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Zum 10-Jahr-Jubiläum der Starken Schule beider Basel

Zum 10-Jahr-Jubiläum der Starken Schule beider Basel

Es war ein Schlüsselmoment und ein politisches Husarenstück, als sich die Starke Schule und ihr Gründer Jürg Wiedemann damals über Weihnachten 2014 entschlossen hatten, die damalige FDP-Regierungskandidatin Monica Gschwind im Kanton Baselland zu unterstützen. Es läutete den Wendepunkt einer jahrzehntelangen Bildungspolitik unter Herrschaft der SP ein, welche die Baselbieter Schule über eine Generation hinweg mit einem ideologisch geführten Reformwillen zu ersticken drohte. Mit allen bekannten Folgen: schlechte Lehrmittel, ein mit über 3000 Kompetenzen unkontrollierbarer und völlig unverbindlicher Lehrplan und schliesslich den Kompetenzabsturz der Schülerinnen und Schüler in Französisch, Deutsch und Mathe.

Dank der Unterstützung der FDP-Frau ist die Bildungsverwaltung – eine einstige SP-Trutzburg – geschliffen worden; die Starke Schule hat fortan wenigstens ein Ohr (ein Standbein ist es nicht) in der Bildungsdirektion und kann die Bildungspolitik nun nicht mehr nur via einer Flut von mehr oder weniger qualitativ guten Initiativen beeinflussen. Insgesamt waren es 16.

Für diese Strategie liess sich Wiedemann bei den Grünen parteipolitisch kreuzigen. Und er nahm seine Hinrichtung 2015 mit seligem Lächeln hin. Die Liebe zur Schule und das Ziel des Erhalts ihrer Qualität war dem unter Schülern geachteten und beliebten Sekundarlehrer wichtiger als seine Karriere. Überhaupt hat die Starke Schule als eine der wenigen Organisationen in der Schweiz schon vor zehn Jahren die Stimme gegen den Mainstream erhoben, welcher die Schülerinnen und Schüler zum charakterlich besseren Menschen umerziehen wollte. Die Organisation ist dafür diffamiert worden, als der Begriff «Cancel Culture» noch nicht erfunden war.

Ich selber habe es erlebt – als Schulrat und als Journalist – wie die Besserwisser mit verachtenden Blicken den Unbelehrbaren und Sturen aus Birsfelden in den Senkel zu stellen versuchten und ihn als Verräter behandelten. Wiedemann und die Starke Schule haben dieser Ausgrenzung Stand gehalten und sind mit ihrem Mitgliederstamm im Baselbiet inzwischen zu einer referendumsfähigen Organisation geworden, die der Bildungsverwaltung kontrollierend im Nacken sitzen kann. Recht so. Seither haben Kurskorrekturen stattgefunden.

Fast ist man geneigt zu sagen, dass sich die Starke Schule zurücklehnen kann. Zumindest im Baselbiet. Der Kanton ist aus dem Harmoskonkordat ausgestiegen. Neben dem unübersichtlichen Lehrplan-21-Kompetenzkompendium ist es ihr gelungen, einen einfacheren Lehrplan zu installieren. Dieser wird sich durchsetzen, wie sich alles in der Welt durchsetzt, was ökonomischer und einfacher ist. Die für teures Geld eingeführten und doch so schlechten Fremdsprachenlehrmittel dürfen dank der Starken Schule mit der Papiersammlung entsorgt werden.

Was der Starken Schule aber in ihrem Kampf für eine bessere Schule lange Zeit entging, ist die Tatsache, dass das Baselbiet keine bildungspolitische Insel ist, auch wenn Bildungspolitik auf Kantonsebene umgesetzt werden muss. Vielleicht findet sie endlich eine Zusammenarbeit mit Organisationen in anderen Kantonen. Dass sie einen Ableger in Basel-Stadt gegründet hat, ist immerhin ein Lichtblick. Vielleicht schafft sie es auch noch, eigene Impulse zu setzen. Es gibt noch viele Baustellen. Beispielsweise überfordert die immer frühere Einschulung unsere immer jüngeren 1. Klässler und sie hält die immer jüngeren Volksschulabgänger davon ab, sich für die so wertvolle Berufslehre zu entscheiden.

Daniel Wahl
früherer Lehrer und Journalist bei der BaZ