Starke Schule beider Basel (SSbB)

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News

  • Freitag, Januar 22, 2021

    Solothurn schliesst Mittelschulen

    Das mutierte Coronavirus aus Grossbritannien zwingt die Schüler/-innen der Kantons- und Berufsschulen im Kanton Solothurn ab kommenden Montag zuhause zu bleiben.

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  • Donnerstag, Januar 21, 2021

    Zürich will Noten statt Krönchen

    Im Kanton Zürich wurde eine Parlamentarische Initiative eingereicht, welche die Beurteilung durch Noten ab der 4. Klasse im Volksschulgesetz verankert. 107 Parlamentarier aus fast allen Parteien (FDP, SVP, CVP, GLP und EVP) unterzeichneten den Vorstoss. Lediglich die Grünen und die SP befürworten weiterhin die Beurteilung mittels Symbolen wie Krönchen oder Raketen.

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  • Montag, Januar 18, 2021

    Unterstützung betreffend BYOD

    Regina Werthmüller, Landrätin und Vorstandsmitglied der Starken Schule beider Basel, hat am 14. Januar einen Vorstoss zum Thema «Bring Your Own Device» (BYOD) eingereicht. Dieser fordert die Regierung zu überprüfen, wie die Schüler/-innen der weiterführenden Schulen betreffend BYOD finanziell unterstützt werden können.

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Leserbrief

Klare Lehrpläne als brauchbares Arbeitsinstrument

Die vernichtenden Resultate, welche aufgrund der Überprüfung der Grundkompetenzen vorliegen, lassen nur wenig Interpretationsspielraum.  Zum einen kommt die integrative Beschulung an ihre Grenzen, zum andern sind die Ursachen dort zu finden, wo die Basis des Unterrichts ansetzt: Die Lehrpersonen benötigen gute und klar definierte Lehrpläne. Sind diese unübersichtlich, kaum lesbar und unmöglich zu erfüllen aufgrund der hohen Anzahl an Kompetenzbeschreibungen, so führt dies unweigerlich zu einer Orientierungslosigkeit. Die Bildungsziele können nicht erreicht werden. Dieser Zustand bedarf einer Korrektur in Richtung strukturierte Lehrpläne mit einem Teil A, welcher klar definierte Themen und Stoffinhalte enthält und einem Teil B, der aus einer sinnvollen Menge Kompetenzbeschreibungen besteht.

Vergleich- und messbare Bildungsstandards verhelfen zu einer höheren Bildungsqualität unserer Schulabgänger/-innen, welche sich behaupten und der nationalen wie auch internationalen Konkurrenz stellen kann. Die Schulen sind keine Wunsch- und Wohlfühloasen. Sie haben eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung. Will sich unser Land im Wettbewerb um ein hohes Bruttoinlandprodukt behaupten, dem Anspruch auf «Bildungserfolg für alle» gerecht werden und die finanziellen Ressourcen, welche die Steuerzahlenden leisten, optimal nutzen, dann sind straffe Strukturen mit eindeutigen Zielvorgaben unabdingbar. Die Initiative der Starken Schule beider Basel (SSbB) hat dies im Fokus.

Anita Biedert-Vogt, Mitglied Bildungskommission

 

Bildungsinitiative in Basel

Unterschreiben Sie die formulierte Initiative der Starken Schule beider Basel, mit welcher wir der gescheiterten Passepartout-Ideologie ein Ende setzen möchten. Die Initiative verlangt eine echte Lehrmittelfreiheit auch im Kanton Basel-Stadt. Die Lehrpersonen sollen die Lehrmittel "Mille feuilles", "Clind d'oeil" und "New World" durch bewährte Lehrmittel ersetzen können.

Hier können Sie den Unterschriftenbogen herunterladen.

Die Starke Schule empfiehlt bei Sammelständen Schutzmasken zu tragen oder beim Ansprechen auf der Strasse einen Abstand von 2 Metern einzuhalten.

 

Spenden

Wir freuen uns über Ihre Spende.

