist unabdingbar. Die vorgesehenen Massnahmen bleiben jedoch zu wenig verbindlich und greifen zu kurz, um die strukturellen Probleme nachhaltig zu beheben.

Die PH FHNW ist eine interkantonale Institution, wofür die vier Trägerkantone gemeinsam in Verantwortung für die Qualität der Ausbildung, für klare strategische Vorgaben und für eine wirksame politische Steuerung sind. Reformen dürfen nicht allein der internen Hochschulentwicklung überlassen werden. Es braucht eine klare politische Führung und verbindliche Erwartungen an die Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen.

Zusätzlich verschärft die anhaltende Sparpolitik die bestehenden Probleme. Der Stellenabbau reduziert die individuelle Begleitung der Studierenden und schwächt insbesondere die Praxisbegleitung. Weniger personelle Ressourcen führen zu grösseren Gruppen, weniger Zeit für Beratung und geringerer Unterstützung im Praktikum.

Reform statt Flickwerk

Die Ausbildung von Lehrpersonen muss konsequent am Schulalltag ausgerichtet sein. Praxisnahe Ausbildung, eine enge und verbindliche Zusammenarbeit mit den Schulen sowie eine starke Begleitung im Studium müssen zentrale Leitprinzipien werden. Notwendig sind klare Strukturen, verständliche Abläufe und eine verbindliche Rückmeldekultur, in der Kritik ernst genommen und sichtbar in Verbesserungen umgesetzt wird. Studierende müssen als Partner/-innen in der Weiterentwicklung der Ausbildung anerkannt werden.

Nur mit einer umfassenden Reform kann die PH FHNW ihrer zentralen Rolle für eine starke Volksschule gerecht werden. Gute Schulen brauchen gut ausgebildete Lehrpersonen. Dafür braucht es eine Pädagogische Hochschule, die Verantwortung übernimmt, sich grundlegend verändert und die langfristige Qualität der Volksschule in den Mittelpunkt stellt.

Weniger Leerlauf mehr Praxis: Wo die PH wirklich sparen sollte, 26.01.2026 von Kathrin Zimmermann

Die Pädagogische Hochschule PH der FHNW plant einen grossen Umbau und will jährlich rund fünf Millionen Franken einsparen. Bis zu 40 Stellen sind betroffen. Offiziell ist von Innovation, Qualität und Zukunftsfähigkeit die Rede. Gleichzeitig erhält die SSbB seit Jahren kritische Rückmeldungen von Studierenden. Sie berichten von praxisfernen und wenig motivierenden Lehrveranstaltungen, deren Nutzen für den späteren Unterricht begrenzt ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die geplanten Sparmassnahmen dort ansetzen, wo sie sinnvoll sind.

Die PH der FHNW steht unter finanziellem Druck. Ein strukturelles Defizit zwingt sie zur Reorganisation von Strukturen und Studienangeboten. Sparen ist grundsätzlich möglich und teilweise notwendig. Entscheidend ist jedoch, welche Bereiche gekürzt werden und welche Auswirkungen dies auf die Qualität der Ausbildung hat.

Teure Lehrveranstaltungen ohne Mehrwert

Seit Jahren schildern Studierende Lehrveranstaltungen, die als wenig sinnvoll erlebt werden. Inhalte bleiben abstrakt, wiederholen Bekanntes oder stehen kaum in Bezug zur schulischen Praxis. Solche Angebote tragen wenig dazu bei, angehende Lehrpersonen auf den Berufsalltag vorzubereiten.

Genau hier liegt ein zentrales Sparpotenzial. Werden Lehrveranstaltungen gestrichen oder überarbeitet, die keinen erkennbaren Mehrwert bieten, lassen sich Mittel einsparen, ohne die Ausbildung zu schwächen. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der Module oder Parallelangebote, sondern deren inhaltlicher Nutzen für den künftigen Unterricht vor einer Schulklasse.

Studium mit weniger Leerlauf

Viele Studierende wünschen sich eine klar strukturierte Ausbildung mit stärkerem Praxisbezug. Statt Pflichtveranstaltungen ohne erkennbaren Mehrwert braucht es mehr Zeit für Unterrichtsplanung, Praxisreflexion und den Umgang mit Schüler/-innen. Eine gute Ausbildung zeigt sich nicht in möglichst vielen Modulen, sondern in deren Qualität und Relevanz für den späteren Beruf.

Die angekündigte Reorganisation bietet die Chance, den Studienalltag spürbar zu verbessern, vorausgesetzt sie orientiert sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Studierenden.

Qualität statt pauschaler Kürzungen

Dass im Rahmen der Sparmassnahmen 30 bis 40 Stellen betroffen sind, ist nicht automatisch problematisch. Sinnvoll kann ein Stellenabbau dann sein, wenn er mit einer kritischen Überprüfung der Inhalte verbunden ist. Problematisch wird es jedoch, wenn Kürzungen pauschal erfolgen, ohne zwischen qualitativ wertvollen und wenig hilfreichen Angeboten zu unterscheiden.

Studierende erwarten eine Ausbildung, die sie befähigt, guten Unterricht zu leisten. Die aktuelle Umstrukturierung bietet die Gelegenheit, bekannte Schwächen gezielt anzugehen und Sparen mit einer echten Qualitätsverbesserung zu verbinden.

Die Pädagogische Hochschule schafft generelle Präsenzpflicht ab, 08.01.2025 von Lena Bubendorf

Die Pädagogische Hochschule PH FHNW steht seit Jahren unter starker Kritik, die Umfrageergebnisse bei Studierenden sind besorgniserregend: Die Hauptkritikpunkte sind geringe Studierendenfreundlichkeit, ungenügende Vorbereitung auf den Lehrberuf, chaotisches Einschreibverfahren und wenig praxistaugliche Lerninhalte.

Die Direktionsleitung reagiert nun mit der Abschaffung der generellen Präsenzpflicht, einer Forderung der Starken Schule beider Basel (SSbB).

Gemäss Dokumenten, die der Starken Schule beider Basel (SSbB) vorliegenden, informierte Guido Mc Combie, Direktor der PH FHNW, die Studierenden über Anpassungen der Präsenzpflicht. Abklärungen hätten unter anderem gezeigt, «dass die PH eine höhere Präsenz verlangt als die anderen Hochschulen der FHNW. Aus diesem Grund hat der Direktionspräsident den Direktor der PH beauftragt, die generelle Präsenzpflicht im heutigen Sinn auf das Studienjahr 25/26 aufzuheben und die Präsenz nur noch dort einzufordern, wo sie didaktisch begründbar ist und überall dort zu lockern, wo dies möglich ist». Somit wird eine wichtige Forderung der SSbB und der Studierenden erfüllt.

SSbB und Studierende begrüssen den Entscheid

Die SSbB begrüsst, dass die Direktion auf die heftige Kritik der letzten Jahre nun reagiert und die allgemeine Präsenzpflicht abschafft. Die konkrete Umsetzung wird nun ausgearbeitet. Dies soll gemeinsam mit den Studierenden erfolgen, so McCombie, und das weitere Vorgehen werde den Instituten rasch kommuniziert.

Online-Angebote müssen realisiert werden

Eine wünschenswerte Möglichkeit für die Realisierung ist die Aufnahme und Übertragung der Vorlesungen und Seminare in Form von Podcasts. Diese alternative Lernmethode steht bereits an vielen Universitäten zur Verfügung. Vorlesungen und Seminare können so nicht nur live von einem anderen Ort aus verfolgt, sondern auch zu einem späteren Zeitpunkt angeschaut werden.

Dies würde der PH FHNW eine Abschaffung einer Obergrenze für die Teilnahme an Vorlesung und Seminaren ermöglichen, wodurch die Studierenden in ihrer Wahl nicht mehr eingeschränkt wären. Kurse müssten zudem nicht mehr doppelt angeboten werden, wenn viele Studierende sich für diese einschreiben. Dies würde zu einer beträchtlichen Kosteneinsparung führen. Insgesamt wären die Studierenden dadurch deutlich flexibler und könnten bereits während des Studiums kleine Teilpensen an den Schulen übernehmen und damit Terminkollisionen vermeiden. Dies wäre auch ein Beitrag, um dem akuten Lehrpersonenmangel entgegenzuwirken.

Gleichzeitig wirken die Podcasts vielversprechend für ein effizienteres Lernen. Das Vor- und Zurückspulen sowie die Pausenfunktion gestatten den Studierenden Unklarheiten direkt aufzugreifen, qualitativ hochstehende Notizen zu machen und somit ein tiefergreifendes Verständnis für die Materie zu erzielen.

Landrat behandelt zahlreiche Vorstösse zur PH FHNW, 26.12.2024 von Lena Bubendorf

Die Pädagogische Hochschule PH FHNW ist seit Jahren unter starker Kritik, die Umfrageergebnisse bei Studierenden gar besorgniserregend: Die Hauptkritikpunkte sind geringe Studierendenfreundlichkeit, ungenügende Vorbereitung auf den Lehrberuf, chaotisches Einschreibverfahren und wenig praxistaugliche Lerninhalte. Folglich erregte dieses miserable Ergebnis politisches Aufsehen. Verschiedene Bildungspolitiker/-innen von links und rechts reichten in den beiden Basel politische Vorstösse zur PH FHNW ein.

In Baselland findet die erste Landratssitzung im neuen Jahr am 16. Januar 2025 statt. Auf der Traktandenliste befinden sich gleich neun parlamentarische Vorstösse zur PH FHNW:

  • Interpellation «Die pädagogische Hochschule der FHNW in der Kritik», von Landrätin Ursula Wyss: Ausbildungskapazität, Probleme bezüglich Modulwahl und daraus resultierend ungewollt verlängertes Studium.
  • Postulat «Studierenden der PH FHNW soll das Anrecht auf ihre Kurswahl zustehen», von Landrätin Anita Biedert: Änderung des Anmeldeverfahrens, sodass Studierende das Anrecht haben, Kurse ihrer Wahl zu besuchen. Zudem sollen Kurse auch online verfolgt werden können damit keine Beschränkung der Anzahl Kursteilnehmenden mehr nötig ist. Die Präsenzpflicht soll aufgehoben werden.
  • Postulat «Sekundarlehrpersonenausbildung nach Leistungsniveau A/Kleinklasse respektive Niveau E/P differenzieren», von Landrätin Anita Biedert: Die Ausbildung der Sekundarlehrpersonen soll abhängig davon erfolgen, ob die Lehrpersonen künftig das Leistungsniveau A und Kleinklassen oder die Niveaus E und P unterrichten. Dabei soll der heutige integrative Ausbildungsweg zur Lehrberechtigung für das Niveau A und die Kleinklassen führen und der konsekutive Ausbildungsweg zur Lehrberechtigung für die Niveaus E und P. Die integrative Ausbildung besteht aus einer vierjährigen Ausbildung an der PH, während die konsekutive Ausbildung eine dreijährige fachliche Ausbildung an der Universität umfasst, gefolgt von einer kurzen pädagogischen Ausbildung an der PH.
  • Postulat «PH verbessern: Stärkere Zusammenarbeit der Pädagogischen Hochschule mit den Ausbildungsschulen zur Vorbereitung auf den Berufsalltag», von Landrat Ernst Schürch: Studierende sollen genügend gut auf den Berufsalltag (bspw. Elterngespräche) vorbereitet werden, dazu wird eine stärkere Zusammenarbeit und gegebenenfalls eine Aufgabenübertragung zwischen der PH und den Ausbildungsschulen verlangt.

Postulat «PH verbessern: Tandemdozierende an der PH FHNW», von Landrätin Miriam Locher: Tandems aus einer Fachperson der Pädagogischen Hochschule und einer Fachperson aus der Schule im Fachdidaktikunterricht einsetzen, damit Dozierende die Schnittstelle zwischen Volksschule und PH aktiv begleiten können. Dies ermöglicht eine praxisnähere Ausbildung.

Motion «PH verbessern: Mehr Praxisbezug im Lehrkörper der PH FHNW», von Landrat Jan Kirchmayr: Der Artikel 20 des EDK-Reglements soll überarbeitet werden, damit keine Dozierenden ohne pädagogische Erfahrung und Ausbildung eingestellt werden können.

Postulat «PH verbessern: Belegungssystem PH FHNW überarbeiten», von Landrat Roman Brunner: Das Belegungssystem mit anderen pädagogischen Hochschulen in der Schweiz vergleichen und auf die Verbesserung dieses Belegungssystems hinwirken.

Postulat «PH verbessern: Praktikadauer an der PH FHNW», von Landrätin Miriam Locher: Die Verkürzung der Praktika soll verhindert werden.

Postulat «PH verbessern: Schulleitungsausbildung überarbeiten», von Landrat Jan Kirchmayr: Die Ausbildung der Schulleitung ist nicht nach Schulstufen gegliedert und die Fokussierung im Personalrecht ist zu schwach. Dies soll angepasst werden.

Bildungspolitische Vorstösse üben Druck auf die PH FHNW aus, 02.11.2024 von Anahi Sidler

Die Pädagogische Hochschule PH FHNW gerät zunehmend unter Druck. Immer deutlicher wird die Kritik in der Politik; bildungspolitische Vorstösse, die die PH FHNW in den unterschiedlichsten Bereichen stark kritisieren, nehmen zu. Diese Entwicklung zeigt sich auch im Kanton Baselland. Die Sozialdemokratische Partei (SP) hat an der vergangenen Landratssitzung vom 17. Oktober 2024 fünf Vorstösse eingereicht.

  • Der erste Vorstoss von Landrat Jan Kirchmayr (SP) thematisiert den zu geringen oder gar völlig fehlenden Praxisbezug. Weiter kritisiert er, dass die Hürden, um die Lehrberechtigung zu erlangen, teilweise gross sind; beispielsweise mit der Absolvierung eines zusätzlichen Masterstudiums. Im Vorstoss fordert er, dass das Reglement über die Anerkennung von Lehrberufen überarbeitet wird.
  • Ein weiterer Vorstoss von Landrat Roman Brunner (SP) bezieht sich auf ein Thema, welches auch die Starke Schule beider Basel (SSbB) seit geraumer Zeit beschäftigt. Der Vorstoss beruft sich auf das komplizierte Belegungssystem der PH FHNW; ein System, welches erhebliche Probleme mit sich bringt. Nicht allen Studierenden ermöglicht das Anmeldeverfahren, sich für ihr Studium benötigte Module einzuschreiben. Dazu kommt, dass das System auch technische Fehler aufweist. Der Landrat fordert deshalb, das Belegungssystem zu überprüfen und mögliche Alternativen und Verbesserungen in Erwägung zu ziehen.
  • Der dritte Vorstoss von Landrat Ernst Schürch (SP) befasst sich damit, die Studierenden besser auf den Schulalltag vorzubereiten. Der Studienalltag ist zu wenig auf die effektive Berufspraxis fokussiert und führt dazu, dass die Studierenden nicht genügend auf den Alltag als Lehrperson vorbereitet sind. Ernst Schürch fordert deshalb, dass die Ausbildung der Lehrpersonen stärker auf den effektiven Berufsalltag ausgerichtet werden sollte.
  • Der vierte Vorstoss von Landrätin Miriam Locher (SP) bemängelt die fehlende Zusammenarbeit zwischen der PH und den Ausbildungsschulen, insbesondere die Thematik der Tandemdozierenden. Kritisiert wird, dass die Dozierenden der PH vermehrt nicht mehr an Schulen unterrichten, womit allmählich der Praxisbezug verloren geht. Es ist wichtig, dass es eine Schnittstelle zwischen der effektiven Volksschule und der Pädagogischen Hochschule gibt. Die Landrätin fordert den Regierungsrat auf zu prüfen, inwiefern eine solche Art von Tandem in Zukunft aussehen könnte.
  • Auch die Praktikumsdauer der PH FHNW wird von der Landrätin Miriam Locher (SP) in einem fünften Vorstoss kritisiert. Sie betont, dass die Zeitdauer des Praktikums vermehrt verkürzt wird, was zu einer schlechteren Ausbildung der Studierenden führt. Der Regierungsrat wird dementsprechend gebeten, eine Verkürzung der Praktika zu verhindern.
  • Der sechste bildungspolitische Vorstoss von Landrat Jan Kirchmayr (SP) thematisiert die Ausbildung von Schulleitungspositionen. Jan Kirchmayr macht darauf aufmerksam, dass die Ausbildung für angehende Schulleitungspositionen zu allgemein gehalten wird, da sie für jede Schulstufe dasselbe beinhaltet. Zusätzlich plädiert er für eine Fokussierung der entsprechenden Module. Der Regierungsrat wird dementsprechend aufgefordert, die Ausbildung für angehende Schulleitungen zu überprüfen.

In vergangenen Landratssitzungen wurden auch bereits von bürgerlicher Seite mehrere Vorstösse eingereicht, die heftige Kritik an der Pädagogischen Hochschule äussern. Mit den Vorstössen der Sozialdemokratischen Partei wird die PH FHNW von links und rechts zum Handeln aufgefordert und der Druck auf die Hochschule spitzt sich immer mehr zu.

Die SSbB unterstützt die Einreichung dieser Vorstösse und fordert Parlament und Regierung zu zeitnahen Entscheidungen auf.

Studierende üben heftige Kritik an der PH FHNW, 18.10.2024 von Jürg Wiedemann

Seit Jahren schneidet die Pädagogische Hochschule PH FHNW in Umfragen schlecht ab. Die Kritik der Studierenden ist heftig: «katastrophale Zustände» ,«ineffiziente Abläufe», «nicht umsetzbare und wenig hilfreiche Lerninhalte», «chaotisches Einschreibeverfahren», «wenig studierendenfreundlich», «nicht ausreichend auf den Lehrberuf vorbereitend», «schlechte Kommunikation» — so die deutlichen Worte der Studentinnen und Studenten.

Die folgenden  Aussagen, die im Wortlaut wiedergegeben werden, sind von Studierenden und ehemaligen Studierenden der PH FHNW  2024 gemacht worden und liegen der Starken Schule beider Basel (SSbB) vor.

Zitate von Studierenden und ehemaligen Studierenden der PH FHNW

  • «In gewissen Modulen werden den Studierenden Dinge beigebracht, die in der Praxis nicht umsetzbar sind. Die Praxisnähe und was wir lernen im Studium wird auch stark von den Praxislehrpersonen kritisiert. In ihren Augen kommen wir Studierenden von Jahrgang zu Jahrgang schlechter vorbereitet in die Praktika.»
  • «Das Studium ist insgesamt sehr akademisch und theoretisch aufgebaut. Ich fände es gut und wichtig, wenn nebst Praktika auch Module mit ausführlichem Kommunikationstraining angeboten würden.»
  • «In der gesamten Ausbildung zur Lehrperson wird die Elternarbeit nie angesprochen. In meinem Arbeitsalltag nimmt die Elternarbeit etwa 20% des Arbeitspensums ein. Es wäre daher sehr hilfreich, wenn wir im Studium bereits eine Vorstellung oder eine Idee mitbekommen hätten, wo beispielsweise die Schwerpunkte liegen sollten an einem Elternabend, oder wie ein Elterngespräch (Standortgespräch) strukturiert werden kann. Mit welchen Mitteln ein Standortgespräch gestaltet werden könnte. Eventuell auch, welches unsere Rechte sind, falls Eltern mit rechtlichen Schritten drohen.»
  • «Das Studium der PH FHNW lässt sich nicht wirklich mit der Tätigkeit als Lehrperson vereinbaren.»
  • «Viele Module werden leider als reine Frontal/Vorträge gestaltet.»
  • «Niveau A braucht andere Fähigkeiten als Niveau P. Dem wird die PH nicht gerecht.»
  • «Die FHNW hat zu wenig Praxislehrpersonen. Daher sind sie froh um jede Praxislehrperson, die den Job macht. Wie gut die Praxislehrperson ist, wird von der FHNW jedoch nicht kontrolliert. Es gibt Praxislehrpersonen, die uns während unserer geplanten Lektionen allein gelassen haben, Elterngespräche in dieser Zeit durchführten, in ein verlängertes Wochenende gefahren sind während unseres Praxistages und uns anschliessend noch Feedback gegeben haben, ohne dass sie uns richtig zugesehen hat. Es gibt eine Praxislehrperson, die uns alle Tage im 3-wöchigen Basispraktikum unterrichten hat lassen, obwohl dies nicht unser Auftrag war. Nachdem wir sie darauf angesprochen haben, hat sie uns gedroht, dass wir in Erinnerung behalten sollen, dass sie entscheidet, ob wir das Praktikum bestehen oder nicht. Nach den Praktika erfolgt eine Online-Evaluierung über die Praxislehrperson. Den Namen der Praxislehrperson wollte die FHNW jedoch nicht wissen. Trotz dem sehr negativen Feedback über die Praxislehrperson und der Angabe unserer Kontaktdaten, kam die FHNW nie auf uns zu. Dementsprechend fühlten wir uns nicht sehr ernst genommen.»
  • «Ich fühle mich zu wenig auf den Lehrberuf vorbereitet (keine Ahnung von Elternarbeit oder Arbeit im pädagogischen Team, Umgang mit herausfordernden SuS, pädagogischer Diagnostik, Erstellung von Zeugnissen usw.).»
  • «Im Grundstudium in der Modulgruppe EWBU (Erziehungswissenschaften Bildung und Unterricht) mussten wir 9 Pädagogen und ihre Philosophien lernen. Ja, es ist wichtig zu wissen, woher gewisse Ansätze der Pädagogik herkommen. Bringt es mir aber etwas dieses ganze Wissen für eine Prüfung auswendig lernen zu müssen und an einer 30’ Prüfung wieder auszuspucken, ohne zu lernen, wie ich diese Ansätze in der Praxis umsetzten kann? Ein weiteres Beispiel ist ein Modul, das wir ebenfalls im Grundstudium besuchen mussten und zur Modulgruppe EWIL (Erziehungswissenschaften Individuum und Lebenslauf) gehört. In diesem Modul ging es um das Kindeswohl. Grundsätzlich sehr wichtiges Thema für mich als Lehrperson. Wir haben jedoch ein halbes Jahr Texte gelesen und dazu Verständnisfragen beantwortet und das Modul mit einem wissenschaftlichen Kommentar beendet. Uns wurde in diesem Modul nicht erklärt, auf welche Institutionen wir zugehen sollen oder müssen, wenn das Kindeswohl nicht gewährleistet ist, und wie wir uns als Lehrperson verhalten sollen.»
  • «Von all den Lerninhalten, die ich gelernt habe, kann ich im Beruf vielleicht 10% davon benutzen.»
  • «Während des Studiums lernen wir die Institutionen, die essenziell für unseren Arbeitsalltag sind, nicht kennen. Solche Institutionen sind z.B. Fachstelle für Psychomotorik, Logopädie, Schulsozialarbeit, Schulpsychologischer Dienst etc.»
  • «Es ist nicht vertretbar, von den Studierenden 8 Wochen Sprachaufenthalt zu verlangen.»
  • «Als Person über 30 bereitet mir das Studium finanzielle Sorgen. Ich arbeite zu 30%, während ich das Studium Vollzeit absolviere.»
  • «Die PH kommuniziert undifferenziert, und daher ist es in der E-Mail- und Informationsflut schwierig, keine relevanten Informationen zu verpassen.»
  • «Vielen Dozenten ist es wichtig, dass wir ihre veröffentlichten Papers und Texte lesen oder mit ihren Materialien arbeiten, die durch sie veröffentlicht wurden. Daher sind die Module in einem Thema dann auf eine Richtung beschränkt, da das Modul so ausgelegt ist, dass die Materialien des/der Dozierende/n benötigt und benutzt werden. Werbung in eigener Sache steht über dem breiteren fachlichen Wissen.»
  • «Während des ganzen Studiums lernen wir im Bereich der Entwicklungspsychologie sehr sehr wenig.»
  • «Wir arbeiten jeden Tag mit Kindern, die inmitten einer Entwicklungsphase stecken und wissen nicht wie diese Phase heisst, was charakteristisch ist für diese Phase oder wie wir die Kinder in dieser Phase unterstützen können. Natürlich können die Kinder nicht in Schubladen gesteckt werden. Trotzdem wäre es sehr hilfreich zu wissen, welche Dinge die Kinder gerade entwickeln und was sie brauchen oder sie gerade überfordert. Die Basics der Entwicklungspsychologie wären für unseren Alltag sehr von Vorteil, um adäquat auf das Kind zu reagieren und es mit Handlungen unsererseits nicht zu frustrieren.»
  • «Informationen (Praktika, Modulübersicht, An-/Abmeldung, Bachelor etc.) kommen oft zu knapp oder gar zu spät.»
  • «Die PH ist so unorganisiert und löst einen extremen Stress für uns Studierende aus.»
  • «Der organisatorische Aufwand an der PH Muttenz ist zu gross. So geht ein grosser Teil meiner Studienzeit für die Organisation und Administration drauf.»
  • «Es ist sehr schlecht, dass die Benotung der Module nach der ersten Belegungsphase stattfindet. So kann man ja gar noch nicht wissen, ob man die Module bestanden hat.
  • «Die Einschreibung, bevor die Stundenpläne der meisten Schulen definitiv sind, machen das Arbeiten an der Schule schwieriger und verlängern die Studienzeit.»
  • «Das Belegungsfenster sollte auf jeden Fall früher öffnen und schliessen, sodass nicht alle irgendwann in den Ferien sich damit herumschlagen müssen.»
  • «Ich sehe nicht, wie ich mein Studium definitiv in den drei vorgesehenen Jahren abschliessen soll.»
  • «Während des Einschreibens werden Studierende aus dem Heilpädagogikstudium, Studierende aus dem Sozialpädagogikstudium oder aus anderen Studienstandorten so bevorzugt. Bedeutet, dass sie bereits definitiv eingeschrieben sind, bevor die regulär Studierenden (aus Muttenz) sich einschreiben dürfen. Bedeutet: Wenn das Anmeldeportal aufgeht, sind von 25 Plätzen bereits 5 vergeben und ca. 150 Studierende kämpfen darum einen Platz in diesem Modul zu bekommen.»
  • «Von meiner Seite aus kann ich sagen, dass mich das ESP jedes Mal enorm stresst, weil ich Angst habe, die Module, die ich gerne belegen würde oder müsste, gar nicht besuchen zu können. Ich finde es tragisch, dass man darum kämpfen muss, dass man überhaupt Vollzeit an dieser Hochschule studieren kann.»
  • «In den meisten Modulen können sich ca. 25 Studis einschreiben, was einfach viel zu wenig ist.»
  • «Es kann nicht sein, dass sich über 50 Personen für ein Modul anmelden und es bei der Nachbelegungsphase nur 2-3 Plätze mehr gibt.»
  • «Das ganze ESP sollte geändert werden. Es sollte eine normale Anmeldung geben, ohne auf die Warteliste zu rutschen.»