Starke Schule beider Basel
4127 Birsfelden

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02.01.2021

Selbst PH-Dozenten kritisieren kompetenzorientierten Lehrplan

Der Lehrplan Volksschule Baselland besteht heute in allen Fächern (ausser in Englisch und Französisch) nahezu gänzlich aus über 3'500 Kompetenzbeschreibungen. Exemplarisch folgendes Beispiel: «Die Schülerinnen und Schüler können allein oder im Gespräch die kommunikative und ästhetische Wirkung und Qualitäten ihrer Texte mithilfe von Kriterien differenziert einschätzen.» Sehr viele Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan Volksschule Baselland sind nicht wirklich greifbar, sehr schwierig umzusetzen und kaum überprüfbar. Alleine schon die schiere Menge dieser Beschreibungen zeigt die praxisferne Abgehobenheit.

Die Volksabstimmung vom Juni 2018 forderte mit 84.2% Zustimmung neben einem kompetenzorientierten Lehrplanteil vor allem klar definierte Stoffinhalte und Themen. Der Versuch, die Lehrpläne so zu überarbeiten, dass diese für die Schulen brauchbar sind, scheiterte mit Ausnahme des Englischlehrplans jedoch kläglich. Folgend ein Auszug eines Mails eines Sekundarlehrers für Geografie, der notabene ebenfalls Dozent an einer pädagogischen Hochschule ist, an die verantwortliche Mitarbeiterin des Amtes für Volksschulen (AVS) anlässlich einer Rating-Konferenz von Geografiefachvorständen: Der aktuelle Lehrplan in Geografie sei «ein Witz: Überladen, redundant, unverständlich und häufig doppeldeutig (…). Würde mir ein Student ein solches Produkt abliefern, wäre mein kurzer Vermerk: "Zurück an den Absender, lesen Sie bitte nochmals die Aufgabenstellung!" Das Produkt müsste nochmals komplett neu konzipiert, durchdacht und geschrieben werden, die vorliegende Version ist nicht einmal eines Entwurfes würdig!»

So ist es ein offenes Geheimnis, dass die allermeisten Lehrpersonen den kompetenzorientierten Lehrplanteil für ihre tägliche Arbeit als untauglich erachten. Kompetenzbeschreibungen sind an sich als Hilfsinstrument in einer überschaubaren Menge durchaus angebracht, wenn sie aussagekräftig und in der schulischen Praxis auch umsetzbar und überprüfbar sind. Diese Situation ist heute jedoch nicht gegeben.

Am 7. März 2021 kommt deshalb die Volksinitiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3‘500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren" zur Abstimmung, die eine Abspeckung des kompetenzorientierten Lehrplanteils auf eine überschaubare und einsatzfähige Grössenordnung sowie eine umsetzbare Qualität zum Ziel hat, mit der Lehrpersonen auch arbeiten können.

Michael Pedrazzi
Vorstand Starke Schule beider Basel

 
 

29.12.2020

LVB Mitglieder befürworten weniger Kompetenzbeschreibungen

In der jüngsten Zeitschrift des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland hat der LVB die Ergebnisse einer bei seinen Mitgliedern durchgeführten Umfrage zum Thema Lehrplan veröffentlicht. Mit differenzierten Fragen an die Lehrpersonen aller Schulstufen wurde nachgefragt, wie ein hilfreicher Lehrplan beschaffen sein muss. Die Antworten der 655 LVB-Mitglieder, die an der Umfrage teilgenommen haben, zeigen einmal mehr ein deutliches Bild.

Grund für die Umfrage war insbesondere die Schwierigkeit, in Sachen Lehrpläne den Überblick zu behalten. Dies, weil in den letzten Jahren immer wieder Kontroversen um die Baselbieter Lehrpläne entfacht sind und nach und nach zu Anpassungen in Teilbereichen kam. Da die Thematik des Lehrplans jedoch wichtig ist, sollten mittels gezielten Fragen, die Wünsche und Forderungen der Lehrpersonen zusammengefasst werden.

Es nahmen insgesamt 655 lvb-Mitlieder teil; 302 davon unterrichten an der Primarstufe, 219 an der Sek. 1, 116 an der Sek. 2 und 18 an anderen Schulen. Es wurde deutlich, dass den Lehrpersonen insbesondere die Umsetzbarkeit der inhaltlichen Stoffziele, die Übersichtlichkeit und der Lehrplan als hilfreiches Arbeits- und Planungsinstrument wichtig sind (siehe dazu die folgenden Diagramme).

 

 

 

Eine weitere Frage war, ob in den Stofflehrplänen der einzelnen Fächer auf konkrete Inhalte fokussiert und weitgehend auf Kompetenzbeschreibungen verzichtet werden soll. Mit der deutlichen Annahme der Vorlage "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" an der Urne durch das Volk mit über 84% am 10.6.2018 war der Auftrag klar: Der Lehrplan Volksschule Baselland soll aus zwei Teilen bestehen, die gleichwertig den Lehrplan bilden: Ein Teil soll lediglich aus Stoffinhalten und Lernzielen bestehen, der andere Teil aus Kompetenzbeschreibungen. 

Unten sehen Sie die Auswertung der Frage, ob im Lehrplanteil "Stoffinhalte und Themen" auf Kompetenzbeschreibungen verzichtet werden soll. 



69.2% der Lehrpersonenn stimmten dieser Aussage zu oder eher zu. Im Vergleich zu den vorhergehenden Fragen stimmten mit 30.8% aber auch etwas mehr mit "trifft nicht zu" oder "trifft weniger zu". Der LVB interpretierte diesen Unterschied in seiner Analyse aufgrund der erhaltenen Kommentare, dass möglicherweise einige der Teilnehmer/-innen die Frage so verstanden hätten, ob komplett auf Kompetenzbeschreibungen verzichtet werden solle. Die Frage des LVB war jedoch nur auf den Teil des Lehrplans ausgerichtet, der aus "Stoffinhalten und Themen" bestehen soll und nicht auf den zweiten Teil, der sowieso aus Kompetenzbeschreibungen besteht. 

In einem zweiten Teil der Umfrage wurde konkret nach der Meinung der aktuellen Initiative der Starken Schule beider Basel gefragt. Die Initiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3'500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren" besteht aus zwei Anliegen:
 

  1. Die Reduktion auf maximal 1'000 Kompetenzbeschreibungen sowie dem Primat der Stoffinhalte und Themen für die schulische Promotion.
  2. Die Differenzierung der Stoffinhalte und Themen nach Jahreszielen und Anforderungsniveaus sowie der Abstimmung der Lernziele auf die Anforderungen der Sek. 2.

 
Interessant ist, dass sehr viel mehr Personen zu den beiden letzten Fragen keine Meinung äussern  konnten oder wollten. Dies liegt möglicherweiste daran, dass die Fragen sehr spezifisch sind und sie nicht die Lehrpersonen aller Stufen betreffen. Wenn die Stimmen der Lehrpersonen, die zustimmen oder eher zustimmen mit denjenigen verglichen, die nicht zustimmen oder eher nicht zustimmen, zeigt sich auch hier, dass eine deutliche Mehrheit die Anliegen der Initiative der Starken Schule beider Basel befürworten. Es sind 55.2% bei der ersten und 60.9% bei der zweiten Teilfrage.

Die Umfrage zeigt deutlich auf, wie wichtig die Lehrpersonen die Ausgestaltung eines sinnvollen Stofflehrplans erachten. Es bleibt zu hoffen, dass auch von Seiten der Bildungsdirektion die Stimmen der Lehrpersonen wahrgenommen werden und entsprechend gehandelt wird.
 
Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel
 
 
28.06.2020

Wegweisender Entscheid des Bildungsrates

Der Bildungsrat hat die neuen Lehrplanteile «Stoffinhalte und Themen» für die Fächer Englisch und Französisch definitiv beschlossen. Diese gelten bereits ab nächstem Schuljahr. Brisant: Die aus sieben erfahrenen Englischlehrpersonen zusammengesetzte Arbeitsgruppe konnte sich gegen den teilweise massiven Widerstand des Amts für Volksschulen (AVS) durchsetzen. Die Mitglieder der AG waren Delegierte des Lehrerinnen- und Lehrer­ver­bandes (LVB), der Starken Schule beider Basel (SSbB) und der Schulleitungskonferenzen (SLK Sek. I, SLK Sek. II).