Handlungsbedarf ist angezeigt

Seit Jahren ist die PH FHNW der gleichen Kritik ausgesetzt. Zwar beteuert die Direktionsleitung mantramässig, die Kritikpunkte ernst zu nehmen und nachhaltige Veränderungen anstreben zu wollen. Relevante Verbesserungen stellen sich jedoch keine ein.

Die mit vielen Steuermillionen alimentierte Bildungsinstitution PH FHNW muss sich bewusst sein, dass sie eine Dienstleistung für die Studierenden zu erbringen und nicht eine selbstherrliche, von einer bestimmten Ideologie getriebene Schaltzentrale zu sein hat. Handlungsbedarf ist angezeigt: Erste politische Vorstösse sind im Baselbieter Landrat bereits eingereicht worden.

Einerseits soll das heutige Anmeldeverfahren grundsätzlich in dem Sinne geändert werden, dass Studierende grundsätzlich ein Anrecht darauf haben, die Kurse ihrer Wahl besuchen zu können. Die heutige Präsenzpflicht soll zudem, abgesehen von einzelnen Ausnahmen, aufgehoben werden.

Andererseits soll die Ausbildung der Sekundarlehrpersonen differenziert erfolgen. Dies sollte abhängig davon geschehen, ob die Lehrpersonen künftig das allgemeine Leistungsniveau und Kleinklassen unterrichten oder ob sie hauptsächlich die beiden fachlich anspruchsvolleren Niveaus E (erweitertes Niveau) und P (progymnasiales Niveau) unterrichten.

Eine hohe Ausbildungsqualität erreicht die PH FHNW keinesfalls durch eine strukturelle Gängelung der Studierenden, welchen unnötigerweise Steine in den Weg gelegt werden.  Den angehenden Lehrpersonen soll eine sehr gute praxisorientierte Ausbildung ermöglicht werden. Für den Lehrberuf wenig hilfreiche Lerninhalte und Leerläufe gilt es zu streichen. Dadurch kann zudem die Ausbildungszeit ohne Qualitätsverlust reduziert werden, sodass die angehenden Lehrpersonen auch bereits Stellvertretungen und Kleinpensen übernehmen können.

Es liegt auf der Hand: Eine inhaltlich, didaktisch und strukturell unzureichende Ausbildung der künftigen Lehrpersonen an der PH FHNW schlägt sich unmittelbar auf die Qualität des Unterrichts an den verschiedenen Schulen nieder, an denen die Lehramtskandidierenden später unterrichten werden. Wenn man möchte, dass die Unterrichtsqualität an den öffentlichen Schulen insgesamt nicht noch weiter abnimmt oder idealerweise sich wieder verbessert, dann ist zuallererst bei der Ausbildung der künftigen Pädagoginnen und Pädagogen anzusetzen.

Studierende der PH FHNW soll das Anrecht auf ihre Kurswahl zustehen, 03.09.2024 von Anahi Sidler

Die Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) steht seit vielen Jahren in der Kritik. Neben praxisfernen Lerninhalten, wird auch das Anmeldeverfahren für die Module bemängelt. Am 12. September reicht Landrätin Anita Biedert einen in Zusammenarbeit mit der Starken Schule beider Basel (SSbB) erarbeiteten Vorstoss ein. Gefordert wird eine grundsätzliche Änderung des Anmeldeverfahrens. Neu sollen die Studierenden ein Anrecht zum Besuch der Kurse ihrer Wahl haben.

Wortlaut des Vorstoss

«Seit vielen Jahren schneidet die Pädagogische Hochschule (PH) der FHNW bei Umfragen ungenügend ab. Die Kritikpunkte sind stets dieselben: Praxisferne Lerninhalte mit unergiebigen, zeitaufwändigen Arbeitsaufträgen, wenig studierendenfreundlich, desaströse organisatorische Zustände, chaotisches Einschreibeverfahren, Dozierende, die über einen längeren Zeitraum nicht mehr an einer Schule (Primarstufe/Sekundarstufe I/Sekundarstufe II) unterrichtet haben.

Auch die jüngste, fundiert durchgeführte Umfrage einer Gruppe von Studierenden bestätigt einmal mehr: Die PH FHNW ist keine gute Hochschule. Aufgrund der sehr hohen Beteiligung von 823 Studierenden sind die Umfrageergebnisse, die von der Starken Schule beider Basel im August publiziert wurden, sehr aussagekräftig: Lediglich 13.7% der an der Umfrage teilnehmenden Studierenden erachtet die PH als gute Hochschule. 58.3% sind mit der PH unzufrieden und würden diese nicht weiterempfehlen. 28.9% nahmen keine klare Haltung ein – siehe folgende Grafik.

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In einem offenen Brief fordern 105 Studierende die Parlamentarier/-innen der beiden Basler Halbkantone auf, der «PH FHNW endlich auf die Finger zu schauen». Die «Zustände sind katastrophal und können so nicht hingenommen werden!».

Eines der zahlreichen Hauptprobleme ist seit vielen Jahren das Anmeldeverfahren. Viele Studierende können gewünschte Kurse nicht belegen, was nicht selten zu einer Verlängerung der Studienzeit und damit zu höheren Ausbildungskosten führt. Hintergrund ist, dass die PH oft eine nicht nachvollziehbare Beschränkung der Höchstzahl von Kursen festlegt, obwohl zusätzlicher Platz vorhanden wäre.

Der Regierungsrat wird gebeten, mit den anderen drei Trägerkantonen der PH FHNW das Gespräch zu suchen und darauf hinzuarbeiten, dass das Anmeldeverfahren möglichst umgehend in folgendem Sinne geändert wird: Studierende haben das Anrecht, Kurse ihrer Wahl zu besuchen. Den Studierenden wird ermöglicht, Kurse auch online zu verfolgen, um auch damit auf eine Beschränkung der Kursteilnehmerzahlen verzichten zu können. Zudem wird jegliche Präsenzpflicht vollständig aufgehoben.»

Vernichtende Umfrageergebnisse

Kürzlich publizierte die Starke Schule beider Basel die Umfrageergebnisse von Studierenden der PH. Das Resultat ist für die PH vernichtend. In mehreren Kantonen sind nun auch politische Vorstösse in Vorbereitung. Die Kantonsparlamente und Regierungen der vier Trägerkantone sind nun zum Handeln aufgefordert und die notwendigen Verbesserungen einzuleiten.

Studierende erteilen der PH FHNW eine knallende Ohrfeige, 19.08.2024 von Jürg Wiedemann

Seit vielen Jahren glänzt die Pädagogische Hochschule der Nordwestschweiz (PH FHNW) durch miserable Umfrageergebnisse. Die alljährlichen Beteuerungen der Hochschulleitung, nachhaltige Verbesserungen rasch umzusetzen, blieben stets leere Versprechungen. Auch die jüngsten Resultate einer breit angelegten Umfrage, die im Juli 2024 von einer Gruppe von Studierenden lanciert wurde, sind vernichtend. Die Umfrageergebnisse wurden der Starken Schule beider Basel (SSbB) heute zur Verfügung gestellt.

Ineffiziente Abläufe, praxisferne Lerninhalte, chaotisches Einschreibeverfahren, katastrophale Zustände, wenig studierendenfreundlich, nicht ausreichend auf den Lehrberuf vorbereitend, so die deutlichen Worte der Studierenden in der soeben durchgeführten Umfrage zu den Themen «Einschreibeverfahren», «Lerninhalte», «Organisatorische Abläufe», «Allgemeine Zufriedenheit». Den Studierenden wurden verschiedene Aussagen unterbreitet, welche auf Richtigkeit beurteilt werden mussten.

823 Studierende nahmen an der Umfrage teil. Aufgrund dieser hohen Anzahl dürfen die Resultate als sehr aussagekräftig bezeichnet werden.