Vor mehr als einem Jahr erhielten die beiden Arbeitsgruppen von der «Task Force Fremdsprachen» den Auftrag, für die Fächer Englisch und Französisch neue Lehrplanteile «Stoffinhalten und Themen» zu erarbeiten. Die SSbB gehörte jener Task Force an. Von Beginn weg versuchte das AVS als Schnittstelle zwischen der Task Force und Arbeitsgruppen massiven Einfluss auszuüben. So veränderte das AVS die von der Task Force formulierten Arbeitsaufträge eigenmächtig und offensichtlich ohne Kenntnis der BKSD. Dies ging so weit, dass das AVS den beiden Arbeitsgruppen fixfertige, weitgehend aus Kompetenzbeschreibungen bestehende Lehrplanteile «Stoffinhalte und Themen» vorlegte mit der Aufforderung, diese ohne wesentliche Änderungen abzunicken.

Während sich die Arbeitsgruppe Französisch dem Druck beugte und den 29-seitigen Französisch-Lehrplanvorschlag des AVS fast vollständig guthiess, erarbeiteten die Englischlehrpersonen unbeirrt einen komplett neuen Lehrplan. Dieser ist pointiert formuliert, übersichtlich und klar strukturiert. Er wurde denn auch von sämtlichen involvierten Bildungsorganisationen (AKK, SLK Sek. I, LVB, SSbB, Konferenz der Sekundarlehrpersonen) befürwortet. Der 29-seitige Französisch-Lehrplan fiel hingegen kläglich durch.

Nach einem Machtwort von Bildungsdirektorin Monica Gschwind gab das AVS seinen Widerstand auf: Der Bildungsrat hat vergangene Woche den von der Arbeitsgruppe Englisch erarbeiteten rund sechsseitigen Lehrplanteil mit ganz wenigen redaktionellen Änderungen verabschiedet sowie den auf 10 Seiten abgespeckten Französisch-Lehrplan bewilligt. Insbesondere im Englisch-Lehrplanteil «Stoffinhalte und Themen» sind Kompetenzbeschreibungen nur noch marginal vorhanden. Die beiden Fremdsprachen-Lehrpläne können Sie hier herunterladen (Lehrplan Englisch, Lehrplan Französisch).

Die SSbB dankt dem Bildungsrat und dessen Präsidentin Monica Gschwind für deren wegweisenden Entscheid.

Regina Werthmüller
Landrätin und Vorstandsmitglied SSbB

 

20.06.2020

BKSD anerkennt Irrelevanz von Kompetenzbeschreibungen

Der Lehrplan Volksschule Baselland besteht seit August 2018 aus zwei Teilen: Teil A trägt den Titel «Stoffinhalte und Themen», Teil B besteht aus 3’536 Kompetenzbeschreibungen, wobei auch Teil A trotz des irreführenden Titels zahlreiche Kompetenzbeschreibungen enthält. In der Zwischenzeit kristallisiert sich jedoch immer stärker heraus, dass der Lehrplanteil B mit seinen 3'536 Kompetenzbeschreibungen von den Lehrpersonen gar nicht beachtet wird.

Im September 2018 hat die Starke Schule beider Basel die Initiative «Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3‘500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren» lanciert. Angestrebtes Ziel ist es, die Anzahl Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen der Primarstufe und der Sekundarstufe 1 auf unter 1'000 zu reduzieren. Unbrauchbare und unsinnige Kompetenzbeschreibungen sollen gestrichen werden.

Brisant ist nun die folgende Aussage der BKSD in ihrer Medienmitteilung vom 17. Juni 2020: Der Baselbieter Regierungsrat erachtet «das Anliegen der Gesetzesinitiative zur Reduktion der Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen der Volksschule bereits als erfüllt». Damit bringt die BKSD zum Ausdruck, dass die massgebende Anzahl Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen bereits unter 1'000 betrage. Die Starke Schule beider Basel sieht zwei mögliche Interpretationen dieser Verlautbarungen:

  1. Die BKSD informiert tatsachenwidrig, indem sie behauptet, das Anliegen der Initiative sei erfüllt. Die im Lehrplanteil B vorhandenen 3'536 Kompetenzbeschreibungen kann jeder nachzählen und damit leicht feststellen, dass es deutlich mehr sind als die in der Initiative geforderte Beschränkung auf 1’000. Die BKSD täuscht damit gegebenenfalls Medien und Öffentlichkeit.
  2. Die BKSD zählt die 3'536 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplanteils B nicht mehr zum Lehrplan Volksschule Baselland. Dies tut sie möglicherweise deshalb, weil der Lehrplanteil B von den Lehrpersonen gemäss Rückmeldungen in der Tat ignoriert wird. Die BKSD zählt deshalb nur noch die Kompetenzbeschreibungen, die im Lehrplanteil A festgeschrieben sind, und kommt so auf weniger als 1'000 Kompetenzbeschreibungen. Die BKSD bestätigt damit aber auch die Untauglichkeit und Irrelevanz des Lehrplanteils B, was die Starke Schule begrüsst.

Alina Isler
Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel

 

16.05.2020

Interpellation gegen ideologisch geprägten Lehrplan

Am 14. Mai reichten Anita Biedert (SVP) und Regina Werthmüller (parteilos, Vorstandsmitglied Starke Schule) eine Interpellation im Landrat mit brisanten Zitaten der SLK, AKK, KLS und LVB ein. Diese betreffen den Lehrplan Volksschule Baselland mit seinen 3'536 Kompetenzbeschreibungen. Die Berufsverbände und Bildungsorganisationen fordern "unisono klare Stoffinhalte". Nachfolgend können Sie die gesamte Interpellation lesen:

Berufsverbände fordern unisono klare Stoffinhalte

Der Lehrplan Volksschule Baselland besteht aus zwei Teilen: Teil A trägt den Titel «Stoffinhalte und Themen», Teil B enthält 3'536 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21. Trotz des irreführenden Titels besteht auch Teil A vorwiegend aus Kompetenzbeschreibungen, die oft schwammig formuliert und nicht umsetzbar sind. Das Amt für Volksschulen (AVS) will jedoch entgegen der gemeinsamen Position von SLK, AKK, KLS, LVB und SSbB weiterhin einen Lehrplan, bei dem beide Teile A und B aus Kompetenzbeschreibungen bestehen. Damit wird der Volksentscheid vom Juni 2018 missachtet und ein brauchbarer Lehrplan für die Lehrpersonen verhindert.

SLK
AKK
KLS
LVB
SSbB 

Schulleitungskonferenz Sekundarstufe 1
Amtliche Kantonalkonferenz
Konferenz der Lehrer/-innen der Sekundarstufe 1
Lehrerinnen- und Lehrerverein
Starke Schule beider Basel

 
Volksentscheid wird nicht umgesetzt

An der Volksabstimmung vom Juni 2018 stimmten 84.2% der Wählenden JA zu klar definierten Stoffinhalten und Themen in den Lehrplänen. Umgesetzt wurde dieser Volksentscheid nicht. Der Lehrplanteil A besteht weiterhin nahezu ausschliesslich aus Kompetenzbeschreibungen. Die Lehrpersonen können zwar in einem gross angelegten und teuren Rückmeldeprozess zum Lehrplanteil A teilnehmen, jedoch ist dieser durch die eng vorgegebenen Fragestellungen so gesteuert, dass eine echte und strukturelle Kritik nahezu verunmöglicht wird. Beispielsweise wird unterbunden, dass die Lehrpersonen Stoffinhalte und Themen anstelle von schwammigen Kompetenzbeschreibungen im Lehrplananteil A fordern können. Der zurzeit laufende Rücklaufprozess wird auf diese Art zur Farce.

Ebenso befürworteten im November 2019 84.8% eine geleitete Lehrmittelfreiheit mit einem schrittweisen Aufbau von Grammatik, Grundwortschatz und Orthografie in den beiden Fremdsprachen Englisch und Französisch. Aufgrund dieser klaren Abstimmungsresultate beauftragte die Bildungsdirektion (BKSD) für die beiden Fremdsprachen Englisch und Französisch je ein Expertenteam aus erfahrenen Fachlehrpersonen der Sekundarstufe 1 mit der Erarbeitung eines neuen Lehrplanteils A «Stoffinhalte und Themen».