Deutliche Mehrheit erachtet die PH FHNW als schlechte Hochschule

Die Aussage «Ich kann die PH FHNW als gute Hochschule weiterempfehlen» bewerten 58.3% (roter und oranger Balken) als unzutreffend. Lediglich 13.7% (hellgrüner und grüner Balken) befürworten die Aussage, 27.9% (grauer Balken) nehmen dazu eine neutrale Haltung ein

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Die Studierenden hatten die Möglichkeit, verschiedene Massnahmen anzukreuzen, mit welchen die heute unbefriedigende Ausbildung der PH FHNW verbessert werden soll: Folgende Verbesserungsvorschläge wurden von jeweils mehr als 400 Studierenden angegeben:

  • Mehr praxisbezogene Inhalte
  • Mehr Flexibilität bei der Kurswahl (z.B. Online-Optionen)
  • Erhöhung der Kurskapazitäten
  • Technische Stabilität des Einschreibeportal
  • Besserer Support und Kommunikation seitens der Pädagogischen Hochschule

Deutliche Kritik an den Lerninhalten

Um an unseren Schulen (Primarstufe und Sekundarstufe I + II) eine hohe Bildungsqualität zu erreichen, sind neben einer guten Infrastruktur, sinnvollen Stundentafeln und Lehrplänen insbesondere motivierte und qualifiziert ausgebildete Lehrpersonen massgebend. Um letzteres zu erreichen, sind die Pädagogischen Hochschulen besonders gefordert, den angehenden Lehrpersonen relevante und praxisnahe Lerninhalte zu vermitteln. Genau in diesem entscheidenden Punkt versagt die PH FHNW deutlich. Die Unzufriedenheit der Studierenden ist beachtlich:

53.2% (roter und oranger Balken) erachten die Lerninhalte als nicht relevant und nicht praxisnah. Nur 14.7% stufen diese als relevant und praxisnah ein, während 32.2% dazu eine neutrale Haltung einnehmen.

Eine deutliche Mehrheit fühlt sich durch die Ausbildung an der PH FHNW ungenügend auf den Lehrerberuf vorbereitet.

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Intransparentes und chaotisches Anmeldeverfahren fällt auf ganzer Linie durch

Möchten Studierende eine Vorlesung oder ein Seminar besuchen, müssen Sie sich einschreiben. Die Angemeldeten werden anschliessend gemäss verschiedener Kriterien sortiert, wobei häufig nur ein Bruchteil der Studierenden den gewünschten Kurs besuchen kann. Eines der Kriterien, welches die Reihenfolge stark beeinflusst, sind die sogenannten «Gewichtspunkte»: Jede Studentin und jeder Student hat pro Semester 20 Gewichtspunkte zur Verfügung, die auf die verschiedenen Kurse verteilt werden können. Je mehr Punkte auf einen Kurs gesetzt werden, desto grösser ist die Chance, diesen Kurs auch absolvieren zu können.

Der Kritikpunkt der Studierenden ist nun, dass teilweise bis zu 10 Gewichtspunkte auf einen Kurs gesetzt werden müssen, um in der Rangordnung genügend weit oben gelistet zu werden, damit der Kurs sicher besucht werden kann. Die Krux der Sache: Bei einem Vollzeitstudium müssen bis zu 14 Kurse pro Semester belegt werden.

Das komplizierte und wenig transparente Einschreibeverfahren sowie ein Systemabsturz während dem Anmeldezeitfenster führte dazu, dass sich zahlreiche Studierende nur für wenige Vorlesungen und Seminare anmelden konnten und deswegen eine Verlängerung des Studiums und damit deutlich höheren Ausbildungskosten befürchten müssen. Verständlich, dass dieses Anmeldeverfahren bei den Studierenden auf ganzer Linie durchfällt:

70.8% der Umfrageteilnehmenden bewerten das aktuelle Einschreibeverfahren als «sehr schlecht» oder «eher schlecht». Nur 8.7% beurteilen das Anmeldeprozedere mit «eher gut» oder «sehr gut». Rund ein Fünftel der Studierenden liegen mit ihrer Position in der Mitte.

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Von vielen Studierenden wird das Einschreibeverfahren «als problematisch» bewertet. Insbesondere «technische Probleme» während der Belegungsphase kritisieren zahlreiche Studierende ebenso, wie der «Platzmangel und den damit verbundenen Sorgen einer Studienverlängerung», wie die Organisatorinnen und Organisatoren der Umfragen schreiben.

61% der Studierenden befürchten aufgrund von Platzmangel oder technischen Problemen eine Verlängerung des Studiums. 39% glauben, das Studium im vorgesehenen Zeitrahmen abschliessen zu können.

Ineffiziente organisatorische Abläufe und unzureichende Unterstützung

Ein wesentlicher, jährlich wiederkehrender Kritikpunkt sind die organisatorischen Abläufe. Diese werden als «ineffizient und wenig studierendenfreundlich» empfunden. Ein «grosser Teil der Studierenden fühlt sich nicht rechtzeitig und umfassend informiert», wie die Organisatorinnen und Organisatoren der Umfrageauswertung schreiben.

Der Frage, ob die organisatorischen Abläufe «effizient und studierendenfreundlich» sind, widersprechen überdeutliche 74.5%. Nur 6.2% beurteilen die organisatorischen Abläufe positiv. 19.1% legen sich nicht fest.

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Für die PH FHNW ebenfalls wenig schmeichelhaft sind die Ergebnisse betreffend der Frage, ob die Hochschule die nötige Unterstützung bietet, um das Studium erfolgreich absolvieren zu können: Für 55.2% der Studierenden bietet die PH FHNW die notwendige Unterstützung nicht an. Nur 15.7% sind mit der Unterstützung zufrieden. 29.2% legten sich nicht fest.

Überforderte Chefetage der PH FHNW – nun muss die Politik reagieren

Seit Jahren ist die PH FHNW der gleichen Kritik ausgesetzt. Zwar beteuert die Direktionsleitung denn auch seit Jahren mantramässig, die Kritikpunkte ernst zu nehmen und nachhaltige Veränderungen anstreben zu wollen. Relevante Verbesserungen stellen sich jedoch keine ein. Die Chefetage muss sich die Frage einer allfälligen Überforderung gefallen lassen. Die mit vielen Steuermillionen alimentierte Bildungsinstitution PH FHNW muss sich bewusst sein, dass sie ein Dienstleistungsunternehmen für die Studierenden darstellt und keine selbstherrliche, ideologische Schaltzentrale.

Die jüngsten Umfrageergebnisse zeigen indes Wirkung: Erste politische Vorstösse mit der Forderung, das heutige Anmeldeverfahren grundsätzlich in dem Sinne zu ändern, dass Studierende das Anrecht haben, die Kurse ihrer Wahl besuchen zu können, sind bereits in der Vorbereitung. Auch die heutige 80-prozentige Präsenzpflicht in Seminaren muss hinterfragt werden: Sind diese interessant und lehrreich, werden sie auch ohne Präsenzpflicht von den Studierenden rege besucht. Nur langweilige Kurse mit für den Lehrberuf wenig hilfreichen Lerninhalten würden von den Studierenden gemieden.

Eine hohe Ausbildungsqualität erreicht die PH FHNW keinesfalls durch eine strukturelle Gängelung der Studierenden, welchen unnötigerweise Steine in den Weg gelegt werden. Die angehenden Lehrpersonen haben ein Anrecht, eine sehr gute praxisorientierte Ausbildung zu erhalten. Für den Lehrberuf wenig hilfreiche Lerninhalte und Leerläufe gilt es zu streichen. Dadurch kann die Ausbildungszeit ohne relevanten Qualitätsverlust reduziert werden.

Aufgabenfeld der Pädagogischen Hochschulen zusammenstreichen, 13.11.2022 von Daniel Wahl

In der von Pädagogen gemalten Schule der Zukunft bleiben traditionelle Bildungsinhalte wie Lesen, Schreiben und Mathematik auf der Strecke. Es soll eine individualisierte Schule ohne Noten sein – mit hohen Mitbestimmungsrechten von Schülern. Dieses Bild zeichnet eine Umfrage des Schulmuseums Bern zur Zukunft der Schule. Viele der Umfrageteilnehmer sind Pädagogen oder Studierende der Pädagogischen Hochschule Bern; sie haben das Umfragebild geprägt. (Der «Nebelspalter»: Pädagogen foutieren sich um Bedürfnisse der Wirtschaft)

Wäre die Umfrage von Berufsbildungsleuten oder Lehrlingen dominiert worden, sähe das Resultat anders aus. Diese geben an, an der Volksschule nur ungenügend «Lesen und Schreiben» gelernt zu haben.

Wegen der grossen Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Schulen und den Wünschen der Pädagogen wirft Sekundarlehrer Jürg Wiedemann, den Pädagogischen Hochschulen vor, statt die Lehrer auf die Arbeitswelt vorzubereiten, einen Egotrip zu veranstalten. Wiedemann ist Gründer des Netzwerkes «Starke Schule beider Basel». Monatlich erhält er mehrere Hinweise zu den Zuständen an den Pädagogischen Hochschulen.

Jürg Wiedemann, Sie haben am Montag im Nebelspalter kritisiert, dass es den hochdotierten Dozenten an den Pädagogischen Hochschulen (PH) vor allem darum geht, sich mit Forschung einen Namen zu machen, und dass diese sich an den Hochschulen kaum um traditionelle Bildungsinhalte kümmerten. Insofern hat Sie das Umfrageresultat der Plattform «Schule-Zukunft.ch» nicht überrascht. Wie kommen Sie zu einer solchen Einschätzung?

Wir bekommen den Zeitgeist mit, der an den Pädagogischen Hochschulen herrscht. Unsere Organisation erhält fast im Wochentakt Anrufe und Mails von Studentinnen und Studenten, die ihrem Ärger und Unmut über die Zustände an den PHs Luft verschaffen. Sie klagen über fehlende Strukturen, eine hohe Präsenzpflicht und darüber, dass ihnen der Unterricht an der Hochschule dennoch wenig bis nichts bringt. Sie würden kaum auf den Alltag im Klassenzimmer vorbereitet: Wie erteile ich eine gute und motivierende Unterrichtslektion? Wie erkläre ich den Schulstoff dem Alter der Kinder entsprechend verständlich? Was ist wichtig, um einen Elternabend kompetent und informativ durchzuführen? Wie löse ich Mobbingprobleme in einer Klasse? Darum geht es an den Hochschulen leider nicht, oder zumindest nicht prioritär.

Was kommt anstelle dieses Programms?

Die Studierenden werden mit vielen und auch unnötigen Themen lediglich oberflächlich konfrontiert. Die Kurse haben wenig Substanz. Sie müssen jedoch über alles Mögliche ausführliche Erläuterungen und Reflexionen schreiben und werden dadurch mit oft unsinnigen und wenig zielführenden Arbeitsaufträgen belastet. Für die tägliche Arbeit im Klassenzimmer ist das nicht tauglich und es stärkt auch nicht das Handwerk der angehenden Lehrperson.

Warum ist das so?

Für viele Dozierende hat das traditionelle Ausbilden der angehenden Lehrpersonen keine Priorität; und zwar in dem Sinne, dass die Studentinnen und Studenten das Rüstzeug bekommen, um traditionell, motivierend und zielführend unterrichten zu können. Weitaus grössere Vorlieben und Interessen haben die Dozierenden an der wissenschaftlichen Arbeit, am Entwickeln neuer Modelle und Reformen, um sich so auch einen Namen und ein Monument zu schaffen. Altes, Traditionelles zu fördern, verspricht kein Ansehen für die Nachwelt. Neues muss her, auch wenn Altes grössere Lernerfolge in den Klassenzimmern verspricht. So werden an den PHs teilweise abstrakte, nicht überprüfbare Reformen entwickelt, die nur den philosophischen und psychologischen Ansprüchen genügen. In den Schulzimmern sind solche Pilotprojekte selten auf ihre Wirksamkeit überprüft worden. Bei der Einführung von Frühfranzösisch beispielsweise gab es keine Zielsetzung, was prompt zum Debakel führte: Während rund zehn Jahren erhielten die Primarschulkinder einen frustrierenden und demotivierenden Französischunterricht, basierend auf einer völlig untauglichen Ideologie.

Um die Subventionen zu erhalten, müssen die PHs Forschung betreiben. Sie bezeichnen diese Disziplin an den Hochschulen für aufgeblasen und übertrieben. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Einerseits handelt es sich um einen Eindruck, den wir aufgrund der zahlreichen, wiederkehrenden Reklamationen der Studierenden erhalten haben. Andererseits lässt sich dies auch objektiv an den gigantischen, zeitliche Ressourcen messen, die in solche Forschungsarbeiten investiert werden, ohne dass diese Arbeit für das künftige Unterrichten im Schulzimmer einen praktischen, relevanten Gewinn bringen. Es macht den Anschein, dass viele Kurse nur deswegen geführt und die Studierenden zur Teilnahme mit Präsenzlisten gezwungen werden, um die PHs aufzublasen und damit hochbezahlte Stellen zu generieren.

«Die Studierenden an den PHs werden massenhaft mit Reflexionen beschäftigt, die wenig Nutzen für ihre künftige Arbeit im Klassenzimmer bringen.»

Die Vermittlung des Fachwissens – vor allem für Sekundarlehrpersonen – wird an den PHs hingegen vernachlässigt. Im Gegensatz zur Lehrerausbildung an den Universitäten oder den eidgenössischen technischen Hochschulen, an denen beispielsweise eine angehende Physik- oder Chemielehrperson eine fundierte Fachausbildung erhält, ist die Qualität und Quantität der Fachausbildung an den PHs um ein Vielfaches geringer. Die Studierenden an den PHs werden massenhaft mit Reflexionen beschäftigt, müssen in regelmässigen Abständen umfangreiche schriftliche Arbeiten abgeben, die belastend sind und wenig Nutzen für ihre künftige Arbeit im Klassenzimmer bringen. Auch die Dozierenden zeigen sich aufgrund der Flut von Arbeiten überlastet. Viele Dokumente ihrer Studierenden vermögen sie gar nicht mehr lesen. Ein Musterbeispiel zeigt dies auf bedenkliche Art: Ein Student der Fachhochschule Nordwestschweiz hat die Probe aufs Exempel gemacht und eine Word-Datei hochgeladen, die statt der geforderten fünfseitigen Abhandlung einer These nur ein einziges Wort enthielt. Seine Arbeit wurde angenommen, er erhielt die entsprechenden Credits.

Die Tatsache, dass sich Studenten bei der Starken Schule beider Basel melden, ist ein schlechtes Zeugnis für die Pädagogischen Hochschulen. Kritik müsste doch direkt adressiert werden.

Ja, unbedingt. Wenn wir Studierende, die bei uns ihren Frust abladen, darauf hinweisen, lautet der Standardsatz: «Solange ich an der PH bin, kann ich mir keine öffentliche Kritik leisten.» Das ist doch grotesk: Die angehenden Pädagoginnen und Pädagogen, die von ihren künftigen Schülerinnen und Schülern verlangen sollen, eine eigene Meinung zu bilden und diese auch unabhängig von der Meinung ihrer Lehrer vertreten, getrauen sich nicht, an der PH zu ihrer eigenen Meinung zu stehen. Sie haben Angst, schlechter benotet oder bei der Stellenwahl benachteiligt zu werden. Wir stellen fest, dass Studierende, die das Neue und das von den Dozenten Untergejubelte kritisch hinterfragen, kaltgestellt und unausgesprochen mit Repression bedroht werden. So lässt sich die unendliche Angst der Studierenden der PHs begründen. Deshalb üben sie Kritik – wenn überhaupt – nur hinter vorgehaltener Hand.

Für Kritik haben die Hochschulen ein Netz von Anlaufstellen für Beschwerden aufgebaut. Da ist es unverständlich, dass Kritik nicht platziert werden kann.

Das Sekretariatsteam der Starken Schule beider Basel erkennt aufgrund der um Hilfe suchenden Studierenden, dass ein nonverbaler Druck aufgebaut wird. Man gibt den Studierenden zu verstehen: «Pass auf, was Du auslöst.« Schon die Einladungen zu Gesprächen sind so formuliert, dass sie als Einschüchterung verstanden werden. Da ist kein offenes Gespräch möglich, um den Austausch auf Augenhöhe zu verbessern, im Sinne: «Komm sag mir mal, was nicht rund läuft.» Gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern im Kanton Basel-Stadt läuft das übrigens ähnlich. Es gibt eine Weisung vom Basler Erziehungsdepartement an die Lehrkräfte, wer wie auf Medienanfragen Auskünfte geben darf. Das Erziehungsdepartement spricht von Koordination. Als Kontrolle wird es an der Basis verstanden. Wenn solches durchgehend passiert, entsteht eine Angstkultur. Unter dem früheren Präsidenten der Erziehungsdirektoren, Nationalrat Christoph Eymann, war es noch bedenklicher. Er hat auch schon Lehrer, die sich öffentlich in Leserbriefen kritisch zum Basler Bildungssystem geäussert haben, auf sein Büro zitiert und ihnen unmissverständlich klargemacht, was er erwartet.

Sie haben Jahrgang 1960 und an der Universität in Basel studiert. War es damals anders?

Die Universität zwang die Studierenden nicht – so wie heute die PHs mit Präsenzkontrollen – die Vorlesungen zu besuchen. Die Professoren hielten interessante und lehrreiche Vorträge. Wenn sie es schlecht machten, blieben die Hörsäle leer, und die Vorlesung wurde im nächsten Jahr gestrichen. Heute ist in den Fachhochschulen alles reguliert und die Stelle des Dozenten abgesichert, egal, ob er gehaltvolle oder langweilige Inputs gibt. Studierende, die an den PHs mehr als zweimal ohne Arztzeugnis fehlen, müssen den gesamten Kurs im folgenden Jahr wiederholen. Man geht mit den angehenden Lehrpersonen um wie mit Schulkindern.

Wie sehen Ihre Lösungsansätze aus?

Das Aufgabenfeld der PHs sollte zusammengestrichen und auf das Wesentliche begrenzt werden. Dabei ist zwischen der Ausbildung der Primar- und der Sekundarlehrpersonen zu unterscheiden. Die Fachausbildung der Sekundarstufe 1 sollte der Pädagogischen Hochschulen entzogen und wieder den Universitäten und eidgenössischen Hochschulen übertragen werden. Die PHs müssten sich auf die methodisch-didaktische Ausbildung beschränken, mit verstärktem praxisorientierten Bezug: Wie bringe ich in einer ersten Sekundarschulklasse das Bruchrechnen den Lernenden motivierend und erfolgreich bei? Wie kann ich den Schülerinnen und Schülern auf eine nachhaltige Art den Subjonctif erklärten, sodass diese das Gelernte erfolgreich anwenden können?

«Die Pädagogischen Hochschulen müssten sich auf die methodisch, didaktische Ausbildung beschränken, mit verstärktem praxisorientierten Bezug.»

Beschränken sich die PHs auf das Wesentliche, so kann die methodische-didaktische Ausbildung ohne Qualitätsverlust auf ein Jahr beschränkt und auf ein Arbeitspensum von rund 50 Prozent beschränkt werden. Das gibt den angehenden Lehrpersonen Freiraum für die praktische Ausbildung an den Schulen. Sie wären in der Lage, bereits ein Teilpensum an einer Schule zu übernehmen, um erste konkrete Erfahrungen zu sammeln. Dadurch wäre gewährleistet, dass die Studierenden schnell erkennen, was ihnen für einen guten Unterricht fehlt und mit welchen Lerninhalten die PHs sie unterstützen könnten.

Und bei der Primarstufe?

Betreffend Fachwissen reicht eine Maturität aus, um an den Primarschulen unterrichten zu können, ausgenommen vielleicht in den Fremdsprachen. Vereinzelte Impulse und Auffrischungen können gegebenenfalls gleichwohl sinnvoll sein. Betreffend methodisch-didaktischen Kompetenzen benötigen die angehenden Primarlehrpersonen hingegen eine vertiefte Ausbildung. Dies auch deswegen, weil sie gegen Ende der Primarschulzeit gleichzeitig die lernschwächeren und lernstärkeren Schulkindern in derselben Klasse unterrichten. Die Heterogenität ist heute insbesondere in einer fünften und sechsten Primarklasse erheblich. Das nötige Rüstzeug zur Bewältigung dieser schwierigen Aufgaben müssten ihnen die PHs vertieft vermitteln.

Pädagogische Hochschule seit Jahren in der Kritik, 08.11.2022 von Lena Heitz

Die Pädagogische Hochschule der FHNW kommt nicht aus den Schlagzeilen. In regelmässigen Abständen erreichen uns Mails und Briefe von Studierenden, die über haarsträubende Zustände berichten. Diese reichen von mangelnder Unterrichtsqualität, sinnlosen Inhalten bis zu Dozierenden, die den angehenden Lehrpersonen das Unterrichten beibringen sollten, selbst aber noch gar nie vor einer Schulklasse standen. Folgend ein Schreiben eines Studenten, dessen Name der Redaktion bekannt ist, den wir aber zum Schutz des Studierenden nicht publizieren.

«Ich studiere zurzeit an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) und möchte die Lehrberechtigung für die Sekundarstufe 1 erlangen. Nebenbei, um etwas Geld für mein Studium zu verdienen, unterrichte ich bereits an einer Baselbieter Sekundarschule. Obwohl ich wahnsinnig gerne unterrichte und mit den Jugendlichen zusammenarbeite, stehe ich kurz davor, das frustrierende Studium an der PH hinzuschmeissen.

Vor einigen Jahren habe ich bereits ein Studium im Kunstbereich mit einem Master abgeschlossen und durfte in unterschiedlichen Kunstbetrieben während längerer Zeit wertvolle Erfahrungen sammeln, was mir hilft, den Unterricht an der Sekundarschule stetig zu verbessern. Auch die Sekundarschüler/-innen profitieren von meiner langjährigen Berufserfahrung.

Irritierend ist nun, dass ich an der PH fachwissenschaftliche Einführungsseminare im Bereich der Kunst besuchen muss, die mir Dinge beibringen wollen, die ich jahrelang in meinem Beruf ausgeführt habe. Dies hat zur Folge, dass ich von diesen Seminaren nichts profitieren kann. Mein Antrag, mich von diesen Einführungsseminaren zu befreien und mir die entsprechenden Kurse als individuelle Arbeitsleistung anzurechnen, aufgrund der Tatsache, dass ich an diesen Kursen kein neues Wissen erlange, jedoch einen riesigen zeitlichen Arbeitsaufwand leisten muss, wurde abgelehnt. Er wurde nicht einmal seriös geprüft. Die Begründung der PH ist lapidar: Es gehe nicht darum, ob ich etwas schon könne, sondern allein darum, ob ich ein Papier besitze, das mir bescheinigt, das zu können.