Lehrplanentwurf Englisch findet grosse Zustimmung

Das AVS, welches die beiden Arbeitsgruppen Englisch und Französisch instruierte, erarbeitete im Vorfeld in Eigenregie einen neuen Lehrplanteil A, der wiederum nahezu ausschliesslich Kompetenzbeschreibungen enthielt, und legte diesen den beiden Arbeitsgruppen vor. Diese konnten zwar punktuelle Änderungen vornehmen, prinzipielle und insbesondere strukturelle Korrekturen waren jedoch nicht erwünscht. Die Fachexperten hätten diese Vorlage «abnicken» sollen.

Die Französischlehrpersonen beugten sich dem Druck des AVS. Sie übernahmen dessen Lehrplan mit reinen Kompetenzbeschreibungen strukturell und weitgehend auch inhaltlich. Die Englischlehrpersonen hingegen setzten den Volkswillen um: Sie erarbeiteten einen übersichtlichen und prägnant formulierten Lehrplanteil A mit klar definierten Stoffinhalten und Themenbereichen ohne Kompetenzbeschreibungen, ausgerichtet auf die drei Leistungsprofile A, E und P. Die 3'536 Kompetenzbeschreibungen beliessen sie unverändert im Lehrplanteil B. Der bemerkenswert klar strukturierte Englisch-Lehrplanteil A hat einen Umfang von 1 bis 2 Seiten pro Schuljahr, was ihn für die Lehrpersonen zu einem hilfreichen Arbeitsinstrument macht. AKK, KLS, LVB, SSbB und SLK bekundeten denn auch ihre grosse Zustimmung zum Englisch-Lehrplanentwurf.

Berufsverbände und Bildungsorganisationen sind sich einig

SLK, AKK, KLS, LVB und SSbB sind sich einig: Der vom Expertenteam in den vergangenen Monaten neu erarbeitete Lehrplan Englisch für die Sekundarstufe 1 stösst bei den Lehrpersonen auf grosse Zustimmung. Das AVS hingegen will für die beiden Fremdsprachen Französisch und Englisch einen Lehrplan, der weiterhin nahezu ausschliesslich aus Kompetenzbeschreibungen besteht.

Im Folgenden einige Zitate aus den Stellungnahmen von SLK, AKK, KLS, LVB und SSbB, welche Bildungsrat und AVS unter Verschluss halten wollen:

  • AKK: «Wir unterstützen im Wesentlichen die Stellungnahme der Stufenkonferenz KLS. Kurz zusammengefasst halten wir fest, dass der Entwurf des Lehrplanes Englisch grosse Akzeptanz findet, der Entwurf des Lehrplanes Französisch aber als stark überladen und unübersichtlich beurteilt wird. Wir fordern, den Lehrplan Französisch auf ein für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte bearbeitbares Mass zu kürzen und ihn übersichtlicher und benutzerfreundlicher zu gestalten.»

  • KLS: «Die KLS anerkennt (…) die Notwendigkeit die Lehrpläne anzupassen. In erster Linie für den Teil 1 [Lehrplanteil A] ‘Stoffinhalte und Themen’ des Lehrplans Volksschule Baselland wünscht sich die KLS eine übersichtliche und klar formulierte Fassung, welche möglichst ohne Kompetenzbeschreibungen auskommt und auf 1 bis 3 Seiten pro Schuljahr und Fach prägnant und klar aufgebaut Stoffinhalte und Themen festhält, an welchen man sich unabhängig vom Lehrmittel orientieren kann. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Wahl des Lehrmittels sich im Falle eines Schul- und Klassenwechsels nicht negativ auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler auswirkt. Die vorliegende Fassung des Lehrplans Englisch erfüllt diese Anforderungen vollumgänglich (…). Der Lehrplanentwurf Französisch erachtet die KLS jedoch als viel zu umfangreich, unübersichtlich und wenig hilfreich. (…)» Die KLS wünscht sich «eine vereinfachte und gestraffte Version des ausgearbeiteten Lehrplans, in der Form wie sie in Englisch erarbeitet wurde.»

  • SLK: Der Französischlehrplan «soll sich in der Art am Englischlehrplan orientieren und viel konkreter formuliert sein. Alles, was bereits im Lehrplan 21 [Lehrplanteil B] formuliert und dargestellt ist, gilt und muss [im Lehrplanteil A] nicht wiederholt werden. Die Treffpunkte müssen sich in der Formulierung und v.a. Prägnanz am Englischlehrplan orientieren.»