Ähnlich geht es vielen Studierenden der PH aus den Bereichen Bildnerisches, Technisches und Textiles Gestalten. Groteskes Beispiel sind zwei Studierende mit abgeschlossener vierjähriger Schreiner- und Schlosserlehre, welche Seminare zu Grundlagen der Holz- bzw. Metallbearbeitung besuchen müssen. Es scheint, als würde die PH in den gestalterischen Fächern riesige Hürden aufstellen, dabei werden gerade TTG-Lehrpersonen händeringend gesucht.

Mein Fach begeistert mich und ich lerne grundsätzlich gerne Neues. An der PH geht es jedoch nicht darum, Neues und schulisch Relevantes zu lernen, sondern darum, Kurse und ihre Inhalte systematisch abzuarbeiten. Ob Studierende in den Seminaren profitieren, ist scheinbar nicht relevant. Es geht offensichtlich nur darum, dass die Studierenden belegen können, Seminare besucht zu haben. Der Inhalt der Seminare wird zur Nebensache.

In zahlreichen Seminaren bestehen die Leistungsnachweise daraus, perfekte Unterrichtsplanungen mit akribischen Feinplanungen vorzulegen. Mehrere Dozierende geben unter vorgehaltener Hand ehrlich zu, dass man diese detaillierten Planungen nur für die PH machen müsse und dass man diese später sicher nie mehr gebrauchen könne.

Startet man mit den in der PH erlernten Kompetenzen in den Beruf als Lehrperson, stellt man die untaugliche Ausbildung und ungenügende Vorbereitung auf das Unterrichten schnell fest. Wenig aus dem Studium der PH lässt sich im eigenen Unterricht verwenden. Ich wünsche mir, dass die PH mir beispielsweise beibringt, wie Lerninhalte den Schulkindern motivierend beigebracht, Schwierigkeiten mit renitenten Lernenden gemeistert und Elterngespräche zielführend geführt werden können. Im Studium kommen diese Inhalte viel zu kurz. Dabei ist ohne ein gutes Miteinander im Unterrichtsraum das Vermitteln von Fachwissen nur schwer möglich. Stattdessen paukt man an der PH, wie richtiges Zitieren funktioniert.»

Fachdidaktiker/-innen an der PH ohne Unterrichtserfahrung, 11.04.2021 von Regina Werthmüller

Fachdidaktik ist eine wissenschaftliche Disziplin mit eigener Forschung, welche insbesondere die Bedingungen und Unterrichtsformen des Lernens erforscht und in einem direkten Bezug zur allgemeinen Didaktik, der Fachwissenschaft sowie der Entwicklungs- und Lernpsychologie steht. In der Fachdidaktik werden Planung und Durchführung der Unterrichtslektionen und deren Analyse untersucht. Die einzelnen Unterrichtssequenzen werden erforscht, reflektiert, die Lernfortschritte untersucht und unterschiedliche Unterrichtsmodelle entwickelt und überprüft. Die angehenden Lehrpersonen werden in die Praxis des Unterrichtens eingeführt. Für den Schulalltag ist ein gesundes Mass an Fachdidaktik wichtig, weil die Junglehrer/-innen das Unterrichten lernen.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) hat mehrere Rückmeldungen erhalten, dass einige Dozierende an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) über keine pädagogische Erfahrung verfügen oder teilweise seit längerer Zeit nicht mehr unterrichten.

Diese Praxis, bei welcher Dozentinnen und Dozenten rein theoretisches Fachwissen ohne jeglichen Praxisbezug an angehende Lehrpersonen vermitteln, ist fragwürdig. Die Folge davon sind theorielastige Seminare und Vorlesungen, die an der PH FHNW durchgeführt werden, ohne Kenntnis, ob das erlangte Wissen im täglichen Unterrichten überhaupt funktioniert. Dies darf nicht Sinn und Zweck dieser Disziplin sein. Die Fachdidaktik verkommt so zu einer weltfremden und realitätsfernen Disziplin. 

Ich erachte es als unabdingbar, dass Fachdidaktiker/-innen einer PH nicht nur über eine langjährige Unterrichtserfahrung verfügen, sondern parallel zu ihrer Anstellung an der PH FHNW zwingend an einer Volksschule (Primarstufe, Sek. I) oder einer weiterführenden Schule (Sek. II) Jugendliche oder junge Erwachsene unterrichten.

Selbst PH-Dozenten kritisieren kompetenzorientierten Lehrplan, 02.01.2021 von Michael Pedrazzi

Der Lehrplan Volksschule Baselland besteht heute in allen Fächern (ausser in Englisch und Französisch) nahezu gänzlich aus über 3’500 Kompetenzbeschreibungen. Exemplarisch folgendes Beispiel: «Die Schülerinnen und Schüler können allein oder im Gespräch die kommunikative und ästhetische Wirkung und Qualitäten ihrer Texte mithilfe von Kriterien differenziert einschätzen.» Sehr viele Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan Volksschule Baselland sind nicht wirklich greifbar, sehr schwierig umzusetzen und kaum überprüfbar. Alleine schon die schiere Menge dieser Beschreibungen zeigt die praxisferne Abgehobenheit.

Die Volksabstimmung vom Juni 2018 forderte mit 84.2% Zustimmung neben einem kompetenzorientierten Lehrplanteil vor allem klar definierte Stoffinhalte und Themen. Der Versuch, die Lehrpläne so zu überarbeiten, dass diese für die Schulen brauchbar sind, scheiterte mit Ausnahme des Englischlehrplans jedoch kläglich. Folgend ein Auszug eines Mails eines Sekundarlehrers für Geografie, der notabene ebenfalls Dozent an einer pädagogischen Hochschule ist, an die verantwortliche Mitarbeiterin des Amtes für Volksschulen (AVS) anlässlich einer Rating-Konferenz von Geografiefachvorständen: Der aktuelle Lehrplan in Geografie sei «ein Witz: Überladen, redundant, unverständlich und häufig doppeldeutig (…). Würde mir ein Student ein solches Produkt abliefern, wäre mein kurzer Vermerk: «Zurück an den Absender, lesen Sie bitte nochmals die Aufgabenstellung!» Das Produkt müsste nochmals komplett neu konzipiert, durchdacht und geschrieben werden, die vorliegende Version ist nicht einmal eines Entwurfes würdig!»

So ist es ein offenes Geheimnis, dass die allermeisten Lehrpersonen den kompetenzorientierten Lehrplanteil für ihre tägliche Arbeit als untauglich erachten. Kompetenzbeschreibungen sind an sich als Hilfsinstrument in einer überschaubaren Menge durchaus angebracht, wenn sie aussagekräftig und in der schulischen Praxis auch umsetzbar und überprüfbar sind. Diese Situation ist heute jedoch nicht gegeben.

Am 7. März 2021 kommt deshalb die Volksinitiative «Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3‘500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren« zur Abstimmung, die eine Abspeckung des kompetenzorientierten Lehrplanteils auf eine überschaubare und einsatzfähige Grössenordnung sowie eine umsetzbare Qualität zum Ziel hat, mit der Lehrpersonen auch arbeiten können.

Pädagogische Hochschule erhält erneut ungenügende Noten, 22.10.2020 von Regina Werthmüller

Die Studierenden der Pädagogischen Hochschule (PH) in Muttenz und Brugg-Windisch geben ihrem Bildungsinstitut bei der breit durchgeführten Umfrage im entscheidenden Bereich «Praxisrelevanz» miserable Noten. Die Resultate, welche die Direktorin unter Verschluss zu halten versuchte, wurden der Starken Schule beider Basel (SSbB) zugespielt.

Bei allen drei Fragen «Verknüpfung von Theorie und Praxisanteilen», «Erwerben berufsrelevanter Funktionen» und «Praxisorientierung in der Lehre und im Lehrangebot», welche alle die Praxisrelevanz betreffen, erhielt die PH die Note 3.2 oder tiefer. Damit schnitt die PH im Jahr 2020 noch schlechter ab als im Jahr 2018. Damals lag die Zufriedenheit der Studierenden auf einer Skala von 1 bis 6 bei 3.2, wie Prime News im Oktober 2019 offenlegte.[1] Auch in den Jahren 2013 und 2016 schnitt die PH mit den Noten 3.1 und 3.4 ungenügend ab. Diese ungenügenden Noten spiegeln auch die Äusserungen von Studierenden, die sich bei der SSbB und der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) gemeldet haben. Die bz formulierte online am 1.10.2020 pointiert: «Durch ihr Studium fühlen sie [die Studierenden] sich nicht ausreichend befähigt, die Herausforderungen des Lehrerberufs souverän zu bewältigen. Eine schallende Ohrfeige für ihre Ausbildungsstätte».[2]

Die Noten dieser aktuellen Umfrage passen ins langjährige Bild und sind mit einer Stimmbeteiligung von rund 30% aussagekräftig. Offensichtlich gelingt es der PH trotz intensiver Bemühungen nicht, die Qualität in ihrem Bildungsinstitut sowohl menschlich als auch fachlich zu verbessern. Statt offen die Umfragedaten zu kommunizieren und die notwendigen Diskussion zuzulassen, verschliesst sich die PH-Leitung.

Da hilft es auch wenig, wenn der Institutsleiter der beiden Sekundarstufen 1 und 2 seinen Studierenden einen beschönigenden Brief schreibt: «Wir freuen uns, dass Sie verschiedene zentrale Aspekte/Bereiche Ihres Studiums, die eine wichtige Grundlage für Ihren Studienfortschritt bilden, eher positiv bis positiv einschätzen.» Er nennt z.B. das «allgemeine Studienklima», welches gute Noten erhielt. In der Tat: Das Klima zwischen den Studierenden wurde von diesen zwischen gut und sehr gut beurteilt. Es wäre schön, wenn die Ausbildungsqualität der PH ebenfalls eine solch gute Note erhalten würde.


[1] Quelle: https://primenews.ch/articles/2019/10/die-paedagogische-hochschule-faellt-bei-studenten-durch
[2]
Quelle: https://www.bzbasel.ch/basel/baselbiet/junge-lehrkraefte-fuehlen-sich-von-der-hochschule-schlecht-ausgebildet-139341990

Die Pädagogische Hochschule in Muttenz fällt durch, von Alina Isler

Eine Studierendenbefragung der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) in Muttenz bestätigt, was wir schon lange vermutet haben: Die PH fällt bei den Studierenden durch. Aufgrund zahlreicher Rückmeldungen, die von aktuellen oder ehemaligen Studierenden auf dem Büro der Starken Schule beider Basel in den letzten Jahren eingetroffen sind, wussten wir schon lange, dass es in der Ausbildungsstätte unserer zukünftigen Lehrpersonen Missstände gibt. Kritikpunkte waren Sturheit, charakterliche Schwächen und fachliche Überforderung von Dozierenden und Betreuungspersonen.

Die Befragung, welche im Jahr 2018 zum dritten Mal durchgeführt wurde und ein wichtiger Gradmesser in Bezug auf die Zufriedenheit der Studierenden an der PH ist, liefert deutliche Ergebnisse. Auf einer Skala von 1 bis 6 beträgt die Zufriedenheit 2018 lediglich 3.2 Punkte (Quelle: Primenews), was einer deutlich ungenügenden Note entspricht. Im 2013 erreicht die PH einen Wert von 3.1 Punkten, im 2016 einen solchen von 3.4 Punkten. Diese Resultate bestätigen unser Bild, dass das Klima seit Jahren unbefriedigend und eine Verbesserung diesbezüglich dringend notwendig ist.

Die Ergebnisse der letztjährigen Befragung wurden nie ganzheitlich publiziert. Die Trägerkantone Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau wurden zwar im Rahmen des jährlichen Berichts zum Leistungsauftrag von der FHNW über die Missstände informiert, die Ergebnisse der aktuellsten Befragung würden jedoch erst in den Bericht im kommenden Jahr einfliessen. Dies lässt vermuten, dass die FHNW diese Missstände verdeckt halten will.

Die Führungspersonen der PH FHNW können offensichtlich seit Jahren die Zufriedenheitsquote nicht verbessern. Sie müssen sich die Frage einer möglichen Überforderung gefallen lassen. Die Aufsichtsorgane und die Regierungen der vier Trägerkantone sind nun in der Pflicht zu handeln. Dazu gehört auch die Prüfung personeller Veränderungen.

Die Politik reagiert nun und im November werden Baselbieter Bildungspolitiker, Schulleiter, PH-Mitarbeitende und Studenten mit der Bildungsdirektorin Monica Gschwind über die Zukunft der Ausbildung diskutieren. Die Art und Weise, wie an die Hearings gegangen wird, hat jedoch einen speziellen Beigeschmack.

Unmut an der PH bei angehenden Gymnasiallehrpersonen, 19.01.2019

Der aktuelle Arbeitsmarkt für Gymnasiallehrer sieht im Kanton Basel-Landschaft nicht rosig aus; noch schlimmer ist es in Basel-Stadt, wo von vier auf nur noch drei Jahre Gymnasium gewechselt wurde. Neben der Frustration über mangelnde Arbeitsplätze kommt für angehende Gymlehrer jedoch auch noch die teils unkoordinierte und wenig praxisbezogene Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule (PH) hinzu. Nicht nur die Qualität einiger Dozenten, sondern auch der Studienaufbau an sich, wird von vielen Studenten/-innen bemängelt und stark kritisiert. So würden vielfach Themen im Unterricht der Erziehungswissenschaften und der Fachdidaktik behandelt werden, die sie entweder bereits in der früheren Ausbildung gelernt hätten oder die ihnen auf der Gymnasialstufe keinen Mehrwert bringen.

Wenigstens ist der Unmut an der PH bekannt. Sprecher Christian Irgl schiebt dies einerseits auf die schlechten Jobaussichten und andererseits auf falsche Vorstellungen an die PH-Ausbildung. Statt viel Praxiserfahrung verlangt die Erziehungsdirektorenkonferenz nämlich, dass pädagogische und erziehungswissenschaftliche Zusammenhänge vermittelt werden.

[Quelle: Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung vom 19.01.2019]

Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen

Wie werden heute Sekundarlehrpersonen ausgebildet?
Angehenden Sekundarlehrpersonen stehen heute zwei Ausbildungsmöglichkeiten offen:

  • Beim sogenannten „konsekutiven“ Ausbildungsweg absolvieren sie zuerst eine dreijährige, fundierte Fachausbildung an der Universität in denjenigen Fächern, die sie später unterrichten. Sie schliessen dort mit dem Bachelor ab. Anschliessend folgt eine zweijährige methodisch-didaktische Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule (PH).
  • Beim „integrativen“ Ausbildungsweg besuchen sie während vier Jahren ausschliesslich die PH. Dort erhalten sie eine minimale Fachausbildung und ebenfalls die methodisch-didaktische Ausbildung.   

Wo liegt das Problem?
Die Fachausbildung der Sekundarlehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule (PH) wird seit einiger Zeit von Studierenden, Dozierenden der Universität und PH, Bildungs-Fachexperten und Schulen stark kritisiert. Heute wird an der PH eine Fachausbildung angeboten, welche nur einem Bruchteil, rund einem Drittel der früheren Fachausbildung an der Universität entspricht. In Fächern wie Chemie, Biologie oder Physik wird im Vergleich sogar nur noch rund 10% Fachwissen vermittelt. Die PH marginalisiert das fachliche Wissen, während andererseits die Bereiche Methodik, Didaktik und Psychologie eine bevorzugte Stellung einnehmen. Für angehende Lehrpersonen bedeutet dies, dass sie auf dem PH-Bildungsweg ein sehr bescheidenes Fachwissen erwerben.

Was sind die Folgen?
Die Folgen dieser „Fachausbildung light“ sind an den Sekundarschulen eins zu eins sichtbar. PH-Absolventen stossen im Schulalltag fachlich immer wieder an ihre Grenzen. Es ist ein bedenklich, wenn sie teilweise sogar weniger Ahnung vom Stoff haben als die begabtesten Schüler/-innen einer Klasse. Dies insbesondere im anspruchsvollen Leistungsniveau P, welches auf das Gymnasium vorbereitet. Die Leidtragenden sind die Lernenden. Für sie sind Lehrpersonen mit geringen Fachkenntnissen untaugliche Vorbilder, welche die Jugendlichen für ihr Fach kaum begeistern können. Gerade in der Pubertät ist aber die Vorbildfunktion von eminenter Bedeutung. Die Erfahrung zeigt, dass kompetente und begeisterungsfähige Lehrpersonen den Jugendlichen immer wieder entscheidende Impulse für die Berufslaufbahn mitgeben können. Diese Vorbildfunktion fehlt bei der „Fachausbildung light“.

Was braucht die Schule?
Eine gute Schule braucht sowohl fachlich als auch methodisch-didaktisch kompetent ausgebildete Lehrpersonen. Mit der Universität und der Pädagogischen Hochschule (PH) verfügen wir über zwei Bildungsinstitutionen, die beide ihre Stärken haben: Die Stärke der PH ist die methodisch-didaktische Ausbildung, diejenige der Universität die Fachausbildung. Die PH ist jedoch nicht in der Lage, qualitativ und quantitativ ausreichende Fachausbildungen zu bieten. Ihre Akzente liegen naturgemäss in der Pädagogik, Psychologie und der entsprechenden Forschung. Aus diesem Grund hat der Kanton Zürich die Fachausbildung seiner Sekundarlehrpersonen aus der PH ausgelagert. In unserem Kanton liegt der Fall anders. Die überwiegende Mehrheit der angehenden Sekundarlehrpersonen wählt den „integrativen“ Ausbildungsweg an der PH, weil dieser weniger lang dauert (insgesamt nur 4 statt 5 Jahre) und auch weniger anspruchsvoll ist. Gute Lehrer/-innen erhalten wir jedoch nur, wenn die Studierenden von den Stärken beider Bildungsinstitute profitieren. Das heisst: Fachausbildung an der Universität, methodisch-didaktische Ausbildung an der PH.

Was fordert die Initiative?
Die Initiative hat zum Ziel, dass die gesamte Fachausbildung der Sekundarlehrpersonen wieder von der Universität übernommen wird: Während drei Jahren sollen angehende Lehrpersonen wie früher eine Fachausbildung in zwei oder drei Fächern an der Universität absolvieren und mit dem Bachelor abschliessen. Im Anschluss folgt, analog dem früheren Lehrerseminar, eine ein- bis zweijährige methodisch-didaktische Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule.
Die nicht formulierte Initiative „Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen“ wirkt als Lenkungsinitiative, indem sie festschreibt, dass nur Sekundarlehrpersonen mit einer Uni-Fachausbildung eine unbefristete Anstellung erhalten. Lehrpersonen mit ausschliesslicher PH-Ausbildung werden hingegen nur befristet angestellt. Die Lenkungsinitiative führt dazu, dass künftig weitaus mehr Studierende den „konsekutiven“ Ausbildungsweg mit der Fachausbildung an der Universität einschlagen, dies zum Vorteil für unsere Schulen. Nur auf der Basis solider fachlicher Grundlagen lässt sich auch in Zukunft eine gute Schulbildung garantieren. Es geht um nichts weniger als um den sorgsamen und verantwortungsvollen Umgang mit unserem einzigen „Rohstoff“ Bildung.  

Und die Kosten?
Das strukturelle Defizit (Unterdeckung der Pensionskasse, Kostenschub im Gesundheitswesen usw.) drückt schwer auf die Finanzen des Kantons und zunehmend drohen Steuererhöhungen.
Aus diesem Grund sind teure Doppelspurigkeiten zu vermeiden, wie sie mit den beiden Ausbildungsvarianten „konsekutiver“ und „integrativer“ Weg heute bestehen. Durch die Verlagerung der Fachausbildung der Sekundarlehrpersonen von der Pädagogischen Hochschule (PH) an die Universität können an der PH Millionenbeiträge eingespart werden, ohne dass dabei an der Universität relevante Mehrkosten entstehen. Praktisch sämtliche Lehrgänge werden schon heute an der Universität geführt. Die Universität Basel hat die notwendigen Kapazitäten und kann die Fachausbildung problemlos wieder übernehmen.

Für Stoffpläne statt Kompetenzen, 18.11.2016 von Jürg Wiedemann

BaZ: Die letzten Wahlen haben die Prioritäten der Baselbieter Bildungspolitik völlig verändert. Sie haben damals die Wahl der heutigen Bildungsdirektorin Monica Gschwind unterstützt. Sind die von ihr angestrebten Ziele der Bildungspolitik auch Ihre?
Jürg Wiedemann: Die Bildungsziele, welche Monica Gschwind anstrebt, entsprechen weitgehend meinen. Durch ihre strategisch gute Arbeit hat sie mitgeholfen, die Sammelfächer zu verhindern. Jetzt möchte sie die Einführung des neuen Lehrplans Volksschule Baselland um zwei Jahre auf 2020/2021 verschieben. Damit kann dieser mit Stoffinhalten ergänzt werden. Die Entwicklung von Stoffverteilungsplänen, wie sie Monica Gschwind nennt, ist eine aufwendige Arbeit – da müssen wir uns nichts vormachen. Das braucht genügend Zeit, insbesondere auch, um den neuen Lehrplan in die Vernehmlassung zu schicken und die Akzeptanz bei den Lehrpersonen zu prüfen. Dieses Vorgehen befürworte ich.

Die vielen Reformen im Baselbiet wurden mit dem sogenannten Marschhalt gebremst. Bildungsdirektorin Gschwind sagt, jetzt sei in den Schulen wieder mehr Ruhe eingekehrt. Glauben auch Sie das?
Am unruhigsten war es im letzten Amtsjahr von Gschwinds Vorgänger Urs Wüthrich. Die Wahl von Monica Gschwind hat wesentlich zur Beruhigung beigetragen, ebenso die Einsetzung der Arbeitsgruppe Marschhalt. Auch die durchgeführte Umfrage bei den Lehrpersonen zu den Bildungs­reformen und die Absicht der Bildungsdirektorin, die anstehenden kantonalen Volksinitiativen der Starken Schule Baselland schnell zur Abstimmung zu bringen und die Ergebnisse in den neuen Lehrplan einfliessen zu lassen, erhöhten das Vertrauen. Leider versucht die SP, eine Unruhe zu konstruieren, die es so nicht gibt, auch wenn die Sparmassnahmen in der Bildung da und dort klar zu weit gehen.

Eines hat sich trotz dem Wechsel an der Spitze der Bildungsdirektion nicht verändert: Es werden laufend neue Volks­initiativen gestartet. Braucht es diese Opposition von der Strasse überhaupt noch?
Keine der Initiativen ist aufgrund der Politik von Monica Gschwind lanciert worden. Das gilt sowohl für die beiden Fremdsprachen-Initiativen als auch für die Lehrplan-Initiative. Alle drei streben Korrekturen von Reformen an, die noch von alt Regierungsrat Urs Wüthrich eingeleitet wurden.