  • LVB: Der LVB hat seine Mitglieder zu den beiden Lehrplanentwürfen detailliert befragt. «Auf den ersten Blick wird erkennbar, dass der Lehrplanentwurf Englisch grosse Zustimmung findet, während der Lehrplanentwurf Französisch durchfällt. (…) Aus den Kommentaren geht insbesondere hervor, dass der Lehrplanentwurf Französisch als viel zu lang und zu unübersichtlich empfunden wird. (…) Basierend auf den Ergebnissen unserer Befragungen fordern wir eine Überarbeitung des Lehrplanentwurfs Französisch, die sich am Vorbild des Lehrplanentwurfs Englisch orientiert.»

  • SSbB: «Der neu erarbeitete Englischlehrplan der Sekundarstufe 1 setzt den Volkswillen um, indem er sich auf reine Stoffinhalte und Themenfelder fokussiert und Kompetenzbeschreibungen nur dort festgeschrieben sind, wo diese unabdingbar notwendig sind. Sein Umfang erstreckt sich auf 1.5 bis 2 Seiten pro Schuljahr, was ihn sehr übersichtlich und schnell verständlich macht. Er verzichtet dabei auf eine unnötige Tiefenstrukturierung und Detailversessenheit, was den Lehrpersonen entsprechende Leitgedanken und trotzdem eine grosse pädagogische Umsetzungsfreiheit gewährt. Die Starke Schule befürwortet den von erfahrenen Englisch-Lehrpersonen erarbeiteten Lehrplan vollumfänglich. Der überarbeitete Französischlehrplan missachtet den Volkswillen, indem er die Stoffinhalte und Themen zu wenig prägnant ausweist und andererseits umfangreiche Formulierungen im Stil des kompetenzorientierten Lehrplanteils B beinhaltet. Zudem verfügt er über knapp 30 Seiten, was die Lesbarkeit und Übersicht erschweren. Solche Lehrpläne finden im Schulalltag keine oder höchstens geringe Beachtung. Demzufolge ist eine Harmonisierung der Stoffinhalte illusorisch, da die folglich im Unterricht umgesetzten Themenfelder nicht übereinstimmen werden.»
     
  • Die Lehrpersonen und Fachexperten wünschen sich keinen Lehrplan, der ausschliesslich aus Kompetenzbeschreibungen besteht, zumal viele davon abgehoben und nicht umsetzbar sind. Und das Stimmvolk gibt ihnen Recht. Es hat zweimal (Juni 2018 und November 2019) mit überwältigendem Mehr JA gesagt zu einem Lehrplan mit klar definierten Stoffinhalten und Themen, welche differenziert auf die drei Leistungsprofile A, E und P ausgerichtet sind. Auch die politischen Diskussionen und Verlautbarungen des Gesetzgebers im Vorfeld der Abstimmungen und die Kommunikation des politischen Willens gegenüber dem Stimmvolk waren eindeutig.

Ideologisch geprägter Lehrplan

Die Starke Schule beider Basel bedauert den Entscheid des AVS, entgegen der Position von Bildungsorganisationen, Basis und Berufsverbänden weiterhin einen ideologisch geprägten und für die Lehrpersonen kaum praktikablen Lehrplan erzwingen zu wollen. Wir bitten den Bildungsrat, den deutlichen Volksentscheid für klare Stoffinhalte und Themen im Teil A in den Lehrplänen umzusetzen.

Wir bitten den Regierungsrat um die Beantwortung der folgenden Frage:

Ist der Regierungsrat bereit, diesen klaren Willen von Berufsverbänden, Bildungsorganisationen und dem Stimmvolk umzusetzen und dafür zu sorgen, dass der Lehrplanteil A aus reinen Stoffinhalten und Themen besteht und nicht aus Kompetenzbeschreibungen?

Anita Biedert (SVP)
Regina Werthmüller (parteilos, Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel)


Die Basler Zeitung hat zu diesem Thema zwei pointierte Artikel geschrieben. Lesen Sie die beiden Texte hier: "Der Sololauf des Chef-Ideologen" und "Ein Kampf um die Deutungshoheit"