Das mag für die Initiativen des Komitees Starke Schule Baselland zutreffen. Es wurden aber auch zwei Initiativen gegen die Sparpläne der neuen Regierung lanciert. Auch bei diesen Initiativen sind Sie Mitglied des Initiativkomitees.
Sie sprechen die beiden Volksinitiativen des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) an. Die Lancierung muss der LVB begründen. Die Stossrichtung halte ich aber für richtig. Deshalb unterstütze ich beide Anliegen, die das direkte Arbeitsumfeld in den Schulen und damit gewerkschaftliche Themen betreffen – im Unterschied zur Starken Schule, die sich vorwiegend mit dem Bildungssystem befasst.

Weshalb tanzen Sie auf mehreren Hochzeiten? Sie sind Mitglied des Landrats, aber dennoch bei allen Volksinitiativen mit dabei. Jetzt könnte es sich doch lohnen, die Anliegen in der neuen Zusammensetzung im Landrat durchzusetzen?
Im Landrat gibt es nur eine Mehrheit für die Anliegen der Starken Schule, welche die unsäglichen Bildungs­reformen stoppen. Für gewerkschaft­liche Anliegen und wenn es um das Verhindern von Sparmassnahmen geht, finde ich keine Mehrheit.

Wollen Sie in diesem Bereich mit dem nötigen Druck aus dem Volk den Geldhahn wieder öffnen?
Ja, deshalb braucht es einen Volksentscheid. Eine gute Bildung ist der Schlüssel für den Erfolg und den Wohlstand unserer Gesellschaft.

Sprechen wir noch über die Lehrpläne für die Primar- und Sekundarschule. Angekündigt sind Stoffverteilungspläne in Ergänzung zu den Kompetenzen des Lehrplans 21. Weshalb halten Sie und die Starke Schule dennoch an einer Volksinitiative fest, die Stufenlehrpläne fordert. Genügen Ihnen die Ankündigungen von Frau Gschwind nicht?
Zwischen der Variante, wie sie Frau Gschwind möchte und wie sie die Starke Schule vorzieht, gibt es eine wesentliche Differenz. Der kompetenzlastige Lehrplan 21 propagiert das selbst organisierte Lernen in Grossraumschulzimmern, die be­schönigend als Lernlandschaften bezeichnet werden. Die Lehrpersonen werden zu Lerncoaches degradiert und erteilen kaum mehr einen fundierten Unterricht. Das wollen wir nicht. Deshalb möchten wir, dass der neue Lehrplan Stoffinhalte und Themen enthält und die abstrakten Kompetenzbeschreibungen in einem un­verbindlichen Anhang formuliert werden. Dadurch können wir die vom Lehrplan 21 propagierte Unterrichts­ideologie, die alle über einen Kamm schert, verhindern.

Wie wollen Sie solche Nuancen der Bevölkerung vor einer Volksabstimmung erklären? Ist es nicht eher Ihr Ziel, den Lehrplan 21 mitsamt seinen Tests und Schulabschlüssen zu eliminieren?
Die Volksinitiative hat zwei einfach formulierte Paragrafen, die für alle verständlich sind. Und, ja, die neu konzipierten Checks sind in der Tat suboptimal. Die Vorbereitung darauf braucht viel Zeit, die dann im Unterricht fehlt. Sie erzeugen einen unnötigen Druck auf die Lernenden.

Wenn Sie mit der Volksinitiative den auf Kompetenzen basierenden Lehrplan 21 aushebeln, verhindern Sie die Vergleichbarkeit der Leistungen zwischen den Kantonen. Mit Absicht?
Der Lehrplan 21 ist mit seinen 3500 kaum umsetzbaren Kompetenzbeschreibungen, die jede Lehrperson anders interpretieren kann, derart umfangreich, dass die Vergleichbarkeit ohnehin unmöglich ist. Um eine echte Harmonisierung und damit eine Vergleichbarkeit der Leistungen zu erzielen, braucht es für jedes Schuljahr klar definierte Stoffinhalte.

Sie fokussieren auf die Sekundarschule?
Auf der Sekundarstufe richtet der Lehrplan 21 das grössere Unheil an als auf der Primarstufe.

Künftig will die Bildungsdirektion die einzelnen Stufen weniger ins Zentrum rücken. Unterstützen Sie es, dass stärker als bisher die Laufbahnorientierung im Vordergrund steht?
Die Laufbahnorientierung ist wichtig. Es darf nicht das Ziel sein, möglichst viele ins Gymnasium zu bringen. Der duale Bildungsweg mit der Berufsmatur muss gestärkt werden. Ich lehne es im Gegensatz zu einigen bürgerlichen Bildungspolitikern je­­doch ab, dass die Leistungshürden für den Gymnasiumseintritt erhöht werden. Wichtiger fände ich, den dualen Weg attraktiver zu gestalten.

Unter Druck stehen die Brückenangebote, für die Sie sich schon früher engagiert haben. Heute verfolgt Baselland das Ziel, dass die Ausbildung schon in der Sekundarschule zielgerichteter erfolgt, sodass es weniger Zusatzschlaufen braucht.
Brückenangebote bauen Brücken zwischen der obligatorischen Schule und der beruflichen Arbeitstätigkeit. Einige Schülerinnen und Schüler machen erst spät den Knopf auf und erreichen die Lernziele in der Volksschule nicht. Für sie sind diese Brückenangebote sinnvoll. Die Jugend­lichen erhalten Zeit, sich zu festigen. Das heutige Angebot sollten wir deshalb nicht einschränken.

Bildungsdirektorin Gschwind nimmt auch Einfluss auf die Lehrerausbildung der vier Nordwestschweizer Kantone und hat auch dazu beigetragen, dass Verbesserungen möglich wurden. Weshalb kämpfen Sie dennoch mit einer Volksinitiative gegen die Anstellung von Seklehrern, die von der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz, der PH, ausgebildet werden?
Die Sekundarschulen benötigen für die drei Leistungsprofile Lehrpersonen mit unterschiedlichen Stärken. Für Lehrpersonen, die an den Sekundarschulen das allgemeine Leistungsniveau A unterrichten möchten, ist die integrative Ausbildung an der PH gut. Für Lehrpersonen, welche jedoch die beiden anspruchsvolleren Leistungsniveaus E und P unterrichten wollen, ist die Fachausbildung an der PH quantitativ und qualitativ ungenügend.

Die Initiative verlangt aber nur ein Anstellungsverbot für PH-Abgänger? Es gäbe dann Lehrer, die im Baselbiet angestellt werden könnten, und solche, die nur noch in allen anderen Kantonen angestellt werden könnten.
Nein, das stimmt nicht. Weiterhin könnten alle im Baselbiet unterrichten. Diejenigen mit integrativem Ausbildungsweg an der PH erhielten jedoch nur befristete Arbeitsverträge. Das Ziel dieser Lenkungs-Initiative ist es, dass mehr Studierende die schwierigere Fachausbildung an der Universität absolvieren. Davon würden die Schulen profitieren. Dieser Ausbildungsweg dauert heute aber ein Jahr länger und führt erst noch zu einer schlechteren Entlöhnung, obwohl die Ausbildung fundierter ist als an der PH. Monica Gschwind beabsichtigt, diese Ungleichbehandlung auszumerzen und die tieferen Löhne nach der universitären Ausbildung anzuheben. Ich bin unsicher, ob diese Massnahme genügt. Falls ja, dann könnte die Initiative zurückgezogen werden.

Wann wollen Sie sie zurückziehen? Sie ist bereits abstimmungsreif.
Im Februar wird noch nicht darüber abgestimmt. Es bleibt also noch etwas Zeit. Dieses Thema werden wir sicher mit Monica Gschwind besprechen, auch einen allfälligen Rückzug.

Zum Schluss noch eine Frage zu den Fremdsprachen. Wie stehen Sie zu den Absichten des Bundes, den Kantonen dreinzureden?
Die Kantone sind zerstritten, sie können sich nicht einigen. Deshalb verstehe ich, dass der Bund Leitlinien erstellen will. Mit der Variante, in der Primarschule mit einer Landessprache zu beginnen und diese an der Sekundarschule lückenlos weiterzuführen, kann ich sehr gut leben. Das wäre auch mit unserer Initiative für nur eine Fremdsprache auf der Primarstufe vereinbar.

[Quelle: Interview erschienen in der BaZ vom 18.11.2016]

Keine Sammelfach-Luftschlösser, von Regina Werthmüller

Die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) will gegen den Willen einer überwiegenden Mehrheit der Lehrpersonen von fast 75 Prozent die Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaftskunde abschaffen und den Sekundarschulen nebulöse Sammelfächer aufzwingen, was gemäss breiten Fachkreisen einem einschneidenden Qualitätsabbau gleichkäme. Die von Tehoretikern in Bern forcierten Sammelfächer sind extrem teuer; sie verschlingen Millionen in zweistelliger Höhe … ohne jeglichen Bildungsmehrwert. Selbstverständlich kommt ein Geschichtslehrer ohne geografische Aspekte nicht aus. Dennoch ist das noch lange kein Grund, die beiden Einzelfächer Geschichte und Geografie abzuschaffen und durch ein wenig aussagekräftiges Sammelfach «Räume, Zeiten, Gesellschaften» zu ersetzen. Innerhalb kurzer Zeit ginge den Schülern und Schülerinnen in diesen Fächern wichtiges Basiswissen verloren. Noch schlimmer verhält es sich bei den Fächern Biologie, Chemie und Physik, die als exakte Wissenschaften fachlich derart heruntergebrochen werden müssten, um sie vereint als «Natur und Technik» zu banalisieren.

Sollen Fächern, die dem Industrie-Standort in unserer Region zur wirtschaftlichen Blüte verholfen haben, auf ein erschreckendes Mass an Belanglosigkeit redimensioniert werden? Wie wenig durchdacht diese geplante Abschaffung der Einzelfächer ist, erkennt man daran, dass die weiterführenden Schulen wie Gymnasien die Notwendigkeit der Einzelfächer erkannt haben und diese beibehalten. Die Sammelfächer würden durch notwendige Weiterbildungen der Lehrpersonen gewaltige Finanzen verschlingen, was der Steuerzahler berappen müsste. Zudem müssten komplett neue Lehrmittel angeschafft werden, während die bewährten im Reisswolf landen.

Auf dem Markt existieren viele gute und kostengünstige Lehrmittel für Einzelfächer. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass neu entwickelte Lehrmittel immer teurer werden. So zum Beispiel das Mathematiklehrmittel «Mathbuch» oder das neue Französisch-Lehrmittel «Mille Feuilles», welches als Einwegbuch elfmal so viel kostet wie das Vorgängerlehrmittel.

Die Universität bietet nur Einzelfächer an. Deshalb müsste die gesamte Ausbildung der zukünftigen Sekundarlehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule (PH) durchgeführt werden. Die hätte zwei fatale Folgen: Erstens liegt die Fachausbildung an der PH quantitativ nur bei maximal einem Drittel von derjenigen an der Universität. Zweitens leisten wir uns mit der Lehrerausbildung an der Universität und der PH eine teure Doppelspurigkeit. Erfolgt an der PH nur noch die methodische, didaktische Ausbildung und die Fachausbildung an der Uni, so könnten an der PH Millionen eingespart werden, ohne relevante Mehrkosten an der Universität. Dem Kanton geht es finanziell nicht gut, Auf solche Zweigleisausbildungswege sollten wir verzichten.

Sammelfächer bringen aus pädagogischer Sicht wenig, da bereits heute fächerübergreifend unterrichtet wird, zum Beispiel während Projektarbeiten, an welchen mehrere Lehrpersonen, alles Experten, beteiligt sind. Dies garantiert schon heute ein vernetztes Lernen, aber auf einem hohen fachlichen Niveau. Das Baselbiet benötigt keine Sammelfach-Luftschlösser.